Berlinale: Amnesty-Filmpreis 2026 geht an "What Will I Become?"
Wurden für ihren Film "What Will I Become?" auf der Berlinale mit dem Amnesty-Filmpreis 2026 ausgezeichnet: Die Regiseur*innen Lexie Bean (Mitte) und Logan Rozos (rechts) und Produzentin Drew Dickler.
© Amnesty International, Foto: Raphael Rönn
Die Jury um Schauspielerin Gizem Emre und Filmemacherin Sheri Hagen zeichnet den US-amerikanischen Film "What Will I Become?" von Lexie Bean und Logan Rozos mit dem Amnesty-Filmpreis aus.
Der US-amerikanische Film "What Will I Become?" von Lexie Bean und Logan Rozos aus der Sektion "Generation 14plus" gewinnt den mit 5.000 Euro dotierten Amnesty-Filmpreis der Berlinale. Die Jury um Schauspielerin Gizem Emre und Filmemacherin Sheri Hagen sprach zudem eine lobende Erwähnung für den Film "Roya" von Mahnaz Mohammadi aus der Sektion "Panorama" aus, eine Ko-Produktion aus Deutschland, Tschechien, Luxemburg und dem Iran.
Der Coming-of-Age-Dokumentarfilm "What Will I Become?" erzählt von Homecoming-King Blake Brockington und Kyler Prescott – Dichter, Musiker und Anker ihrer Community – die durch Suizid starben, und beleuchtet die Verletzlichkeit transmaskuliner Personen.
Die Amnesty-Jury begründet ihre Entscheidung für den Gewinnerfilm wie folgt:
Nach Angaben der American Academy of Pediatrics versucht mehr als die Hälfte aller trans Jungen, sich das Leben zu nehmen. Die Regisseur*innen Lexie Bean und Logan Rozos blicken in ihrem sensibel inszenierten Film auf den Kampf zweier trans Jungen um Identität, Selbstbestimmung und Menschenwürde – ein Kampf, der auch ihr eigener ganz persönlicher und zugleich ein universeller ist. Außerdem verhandelt "What Will I Become?" Männlichkeit auf eine Art und Weise, die nicht oft im Diskurs vorkommt. Wir hoffen, dass viele Menschen diesen starken und zugleich berührend-poetischen Film sehen.
Der respektvolle und sensible Umgang der Regisseur*innen mit ihrem Sujet spiegelte sich auch in der genutzten Bildsprache wider, lobte die Jury. So nutzt der Film verschiedene Medienformen, um den Genderidentitäten seiner Protagonist*innen gerecht zu werden. "What Will I Become?" beeindruckte die Jury auch vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen in den USA, zu denen auch Angriffe auf die Grundfreiheiten von trans Menschen gehören.
Die Jury entschloss sich außerdem, eine lobende Erwähnung an "Roya" von Mahnaz Mohammadi zu vergeben, der als Ko-Produktion aus Deutschland, Tschechien, Luxemburg und dem Iran in der Sektion Panorama lief. In "Roya" steht eine iranische Lehrerin, die wegen ihrer politischen Überzeugungen im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert ist, vor einer Entscheidung: im Fernsehen öffentlich ein erzwungenes Geständnis ablegen oder in ihrer Drei-Quadratmeter-Zelle eingesperrt bleiben.
Für die Jury aus Gizem Emre, Sheri Hagen und Ines Wildhage ein wichtiger Film, der aus weiblicher Perspektive erzählt ist:
Mahnaz Mohammadis Film ROYA zeigt intim und schonungslos, wie der Staat versucht, mit Willkür und Folter Menschen zu brechen. Obwohl sich diese Gewalt bereits in jede Faser von Royas Körper und Geist eingeschrieben hat, widersetzt sie sich mit ihrem beeindruckenden Schweigen bis zum letzten Moment dieser Zerstörung.
Der dieses Jahr an "What Will I Become?" gehende, mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde in diesem Jahr zum 21. Mal verliehen. Auf der Berlinale, die gerade in dieser Zeit gesellschaftspolitische, menschenrechtspolitische Themen abbilden sollte, will er Filmschaffende würdigen, die ihre Arbeit den Menschenrechten widmen.
Die Jury
Gizem Emre wuchs in Berlin auf und entdeckte bereits während der Schulzeit ihre Leidenschaft für die Schauspielerei. Ihr Filmdebüt gab sie 2013; große Bekanntheit erlangte sie kurz darauf mit der Rolle der Zeynep in der erfolgreichen Kinoreihe "Fack ju Göhte" (2013-2017), einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Filmreihen ihrer Zeit. Über alle drei Teile hinweg war sie fester Bestandteil des Ensembles, welches 2015 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Neben ihrer Kinoarbeit ist Gizem Emre als wiederkehrende Figur Teil des Ensembles der Fernsehserie "Alarm für Cobra 11" (2014-2025). Darüber hinaus wirkte sie in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit, darunter "Nicht mein Tag" (R: Peter Thorwarth), "Wild Republic" (R: Markus Goller, Lennart Ruff), "Rumspringa" (R: Mira Thiel), "Paradise" (R: Boris Kunz) und "Pulled Pork" (R: Andreas Schmied). 2024 kehrte sie im Fack ju Göhte Spin-off "Chantal im Märchenland" (R: Bora Dagtekin) erneut auf die Kinoleinwand zurück. 2025 stand sie für die TV-Serie "Crystal Wall" (R: Greta Benkelmann, Tarek Roehlinger) sowie für den Kinofilm "Neo Nuggets - Eine Pulled Pork Komödie" (R: Andreas Schmied) vor der Kamera.
Sheri Hagen ist eine deutsch-nigerianische Filmemacherin und Schauspielerin. Nach ihrer Ausbildung in Hamburg und Wien spielte sie in zahlreichen Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen. 2007 erregte sie mit ihrem Kinderfilm "Stella und die Störche" Aufmerksamkeit als Drehbuchautorin und Regisseurin. Ihr Spielfilmdebüt "Auf den zweiten Blick" wurde mehrfach ausgezeichnet und 2013 in den deutschen Kinos veröffentlicht. 2015 gründete sie die Produktionsfirma Equality Film GmbH. Mit "Fenster blau" (2016) folgte eine weitere Spielfilmadaption. In den Jahren 2023 und 2024 wurde sie als Kultur- und Kreativpilotin sowie als Digital Female Leader 2024 ausgezeichnet. Zudem war sie Teil des Programms der 74. Berlinale EFM Fiction Toolbox. 2025 stellte sie ihren dritten Spielfilm "Billie" fertig, der im September 2025 auf dem Filmfest Hamburg premierte und im September 2026 in die Kinos kommt.
Ines Wildhage ist seit 2007 für Amnesty International in Deutschland tätig. Als Cross-Media-Referentin entwickelt und produziert sie u. a. audiovisuelle Materialien für die Kampagnen- und Kommunikationsarbeit.