Fußball-WM 2026: Reisehinweise für die USA
Sicherheitskräfte nehmen einen Demonstranten fest bei Protesten gegen die Einwanderungsbehörde ICE in Broadview im US-Bundesstaat Illinois (19. September 2025).
© Anadolu via Getty Images
Razzien und Gewalt gegen Migrant*innen, Unterdrückung von Protesten, Verletzung der Privatsphäre, Diskriminierung: Die Menschenrechtslage in den USA hat sich in den vergangenen Monaten noch weiter verschlechtert. Dies stellt auch eine Gefahr dar für die Besucher*innen der Fußball-Weltmeisterschaft (WM) der Männer. Trotzdem haben weder der Fußballweltverband FIFA noch die Austragungsorte und die US-Regierung zielführende Maßnahmen ergriffen oder Garantien abgegeben, um an dieser Situation etwas zu ändern. Amnesty International hat daher gemeinsam mit einer Vielzahl von Organisationen aus der US-amerikanischen Zivilgesellschaft folgende Reisehinweise herausgegeben für Fans, Spieler, Journalist*innen und andere Besucher*innen, die zur Fußball-WM in die USA reisen.
Die Fußball-WM der Männer findet 2026 in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten statt. In den USA werden die WM-Spiele in elf Städten ausgetragen. Diese zählen zu den zahlreichen Städten in den USA, in denen Sicherheitskräfte die Einwanderungspolitik der Trump-Regierung in jüngster Zeit mittels Gewalt und unter Verstoß gegen die Menschenrechte durchgesetzt haben. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen sind von Ort zu Ort unterschiedlich.
Zwar stellen die zunehmenden autoritären Praktiken und der Gewalteinsatz der Trump-Regierung eine ernste Gefahr für alle Menschen in den USA dar. Doch besonders betroffen waren und sind Migrant*innen, Angehörige ethnischer Minderheiten und LGBTQ+. Sie sind daher einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, wenn sie in die USA einreisen bzw. sich in den USA bewegen.
Mit diesem Reisehinweis appellieren wir an Fans, Spieler, Journalist*innen und andere Besucher*innen, bei der Einreise in die USA und bei Reisen innerhalb des Landes Vorsicht walten zu lassen und einen Notfallplan parat zu haben.
WARNUNG: Einzelpersonen könnten in den USA infolge der von der Regierung an den Tag gelegten Missachtung ihrer menschenrechtlichen Verpflichtungen unter innerstaatlichem und internationalem Recht folgenden Risiken bzw. Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sein:
- Willkürliche Verweigerung der Einreise und Gefahr der Festnahme, Inhaftierung und/oder Abschiebung von Personen, die nicht über die US-amerikanische Staatsangehörigkeit verfügen, selbst wenn die Einreise zuvor bewilligt wurde. Ein Visum oder eine digitale Einreiseerlaubnis der US-Behörden (ESTA) ist keine Garantie für die Einreise. Die Zoll- und Grenzschutzbehörde der USA verfügt über einen großen Ermessensspielraum, was die Bewilligung der Einreise und auch die Festnahme oder Zurückweisung von Reisenden vor Ort angeht. Für transgeschlechtliche und nicht-binäre Personen, die in die USA einreisen möchten, legen die jüngsten Memoranden und Verordnungen nahe, dass sie bei der Beantragung von Visa ihr bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht angeben müssen. Tun sie dies nicht, besteht die Gefahr, dass sie strenger kontrolliert werden oder ihnen die Einreise verweigert wird.
- Verschärfte Reise- und Einreisebeschränkungen für die USA. Im Januar 2026 verhängte die Trump-Regierung umfassende Reisebeschränkungen über die Staatsangehörigen von 19 Ländern: Afghanistan, Burkina Faso, Myanmar, Tschad, Republik Kongo, Äquatorialguinea, Eritrea, Haiti, Iran, Laos, Libyen, Mali, Niger, Sierra Leone, Somalia, Südsudan, Sudan, Syrien und Jemen. Auch für Personen mit Ausweispapieren, die von der Palästinensischen Behörde ausgestellt wurden, gelten umfassende Einschränkungen.
Für Personen aus 20 Ländern bestehen gewisse Beschränkungen: Angola, Antigua und Barbuda, Benin, Burundi, Côte d'Ivoire, Kuba, Dominica, Gabun, Gambia, Malawi, Mauretanien, Nigeria, Senegal, Tansania, Togo, Tonga, Turkmenistan, Venezuela, Sambia und Simbabwe. - Invasives Durchleuchten von Social-Media-Accounts und Durchsuchung von elektronischen Geräten im Rahmen der Einreise. Die Trump-Regierung hat für bestimmte Visumskategorien wie z. B. Arbeits- und Studierendenvisa verfügt, dass die Antragsteller*innen dem Außenministerium Zugriff auf ihre Social-Media-Accounts einzuräumen haben, damit diese auf "anti-amerikanische" und "antisemitische" Inhalte geprüft werden können. Generell beansprucht das US-Heimatschutzministerium weitreichende Befugnisse zur Durchsuchung der elektronischen Geräte von Reisenden an der Grenze.
- Gewalttätige und verfassungswidrige Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen, einschließlich Racial Profiling und sonstige Diskriminierung durch die Strafverfolgungsbehörden. Im vergangenen Jahr entsandte die Trump-Regierung Bundeseinwanderungsbeamt*innen in Städte im ganzen Land, darunter große Kontingente militarisierter Kräfte nach Los Angeles (Kalifornien), Portland (Oregon), Washington D.C., Chicago (Illinois), Charlotte (North Carolina) und zuletzt in die Zwillingsstädte Minneapolis und St. Paul (Minnesota). Dies löste in den betroffenen Städten Unsicherheit, Angst und Trauma aus. Im Bundesstaat Minnesota beispielsweise hielten vermummte und bewaffnete Sicherheitskräfte Menschen auf der Grundlage ihrer vermeintlichen ethnischen Zugehörigkeit und Staatsangehörigkeit rechtswidrig auf der Straße an und nahmen sie fest. Dabei gingen sie gezielt gegen somalische und lateinamerikanische Personen vor bzw. gegen jene, die sie dafür hielten, auch wenn sie keine Informationen über die Staatsangehörigkeit oder den Einwanderungsstatus der betroffenen Personen hatten. Vielerorts wurden lokale und bundesstaatliche Strafverfolgungsbehörden von der Einwanderungsbehörde ICE mittels sogenannter 287(g)-Vereinbarungen mit der zivilen Durchsetzung von Einwanderungsbestimmungen betraut. Seit Ende März 2026 setzt die Trump-Regierung auch ICE-Angehörige für Kontrollen an Flughäfen in verschiedenen Landesteilen ein.
- Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Protest sowie verstärkte Überwachung. Protestierende werden in den USA von Ordnungskräften eingeschüchtert, schikaniert und gewaltsam angegriffen, nur weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen. Betroffen sind auch Personen, die rechtswidrige Handlungen zur Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen beobachten. Anfang 2026 eskalierte die Gewalt seitens der Sicherheitskräfte mit der Tötung von Renee Good and Alex Pretti in Minnesota. Auch Ruben Ray Martinez, Keith Porter und Silverio Villegas González mussten aufgrund von Gewaltanwendung durch Bundesbeamt*innen ihr Leben lassen. Journalist*innen werden für ihre Berichterstattung über Proteste festgenommen. Im Juli 2025 machten darüber hinaus mehr als 90 zivilgesellschaftliche Organisationen in einem Brief an FIFA darauf aufmerksam, dass Personen, die politische Ansichten äußern, die der Regierung missfallen, nach wie vor Gefahr laufen, willkürlich inhaftiert und abgeschoben zu werden. Dies gilt auch für jene, die sich für die Rechte der Palästinenser*innen einsetzen. Bei der Überwachung von Protesten setzen die Ordnungskräfte außerdem auf verschiedene Strategien wie Drohnen, Gesichtserkennungssoftware und Telefonüberwachung.
- Ernstes Risiko, in Haftanstalten bzw. im Gewahrsam der Einwanderungsbehörden grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung ausgesetzt oder gar getötet zu werden. Die jüngsten Zahlen von Anfang Februar 2026 zeigen auf, dass sich derzeit 68.289 Menschen in ICE-Haft befinden. Seit Anfang 2026 sind 17 Menschen im Gewahrsam der Einwanderungsbehörden gestorben. Im Jahr 2025 starben insgesamt 32 Menschen in ICE-Hafteinrichtungen. Personen in ICE-Haft berichteten, nur eingeschränkten bzw. unzureichenden Zugang zu rechtlichem Beistand und grundlegender medizinischer Versorgung zu haben.
Daher empfehlen die unterzeichnenden Organisationen, dass Reisende in die USA und innerhalb der USA:
- sich mit den folgenden Organisationen vertraut machen: American Civil Liberties Union ("Immigrants’ Rights"), National Immigration Law Center ("Immigration Arrests at Airports"), Amnesty USA ("How to Stay Safe Around ICE") – sowie mit weiteren Veröffentlichungen und Informationen über Verfassungsrechte und -garantien, die beim Umgang mit Sicherheitskräften hilfreich sein könnten.
- ihre elektronischen Geräte sichern, indem sie z. B. sensible Daten aus dem Handy löschen und die Entsperrung per Gesichtserkennung oder Fingerabdruck deaktivieren.
- ihre Familie, Freund*innen und/oder vertrauenswürdige Kolleg*innen über geplante Reisen nach bzw. innerhalb der USA informieren, einschließlich Datumsangaben und Reiseziele.
- sich die App ReadyNow! von Human Rights First herunterladen, um im Fall einer Inhaftierung Vertrauenspersonen zu benachrichtigen.
- Journalist*innen, die über die Fußball-WM berichten, können sich mit den Ressourcen der Organisationen Committee to Protect Journalists (CPJ) und Reporters Without Borders darüber informieren, wie sie auf sichere Weise in die USA einreisen und ihre Berichterstattung betreiben können. Journalist*innen können sich außerdem per SMS an den eigens von CPJ entwickelten Chatbot wenden, um detaillierte Sicherheitsinformationen zu erhalten (per SMS mit "Hallo" an 001-206-590-6191).
Diese Reisehinweise wurden von folgenden Organisationen gemeinsam herausgegeben:
Advocates for Immigrant Rights and Reconciliation
ALIGN: The Alliance for a Greater New York
American Civil Liberties Union
American Friends Service Committee
American Friends Service Committee, Florida
Amnesty International USA
American-Arab Anti-Discrimination Committee
Arizona Justice Alliance
Asian Americans Advancing Justice–Atlanta
Bilbao Law
Black Alliance for Just Immigration (BAJI)
Center for Constitutional Rights
Center for Victims of Torture
Central American Resource Center Houston
Central Florida Jobs with Justice
Coalition of Black Trade Unionists
Committee to Project Journalists
Community Labor United
Community United Methodist Church
Council for Global Equality
Cross Border Network for Justice and Solidarity cylindr
Decarcerate KC
Democratic Socialists of America, Kansas City
Desiree Alliance
Dream Action Oklahoma
EHD Advisory
El Movimiento DFW
Fair Immigration Reform Movement (FIRM)
Fe y Justicia Worker Center
First United
Florida Immigrant Coalition
Florida Immigration Law and Justice Center, Inc.
Florida Rising
Four Freedoms Forum
Georgia Voices United
Haitian Bridge Alliance
Hands Off NYC
Hawai'i Institute for Human Rights
Hispanics For Florida
Human Rights Cities Alliance
Human Rights First
Immigrant Defenders Law Center (ImmDef)
International Center for Advocates Against Discrimination (ICAAD)
International Human Rights Clinic at Santa Clara Law
Immigrant Legal Resource Center (ILRC)
Jacksonville Area Legal Aid
Jobs with Justice Education Fund
Joyful Resistance South Florida
Labor Council for Latin American Advancement (LCLAA)
Latino Community Fund Georgia
Latin America Working Group
Legal Defense Fund
Los Angeles Alliance for a New Economy (LAANE)
Loyola Law School, Immigrant Justice Clinic
Make the Road New Jersey
Malcolm X Center for Self Determination
Met Council on Housing
Mijente Support Committee
NAACP Florida State Conference
National Birth Equity Collaborative
National Homelessness Law Center
National Immigration Law Center (NILC)
National Immigration Project (NIP)
National Lawyers Guild
Neighbor to Neighbor Massachusetts
New Disabled South
New Jersey Alliance for Immigrant Justice
New York Communities for Change NO ICE Philly
Northwest Immigrant Rights Project
Organized Power in Numbers
Pedro Arrupe Jesuit Institute
Pittsburgh Human Rights City Alliance
PowerSwitch Action
Public Counsel
Play Fair ATL
Reporters Without Borders (RSF)
Reproductive Justice Action Collective (ReJAC)
Revolución Educativa
Reyes Legal, PLLC
Safe Space Fort Smith
Santa Clara County Rapid Response Network
Sharma-Crawford Attorneys at Law
Southern Border Communities Coalition
Southern Poverty Law Center
Tallahassee Community Area Response Equipo (TCARE)
Tenants and Neighbors
Texas Young Active Labor Leaders
The Advocates for Human Rights
The Alliance for Diplomacy and Justice
The Assembly
The George Washington University Law Immigration Clinic
Tr&ns
United Methodist Church of West Palm Beach
University Network for Human Rights
Vecinos Unidos DFW
VOCAL–NY
We Are CASA
Women on the Rise, Georgia
Women's All Points Bulletin
Workers Defense Action Fund
Working Washington
Unterstützende Gruppen
Independent Supporters Council Nordamerika
All Stripes (Atlanta)
Brickyard Battalion (Indianapolis)
Bridge Brigade Supporters Group (San Francisco Bay Area)
Bucket Hat Brigade (Minnesota)
Cloud 9 Supporters Club (New Jersey/New York)
Dallas Beer Guardians (Dallas)
Dark Clouds (Minnesota)
Doopin Delinquents (Philadelphia)
Footie Mob (Atlanta)
Galactic Ambassadors (New Mexico)
Generation: CITY (St. Louis)
Resurgence Supporters Group (Atlanta)
Riptides (San Diego)
Rogue Cavaliers Brigade (Salt Lake City)
Sons of Ben (Philadelphia)
Steel Magnolias (Atlanta)
The Railbirds (Lexington)
Timbers Army (Portland)
Tulsa Lunatics (Tulsa)
Undertow KC (Kansas City)