Deutschland: Geplante Abschiebung von Faridoon Tofan nach Afghanistan stoppen
Seit 2024 hat Deutschland 198 Menschen nach Afghanistan abgeschoben – hier ein Abschiebeflug vom Flughafen Leipzig/Halle am 18. Juli 2025.
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Amnesty International fordert die deutsche Bundesregierung auf, die geplante Abschiebung des 46-jährigen Afghanen Faridoon Tofan unverzüglich auszusetzen. Amnesty lehnt alle Abschiebungen nach Afghanistan als menschenrechtswidrig ab.
Im Fall von Faridoon Tofan eskaliert die Bundesregierung ihre Abschiebungspraxis beispiellos und will erstmalig seit der Machtübernahme der Taliban einen afghanischen Staatsangehörigen ohne strafrechtliche Verurteilung abschieben.
Nina Alizadeh Marandi, Expertin für Asylrecht bei Amnesty International in Deutschland, erklärt:
"Wer Menschen wie Faridoon Tofan nach Afghanistan abschiebt, schickt sie sehenden Auges in die Hände derjenigen zurück, von denen eine konkrete Bedrohung für sie ausgeht. Diese Abschiebung kann für ihn Verhaftung, Folter oder sogar Lebensgefahr bedeuten.
Nachdem Herr Tofan vor wenigen Wochen in Deutschland einem Taliban-Vertreter vorgeführt wurde, nahmen die Drohungen gegen seine Angehörigen in Kabul erneut zu. Taliban besuchen das Zuhause der Familie. Seine Frau und sechs Kinder leben in ständiger Angst, die Söhne gehen nicht mehr zur Schule."
Bundesregierung macht Menschenrechte zur Verhandlungsmasse
Faridoon Tofan ist kein Einzelfall. Derzeit befinden sich nach Informationen von Amnesty International mindestens fünf weitere afghanische Staatsangehörige in Abschiebungshaft, die keine Straftaten begangen haben.
Bereits Anfang Juli hat die Bundespolizei mitgeteilt, dass Abschiebungen nicht länger auf Gefährder und Straftäter beschränkt werden. Bei der geplanten Abschiebung handelt es sich um einen gefährlichen Präzedenzfall, der dringend verhindert werden muss.
Nina Alizadeh Marandi kritisiert:
"Abschiebungen nach Afghanistan stehen im Widerspruch zu den menschen- und völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands. Nicht zuletzt macht sich die deutsche Politik damit erpressbar. Denn die Taliban lassen sich Rückführungen politisch bezahlen – mit diplomatischer Aufwertung in Deutschland und Europa. Menschenrechte dürfen nicht zur Verhandlungsmasse im Umgang mit den Taliban werden!"
Amnesty International appelliert an die Bundesregierung, die geplante Abschiebung von Faridoon Tofan und allen weiteren Betroffenen zu stoppen. Niemand darf in ein Land zurückgeschickt werden, in dem Verfolgung, willkürliche Inhaftierung oder andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen.
Hintergrund
Faridoon Tofan floh 2022 vor den Taliban nach Deutschland. Er berichtete, dass er von den Taliban mit dem Tod bedroht wurde, weil er sich weigerte, sie zu unterstützen. Nach beinahe vier Jahren in Deutschland, in denen Faridoon Tofan arbeitete und Deutsch lernte, reiste er für zwei Tage nach Italien. Nach eigenen Angaben war ihm nicht bewusst, dass ihm dies aufenthaltsrechtlich nicht gestattet war.
Bei seiner Wiedereinreise wurde er festgenommen und unmittelbar in Abschiebungshaft am Münchner Flughafen verbracht, wo er seit über drei Monaten festgehalten wird. Nach Informationen von Amnesty International soll er noch in der 31. Kalenderwoche nach Afghanistan abgeschoben werden.
Seit der Wiederaufnahme von Abschiebungen nach Afghanistan im Jahr 2024 hat Deutschland 198 Personen nach Afghanistan abgeschoben. Mindestens eine der seit 2024 abgeschobenen Personen wurde dort inzwischen getötet.
Deutschland weitet seine Abschiebepraxis nach Afghanistan und damit einhergehende Kontakte mit den Taliban zunehmend aus. Allein im Jahr 2026 wurden bereits 87 Männer nach Afghanistan abgeschoben.