Ägypten: Aktivist Alaa Abdel Fattah nach langer Haft begnadigt
Endlich wieder vereint: Der ägyptische Aktivist Alaa Abdel Fattah und seine Mutter Laila Soueif nach seiner Freilassung am Abend des 22. September 2025 in Kairo.
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Der ägyptisch-britische Aktivist Alaa Abdel Fattah sowie fünf weitere Gefangene wurde von Ägyptens Präsident al-Sisi begnadigt. Amnesty hatte sich lange für Alaa Abdel Fattahs Freilassung eigesetzt.
Die Freude ist unbeschreiblich, als Alaa Abdel Fattah seine Familienmitglieder in Kairo endlich wieder in die Arme schließen kann. Er ist Ägyptens bekanntester politischer Gefangener. Am Montag hat der ägyptische Präsident ihn nach sechs Jahren Haft begnadigt.
Ein auf der Social-Media-Plattform X geteiltes Video zeigt die Freude von Laila Soueif, der Mutter von Alaa Abdel Fattah. Aus Protest für seine Freilassung war sie fast 300 Tage im Hungerstreik. Auch seine Schwester Sanaa Seif ist im Video zu sehen. "Alaa ist bei uns. Ich brauche noch Zeit, um das zu verarbeiten", sagte sie und fügte hinzu: "Gott sei Dank! Ich wünsche allen Familien der Inhaftierten, dass sie diesen Moment erleben dürfen."
Alaa Abdel Fattah: Seit 2011 im Visier der ägyptischen Behörden
Erika Guevara Rosas, leitende Direktorin für Research, Advocacy, Politik und Kampagnen bei Amnesty International, sagte zur Begnadigung von Alaa Abdel Fattah: "Die Begnadigung beendet grobes Unrecht und ist das Ergebnis der unermüdlichen Bemühungen seiner Familie und seiner Rechtsbeistände, einschließlich seiner mutigen Mutter, Laila Soueif, und der Aktivist*innen in aller Welt, die in den vergangenen sechs Jahren beharrlich seine Freilassung gefordert haben."
Der Aktivist, Schriftsteller und Softwareentwickler Alaa Abdel Fattah wurde während der ägyptischen Revolution 2011 bekannt. Er geriet wegen seines friedlichen Aktivismus und seiner Kritik an der Regierung wiederholt ins Visier der ägyptischen Behörden. Amnesty International hatte sich mit Urgent Actions und Briefen gegen das Vergessen für seine Freilassung eingesetzt.
Fünf Jahre Haft wegen der "Verbreitung falscher Nachrichten"
Zuletzt wurde Alaa Abdel Fattah am 29. September 2019 festgenommen. Im Dezember 2021 verurteilte ihn ein Staatssicherheitsgericht wegen "Verbreitung falscher Nachrichten" im Zusammenhang mit einem Beitrag in den Sozialen Medien zu fünf Jahren Haft. Amnesty International haben ihn zu einem gewaltlosen politischen Gefangenen erklärt, dessen Inhaftierung einzig und allein auf der Ausübung seiner Menschenrechte beruht.
Behörden verlängerten Alaas Haft über Haftstrafe hinaus
Obwohl die verhängte fünfjährige Haftstrafe am 29. September 2024 endete, hielten die ägyptischen Behörden ihn weiterhin willkürlich fest. Sie gaben an, dass er im Januar 2027 freigelassen werden würde. Dies verstößt sowohl gegen internationale Rechtsnormen als auch gegen ägyptisches Recht.
Amnesty International protestierte anlässlich des Staatsbesuches des ägyptischen Präsidenten Al-Sisi in Berlin am 29. Oktober 2018 vor der ägyptischen Botschaft
© Amnesty International, Foto: Henning Schacht
Während seiner Inhaftierung war Alaa Abdel Fattah unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt und wurde in Haft gefoltert. Unter anderem wurde ihm der Zugang zu rechtlichem und konsularischem Beistand, frischer Luft und Sonnenlicht verwehrt. Seine Familie hat sich große Sorge um seine Gesundheit gemacht, insbesondere zu Zeiten, als er in einen längeren Hungerstreik trat, um gegen seine Inhaftierung zu protestieren.
"Alaa Abdel Fattah ist ein gewaltloser politischer Gefangener, der wegen seines friedlichen Engagements ins Visier genommen wurde. Seine Begnadigung wird allerdings die Qualen, die er in den vergangenen sechs Jahren in der Haft erlitten hat, nicht ungeschehen machen", so Erika Guevara Rosas.
"Die ägyptischen Behörden sollten der Entscheidung folgen und alle Personen freilassen, die nur wegen der Ausübung ihrer Menschenrechte inhaftiert sind, und sie wieder zu ihren Angehörigen und geliebten Menschen zurückkehren lassen."