Pressemitteilung Aktuell Sudan 01. Juli 2026

Sudan: Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberungen in Al-Faschir

Das Foto zeigt zwei Jungen und ein Mädchen auf einem Feld laufend. Im Hintergrund steigt eine Rauchwolke auf nach dem Einschlag einer Drohne.

Kinder flüchten in der sudanesischen Region Nord-Darfur vor einen Drohnenangriff der Rapid Support Forces (RSF) im Oktober 2025

  • Paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces verantwortlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberung
  • Kinder gezielt von RSF-Kämpfern ins Visier genommen
  • Waffenstillstand und internationale Mission zum Schutz der Zivilbevölkerung dringend erforderlich

Achtzehn Monate lang belagerten die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) die Stadt Al-Faschir in Nord-Darfur. Ziel war die Eliminierung der nicht-arabischen Bevölkerung der Stadt – Amnesty International dokumentiert in dem heute veröffentlichten Bericht "City Under Siege, Children Under Fire", wie die Zivilbevölkerung von Anfang 2024 bis Oktober 2025 systematisch an der Flucht gehindert, entführt und getötet wurde. Amnesty ordnet die Menschenrechtsverletzungen durch die RSF als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und ethnische Säuberungen ein.

Das Foto zeigt eine Frau auf einem weiten kragen Feld. Sie hat ein Kleidungsstück an dem dünnen Ast eines Busches aufgehangen.

Eine aus der sudanesischen Stadt Al-Faschir vetriebene Frau im Tawila-Omda-Flüchtlingslager (Aufnahme vom Mai 2025)

Kinder waren die Hauptleittragenden

Zu den Verbrechen der RSF zählten Mord und Massakrierung insbesondere von Jungen und Männern, Verschleppung, Inhaftierung, Folter, Vergewaltigung, sexuelle Versklavung und andere Formen sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Hunderttausende Kinder wurden vertrieben, unzählige Kinder wurden zu Waisen. 70 Prozent litten unter Mangelernährung, da die humanitäre Versorgung der Stadt durch die RSF verhindert worden ist. Kinder wurden außerdem zwangsweise als Soldat*innen rekrutiert.

Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, kritisiert die internationale Gemeinschaft: "Der Konflikt in Sudan hat sich zu einem Krieg gegen die Zivilbevölkerung entwickelt, bei dem Kinder durch die RSF zur Zielscheibe gemacht werden. Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, endlich zu handeln, um den seit drei Jahren andauernden Krieg zu beenden."

Aufnahme von fünf Kinder und Jugendlichen von hinten. SIe gehen nebeneinander in einer kargen Landschaft.

Vertriebene Kinder und Jugendliche in der Nähe der Stadt Kutum in der sudanesischen Region Nord-Darfur im Januar 2026. Sie mussten fliehen, weil die Rapid Support Forces (RSF) ihre Dörfer angegriffen hatte.

Hintergrund: Krieg in Sudan, Krieg in Darfur

Seit April 2023 eskaliert der gewaltsame Kampf um die Regierungsmacht zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und der RSF. Bis zu 14,5 Millionen Menschen sind seit Beginn des Konfliktes vertrieben worden, zwölf Millionen Menschen, vor allem Frauen und Mädchen, sind von geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht. Zwei Drittel aller Menschen in Sudan sind von akuter Mangel- und Unterernährung betroffen.

Nach Einschätzung von Amnesty International führten die RSF in Al-Faschir eine Kampagne ethnischer Säuberungen durch, die sich gegen die nicht-arabische Bevölkerung richtete. Den größten Teil der Bevölkerung stellen Zaghawa. Bis November 2023 hatte die RSF die Hauptstädte in vier von fünf Bundesstaaten der Region Darfur unter ihre Kontrolle gebracht. Al-Faschir, die Hauptstadt von Nord-Darfur, war die einzige Stadt, die noch Widerstand leistete.
 
RSF-Kämpfer steckten Siedlungen in Brand, lange nachdem die Bewohner*innen bereits geflohen waren, was darauf schließen lässt, dass sie die Gebiete unbewohnbar machen wollten. Die RSF kontrolliert weiterhin Gebiete um Al-Faschir herum und verhindert, dass Vertriebene zurückkehren können. Zusammen mit den gezielten Angriffen auf die Bevölkerung und den Versuch des Aushungerns kommen diese Maßnahmen der ethnischen Säuberung der Gemeinschaft der Zaghawa gleich.
 

Das Foto zeigt fünf Männer auf Krücken. Einigen fehlt ein Fuß.

Diese Männer flohen im Januar 2026 aus der sudanesischen Stadt Al-Faschir nach Tawila. Ihre Verletzungen erlitten sie entweder bei Angriffen auf Al-Faschir oder während ihrer Flucht.

Befehlshaber identifiziert

Amnesty International konnte für den vorliegenden Bericht drei zuständige RSF-Befehlshaber identifizieren, die für die Verbrechen in Al-Fashir zur Verantwortung gezogen werden müssen. Während der Belagerung von Al-Fashir hatten RSF-Mitglieder Massenhinrichtungen und Folter per Video festgehalten und die Aufnahmen veröffentlicht. Die Menschenrechtsverstöße wurden wiederholt und in großflächig begangen, was darauf hindeutet, dass Befehlshabende von ihnen wussten und nichts unternahmen, diese zu verhindern oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Zerstörtes Krankenhauszimmer in der sudanesischen Stadt Al-Faschir nach einem Luftangriff. Auf den Betten liegen Trümmer. Links in der Wand klafft ein großes Loch.

Zerstörtes Krankenhauszimmer in der sudanesischen Stadt Al-Faschir nach einem Luftangriff (undatiertes Foto)    

Forderungen von Amnesty International

Amnesty fordert einen sofortigen Waffenstillstand. Folgende weitere Schritte sind zudem notwendig:

Internationale Mission: Amnesty fordert die Entsendung einer AU-geführten Mission unter UN-Mandat, unabhängig und angemessen ausgestattet, um Zivilist*innen zu schützen.

Stopp von Waffenlieferungen: Die Bundesregierung muss die Lieferung von Waffen an Konfliktparteien einstellen. Das schließt die Vereinigten Arabischen Emirate ein. Der UN-Sicherheitsrat muss zudem das gegen Darfur verhängte Waffenembargo auf das gesamte Land ausweiten.

Humanitäre Hilfe: Der Sudan leidet unter den Folgen der Kürzungen bei der humanitären Hilfe. Alle internationalen Partner des Sudan müssen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge und Vertriebenen angemessene Hilfsleistungen zur Krisenbewältigung erhalten, darunter auch gezielte Leistungen für Kinder.

Strafverfolgung: Unabhängige Ermittlungen und Strafverfolgung der im Bericht genannten Kommandeure. Die bestehenden Rechenschaftsmechanismen müssen gestärkt werden, insbesondere der Internationale Strafgerichtshof und die Untersuchungsmissionen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union.

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