Israel/Gaza: Genozid beenden – Geiseln freilassen!
Die ehemalige Hamas-Geisel Yocheved Lifshitz (2. v.r.) nimmt in der israelischen Hauptstadt Tel Aviv an einer Demonstration teil für die Freilassung der anderen Geiseln und für einen Waffenstillstand (6. August 2025).
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Zwei Meldungen, die zusammengehören: Am Sonntag veröffentlichte die Hamas ein grausames Propagandavideo mit Bildern ausgehungerter israelischer Geiseln. Gestern stimmte das israelische Sicherheitskabinett den Plänen von Premier Netanjahu zu, die Angriffe im Gazastreifen auszuweiten.
Das eine ist so unmenschlich wie das andere.
Seit 21 Monaten werden die Geiseln von der Hamas und anderen bewaffneten palästinensischen Gruppen völkerrechtswidrig unter unmenschlichen Bedingungen im Gazastreifen festgehalten. Die Hamas und andere Gruppen begehen damit Kriegsverbrechen und verstoßen gegen humanitäres Völkerrecht. Alle Gefangenen müssen menschlich behandelt, ausreichend Nahrung erhalten und vor Folter geschützt werden. Die Kranken und Verletzten haben das Recht auf medizinische Versorgung. Die Hamas muss die Geiseln sofort und bedingungslos freilassen!
Auf der anderen Seite nutzt Netanjahu das Propagandavideo der Hamas für eigene Propagandazwecke.
Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International, erklärt dazu: "Die israelische Regierung plant offenbar, den Genozid an den Palästinenser*innen im Gazastreifen fortzuführen und weiter zu eskalieren. Sie nimmt den Tod der Geiseln dabei billigend in Kauf. Und das, kurz nachdem Bundesaußenminister Wadephul in Israel Gespräche geführt hat. Jetzt zeigt sich, was diese wert waren."
Im Stadtteil Al-Rimal von Gaza-Stadt warten palästinensische Kinder auf Essen (22. Mai 2025).
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Die israelische Regierung verhindert gezielt die lebensnotwendige Versorgung der Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Sie setzt Hunger als Kriegswaffe und als ein Mittel im anhaltenden Genozid in Gaza ein. Im Juli veröffentlichte Amnesty-Recherchen belegen, wie die israelischen Behörden die humanitäre Krise in Gaza verschärfen und Hunger und Krankheiten befördern. Darunter leider besonders Kinder und Säuglinge.
Seit Oktober 2023 sind mindestens 66 Kinder an den unmittelbaren Folgen von Unterernährung gestorben. Laut des UN-Amts für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UN OCHA) wurden zwischen dem 1. Januar und 15. Juni 2025 insgesamt 18.741 Kinder wegen akuter Unterernährung ins Krankenhaus gebracht." Das Leid der palästinensischen Bevölkerung und der israelischen Geiseln muss ein Ende haben", fordert Julia Duchrow. "Die Hamas und die israelische Regierung müssen endlich einem Waffenstillstand zustimmen. Dafür braucht es maximalen Druck, auch von Deutschland!"
Und diesen Druck scheint es nun endlich zu geben: Heute Mittag gab die Bundesregierung bekannt, dass sie Exporte bestimmter Rüstungsgüter, die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten, nach Israel stoppt.
Amnesty Internation begrüßt diese Entscheidung.
"Dies ist ein erster, wichtiger Schritt, dem nun schnell weitere folgen müssen", so Duchrow. "Dazu gehört unter anderem, Kriegsverbrechen beim Namen zu nennen und dafür zu sorgen, dass humanitäre Hilfe sofort ungehindert über Land ankommen und nach humanitären Prinzipien durch Hilfsorganisationen verteilt werden kann. Außerdem braucht es die Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens mit Israel, so wie es auch zahlreiche andere EU-Staaten fordern."