Aktuell Erfolg 09. April 2018

Briefmarathon 2017: Neues Rekordergebnis mit 5,5 Millionen Teilnahmen

Diese zehn Beispiele beweisen: Eure Worte zeigen Wirkung!
Schülerinnen und Schüler in weißen Hemden schreiben Briefe

Schülerinnen und Schüler beteiligen sich an einer Briefmarathon-Aktion von Amnesty in Togos Hauptstadt Lome im Dezember 2017

Beim Amnesty-Briefmarathon 2017 haben sich Menschen aus aller Welt mit 5,5 Millionen Briefen, E-Mails, Online-Aktionen und Unterschriften für Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten eingesetzt – ein neuer Rekord.

Wer schreibt heute eigentlich noch Briefe? Einst waren sie das wichtigste Mittel, um mit fernen Menschen in Kontakt zu treten. Doch in Zeiten von SMS, E-Mails und Chats scheint die Zeit des Briefeschreibens vorbei zu sein.

Doch jedes Jahr am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, treffen sich Menschen auf der ganzen Welt, um genau das zu tun: Sie schreiben Briefe an Gefangene, die zu Unrecht inhaftiert sind, sowie an ihre Angehörigen. Sie schreiben an Regierungschefs, um die Freilassung der Inhaftierten zu fordern.

Sie schreiben, weil ein Brief einem Gefangenen neue Hoffnung schenken kann. Sie schreiben, weil ihr Brief den Regierungen und Behörden deutlich macht, dass die Welt nicht wegsieht, wenn Unrecht geschieht. Allein in Deutschland schrieben alle Teilnehmenden mehr als 250.000 Appelle. All die Briefe und Solidaritätsbekundungen sind Teil des Briefmarathons 2017.

5,5 Millionen Unterstützungsbriefe

Beim Amnesty-Briefmarathon 2017 haben sich Menschen aus der ganzen Welt mit 5,5 Millionen Briefen, E-Mails, Online-Aktionen und Unterschriften für Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger eingesetzt. Viele der Briefe waren sehr kunstvoll gestaltet, enthielten liebevolle Karten oder Zeichnungen. Und sie haben viel bewirkt – wie die folgenden Beispiele zeigen.

1. Der Blogger Mahadine ist frei

Ein Kind hält einen Brief in den Händen

Ein Kind hält Solidaritätsbriefe für Mahadine in den Händen, der auf Grund eines regierungskritischen Videos auf Facebook im September 2016 in Tschad inhaftiert worden ist

Der Blogger Mahadine aus dem Tschad durfte im April 2018 das Gefängnis verlassen. Mehr als 18 Monate saß er hinter Gittern, im drohte lebenslange Haft – nur, weil er auf Facebook die Regierung seines Landes kritisiert hatte. Zu den mehr als 690.000 Unterstützungsschreiben gehört auch diese Solidaritätskarte, die hier gerade von seinem Sohn gelesen wird.

"Ich möchte euch allen meine Dankbarkeit aussprechen. Ich schätze euch, ich liebe euch, ich respektiere euch. Menschlichkeit."

Mahadine
Online-Aktivist im Tschad

2. Die Anwältin Ni Yulan lebt sicherer

Briefe und Zeichnungen

Einige der Solidaritätsbriefe- und zeichnungen für die chinesische Aktivistin Ni Yulan, die sich gegen Zwangsräumungen in ihrem Land einsetzt

Die Rechtsanwältin Ni Yulan setzt sich in Peking seit vielen Jahren für Opfer von Zwangsräumungen ein. Seit Jahrzehnten wird sie deswegen von den chinesischen Behörden schikaniert und misshandelt. Doch nachdem sich Hundertausende Menschen mit Briefen für sie eingesetzt hatten, hat sich ihre Situation deutlich verbessert. "Wegen der internationalen Aufmerksamkeit haben die Übergriffe, Beleidigungen und Verletzungen meiner Rechte durch die Polizei nachgelassen", sagte sie. "Ich danke euch, dass ihr euch mit einem Schreiben für mich eingesetzt habt. Eure großzügige Unterstützung hat nicht nur mir geholfen, sondern auch die Menschenrechtslage in China generell verbessert."

3. Die Aktivistin Hanan Badr el-Din wird medizinisch versorgt

Briefe und Zeichnungen von einer Frau mit Kopftuch

Solidaritätsbriefe- und zeichnungen für die ägyptische Aktivistin Hanan Badr el-Din, die zusammen mit anderen Betroffenen die Organisation "Familienkoalition der Opfer des Verschwindenlassens" gründete

Hanan Badr el-Dins Ehemann ist im Juli 2013 "verschwunden". Seither kämpft sie dafür, dass die Behörden sein Schicksal aufklären.

Gemeinsam mit anderen Betroffenen hat sie die Organisation Familienkoalition der Opfer des Verschwindenlassens gegründet. Im Mai 2017 wurde sie bei der Suche nach ihrem Mann festgenommen und fälschlicherweise der "Mitgliedschaft in einer verbotenen Gruppierung" angeklagt. In Haft verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand zusehends. Doch dank der mehr als eineinhalb Millionen Menschen, die sich für sie eingesetzt hatten, wurde sie endlich medizinisch versorgt. Laut ihren Angehörigen kann dies auf die erhöhte internationale Aufmerksamkeit zurückgeführt werden, die durch den Briefmarathon erzeugt wurde.

4. Der Umweltschützer Clovis Razafimalalas wird ausgezeichnet

 

Briefe, bunte gemalte Bilder und Karten

Bemalte Karten und andere Solidaritätsbekundungen für den Aktivisten Clovis Razafimalala aus Madagaskar im Rahmen des Amnesty-Briefmarathons 2017

Clovis Razafimalalas Einsatz für den Schutz des Regenwaldes in Madagaskar wurde für ihn lebensgefährlich. Doch durch den Briefmarathon kam sein Fall weltweit in die Medien – woraufhin sich seine Situation in seiner Heimat verbessert hat: Heute setzen sich auch lokale Organisationen öffentlich für ihn ein – und nun wird er für seinen Umweltaktivismus sogar mit einem Preis ausgezeichnet. "Ich weiß nicht, wie viele Briefe ich genau erhielt, aber die Zahl geht in die Tausende", sagte er. "Sogar Schulkinder aus Kanada oder Amsterdam haben mir geschrieben. Das ist unglaublich berührend und macht mir wirklich Mut. Die Amnesty-Kampagne hat meine Situation massiv verändert. Sie hat meine Geschichte in die ganze Welt getragen. Und jetzt werde ich demnächst den Preis für den Mutigen Madagassen 2017 entgegennehmen. Das macht mich sehr stolz und ermutigt mich, weiterzukämpfen."

5. Die Angehörigen von Xulhaz Mannan spüren weltweite Solidarität

Porträt eines Mannes mit dunkeln Haaren, baunen Augen und grünem Oberteil

Porträt vom bangladeschischen Aktivisten Xulhaz Mannan

Die Geschichte von Xulhaz Mannan, der sich mutig für LGBTIQ-Rechte in Bangladesch einsetzte und deswegen in seinem eigenen Wohnzimmer getötet wurde, berührte Menschen auf der ganzen Welt. Hunderttausende forderten, dass sein Tod aufgeklärt wird und schrieben Briefe an seine Angehörigen, in denen sie ihre Solidarität ausdrückten. "All die Postkarten und Briefe – das ist wirklich beeindruckend", sagte Xulhaz‘ Bruder Minhaz. „So viel Liebe und Einsatz für Xulhaz ... Ich traue meinen Augen kaum. Vielen Dank euch allen!"

6. Die Organisation MILPAH kämpft weiter

Zeichnung von drei jungen Männer und zwei jungen Frau vor grünem Hintergrund

Die Mitglieder der Organisation MILPAH  kämpfen gegen die rücksichtslose Ausbeutung von Bodenschätzen auf ihrem Land und riskieren dabei ihr Leben

Die Organisation MILPAH (Movimiento Indígena Independiente Lenca de La Paz) verteidigt in Honduras die Rechte indigener Gemeinschaften und kämpft gegen die rücksichtslose Ausbeutung von Bodenschätzen. Deswegen sind ihre Mitglieder ständig Einschüchterungsversuchen und Bedrohungen ausgesetzt. Doch einige von ihnen berichteten nun, dass sich ihre Sicherheitslage aufgrund der weltweiten Unterstützung verbessert habe. "Dank Amnesty International und anderen internationalen Organisationen sind wir noch am Leben", sagten sie. "Wir konnten noch gar nicht alle Briefe lesen. Die kamen aus so vielen Ländern, aus der ganzen Welt. Wir freuen uns und sind stolz darauf, dass wir in der ganzen Welt Freundinnen und Freunde haben: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Wir danken euch für eure Unterstützung. Das gibt uns Kraft. Wir fühlen uns nicht alleine. Die Briefe ermutigen uns und so verteidigen wir auch weiterhin die Menschenrechte und die Umwelt."

7. Sakris Kupila hat die Unterstützung von Tausenden Menschen

Gelber Brief mit lilafarbenen gemalten Bildern und Schriftzügen

Ein Solidaritätsbrief für Sakris Kupila, der sich für die Rechte von Transgeschlechtlichen in Finnland einsetzt

Sakris Kupila ist ein junger Medizinstudent und Aktivist, der für die Rechte von Transgeschlechtlichen in Finnland eintritt. Anfangs hatte er es dabei nicht leicht. Er wurde schikaniert, fühlte sich isoliert und erfuhr viel Ablehnung, sogar an der Universität. Doch Teil des Briefmarathons zu sein, gab ihm eine Plattform und die Achtung, die er verdient. "Ich werde jetzt weniger als Projektionsfläche oder seltsames Objekt und mehr als Individuum angesehen, das zufällig auch trans ist – aber darüber hinaus eben noch viele andere Eigenschaften hat", sagte er. "Es ist unglaublich, wie viele Menschen aktiv geworden sind und sich um mich gesorgt haben."

8. Shackelia Jacksons Forderung ging um die Welt

Eine Frau in einem gestreiften Oberteil schaut mit ernstem Blick in die Kamera

Die Jamaikanerin Shackelia Jackson kämpft für Gerechtigkeit für ihren von der Polizei getöteten Bruder

 Über eine halbe Million Menschen forderten wie Shackelia Jackson Gerechtigkeit für den Tod ihres Bruder Nakiea. "Die Solidarität beschränkt sich nicht mehr auf Jamaika, sie kommt aus der ganzen Welt", sagte sie nach dem Briefmarathon. "Allein schon das, was man mit etwas Einsatz und einem Brief an den Premierminister erreichen kann, hat mir den Eindruck vermittelt, dass ich für meine Forderung nach Gerechtigkeit in einer sehr guten Position war. Ich habe gesehen, wieviel Ressourcen dieser Aktivismus benötigt und war froh, dass Amnesty International mich dabei unterstützt hat."

9. Farid al-Atrash und Issa Amro fühlen sich geschützt

Zwei Männer stehen nebeneinander in einer Häuserruine

Die Menschenrechtsverteidiger Farid al-Atrash und Issa Amro setzen sich gegen die illegalen israelischen Siedlungen in der Stadt Hebron und anderen Orten des besetzten Westjordanlandes ein

Die Menschenrechtsverteidiger Issa Amro und Farid al-Atrash wehren sich seit Jahren friedlich gegen die illegalen israelischen Siedlungen in der Stadt Hebron und anderen Orten des besetzten Westjordanlandes. Seit Jahren werden sie deswegen schikaniert und sind bereits wiederholt festgenommen worden.

Doch da mit Hilfe des Briefmarathons die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die israelischen Behörden gelenkt wurde, fühlen sich die beiden Männer jetzt geschützt.

"Wir wussten gar nicht, wie viel Unterstützung wir auf der ganzen Welt haben", sagte Farid, der auf dem Foto mit nur einigen der vielen Solidaritätspostkarten zu sehen ist.
"Die Leute hielten zu uns, um die israelischen Behörden dazu zu bewegen, alle Anklagen gegen uns fallen zu lassen und Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger in den besetzten palästinensischen Gebieten nicht länger zu schikanieren. Wir danken Amnesty International und ihren Unterstützerinnen und Unterstützern für die Aufnahme in den Briefmarathon 2017 und dafür, dass sie zu uns halten."

10. Taner Kılıç und die Istanbul 10 wissen, dass Menschen weltweit zu ihnen halten

Eine Gruppe von Menschen protestiert mit Masken, die das Gesicht von Taner Kilic zeigen, und Bannern

Amnesty-Protest vor der türkischen Botschaft in Berlin im November 2017

Fast 875.000 Menschen schrieben Appelle für die Freilassung des Vorstandssprechers von Amnesty International in der Türkei, Taner Kılıç, und zehn weitere festgenommene Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger, die auch als "Istanbul 10" bezeichnet werden. Die "Istanbul 10" sind zwar nicht mehr in Haft, doch ihnen drohen weiterhin Gefängnisstrafen. Taner Kılıç befindet sich immer noch in Haft. Sie alle sind nur deshalb bedroht, weil sie die Menschenrechte verteidigen. Wir werden weiter kämpfen, bis Taner Kılıç frei ist und die Anklagen gegen ihn und seine 10 Mitstreiterinnen und Mitstreiter fallengelassen werden. Günal Kurşun, einer der "Istanbul 10", erzählte uns, dass er den ersten Solidaritätsbrief, den er bekam, bei seiner Anhörung im Januar als Glücksbringer in seiner hinteren Hosentasche hatte. "Ich erinnere mich, dass ich vor 15, 20 Jahren Postkarten und Briefe für verschiedene Menschen in Kolumbien, Ägypten und Myanmar geschrieben habe. 20 Jahre später erhalte ich selbst solche Briefe. Vielen Dank für die Briefe, sie bedeuten mir sehr viel."

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