Amnesty Report Israel und besetztes palästinensisches Gebiet 21. April 2026

Israel und besetztes palästinensisches Gebiet

Das Foto zeigt ein von hinten fotografiertes Mädchen, das die Arme hinter dem Rücken verschränkt hat und einen Eimer in der Hand hält. Das Mädchen steht vor der Ruine eines mehrstöckigen zerstörten Gebäudes. Überall liegen Trümmer.

Ein palästinensisches Mädchen steht in Gaza-Stadt vor den Ruinen einer Gesundheitseinrichtung, die durch einen israelischen Luftangriff zerstört wurde (6. August 2025).

Berichtszeitraum: 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2025

Die israelische Regierung beging 2025 weiterhin die Verbrechen des Völkermords und der Apartheid. Palästinenser*innen im Gazastreifen wurden massenhaft vertrieben, ausgehungert und getötet. Auch die Zerstörung von Wohnhäusern und anderer ziviler Infrastruktur ging trotz eines Waffenstillstands unvermindert weiter. Im Westjordanland nahmen Angriffe, Tötungen und weitere Menschenrechtsverletzungen israelischer Siedler*innen und Armeeangehöriger zu und führten zu Zwangsumsiedlungen der palästinensischen Bevölkerung. In Israel waren Beduinendörfer nach wie vor von Abrissen und rechtswidrigen Zwangsräumungen betroffen. Die israelischen Streitkräfte töteten 56 palästinensische Journalist*innen und Medienschaffende. Tausende Palästinenser*innen waren nach wie vor ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Israel inhaftiert. Viele starben infolge von Folter und anderen Misshandlungen, dennoch blieben diese Verbrechen in der Regel straflos.

Hintergrund

Israels Völkermord im besetzten Gazastreifen ging 2025 in sein drittes Jahr und verwandelte das palästinensische Gebiet in eine Trümmerwüste. Eine am 19. Januar 2025 begonnene Waffenruhe zwischen den israelischen Streitkräften und bewaffneten palästinensischen Gruppen endete am 18. März, als die israelische Regierung die Feindseligkeiten einseitig wieder aufnahm. Am 9. September 2025 griff die israelische Luftwaffe in der katarischen Hauptstadt Doha Gebäude an, die von der Verhandlungsdelegation der Hamas genutzt wurden, und tötete sechs Personen. In den folgenden Wochen wurde ein Waffenstillstand vereinbart, der am 10. Oktober 2025 in Kraft trat. Die Hamas und andere bewaffnete Gruppen ließen am 13. Oktober alle 20 noch lebenden Geiseln frei und erwirkten im Gegenzug von Israel die Freilassung von fast 2.000 palästinensischen Inhaftierten und Gefangenen. Trotz des Waffenstillstands töteten israelische Streitkräfte im Gazastreifen bis zum Jahresende weitere 415 Palästinenser*innen. Laut dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF waren unter den Getöteten mindestens 100 Kinder.

Die bewaffneten Konflikte Israels weiteten sich im Laufe des Jahres auf weitere Länder des Nahen Ostens aus. Nachdem am 4. Mai 2025 auf dem israelischen Flughafen Ben Gurion eine Rakete einschlug, die von einer bewaffneten Huthi-Gruppe aus dem Jemen abgefeuert worden war, griffen die israelische Luftwaffe und Marine von Mai bis September Häfen, Flughäfen und Kraftwerke im Jemen an. Am 13. Juni 2025 begann Israel mit Luftangriffen auf iranisches Staatsgebiet (siehe Länderkapitel Iran). Der Iran feuerte daraufhin ballistische Raketen mit Streumunition auf Israel ab und tötete dabei 29 Menschen. Israel griff auch Ziele in Syrien an, u. a. mit Luftschlägen im Juli und November. Außerdem gab es weiterhin fast täglich israelische Luftangriffe auf den Südlibanon, bei denen nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte mehr als 127 Zivilpersonen getötet wurden.

 

Völkermord im Gazastreifen

Israel schuf im besetzten Gazastreifen auch 2025 vorsätzlich Lebensbedingungen, die auf die körperliche Zerstörung der Palästinenser*innen abzielten. 

Ab dem 19. Januar 2025 verbesserte sich der humanitäre Zugang zum Gazastreifen zunächst, bis das israelische Militär am 2. März eine vollständige Blockade der Hilfslieferungen verhängte, die erst am 19. Mai teilweise gelockert wurde. Wichtige Güter, wie z. B. Kraftstoff oder Kochgas, waren jedoch von der Lockerung ausgenommen und durften vom 2. März bis zum 11. September 2025 nicht in den Gazastreifen eingeführt werden. Am 9. März schalteten die israelischen Behörden die Stromversorgung der letzten noch funktionsfähigen Entsalzungsanlage ab, was dazu führte, dass noch weniger Trinkwasser verfügbar war. Weil es keinen Kraftstoff für Stromgeneratoren gab, konnten Geräte in Krankenhäusern nicht betrieben werden. Ende Mai 2025 begannen Israel und die USA damit, die humanitären Hilfsmaßnahmen der Vereinten Nationen durch eine militarisierte Alternative unter Leitung der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) zu ersetzen. Die von israelischem Militär und privatem Sicherheitspersonal aus den USA kontrollierten Verteilzentren der GHF erwiesen sich als tödlich, weil Menschen, die dort Hilfsgüter abholen wollten, angegriffen wurden. Von Ende Mai bis August 2025 wurden bei entsprechenden Angriffen 859 Palästinenser*innen getötet.

Wie das UN-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mitteilte, wurden im Juli 2025 infolge der israelischen Blockade fast 13.000 Kinder wegen akuter Unterernährung, die lebenslange Folgen hat, in Kliniken eingeliefert. Die globale Initiative Integrated Food Security Phase Classification (IPC) stellte Mitte August 2025 fest, dass mehr als 500.000 Menschen im Gazastreifen der Hungertod drohte. Dies entsprach der höchsten Stufe der Klassifikation (Hungerkatastrophe). Für weitere 1,07 Mio. Personen galt die zweithöchste Stufe (Notsituation), für weitere 396.000 Menschen die dritthöchste Stufe (Krise). Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte mit, dass sich die Zahl der unterernährten Patient*innen in ihrer Gesundheitseinrichtung in Gaza-Stadt von Mai bis Anfang Juli 2025 fast vervierfacht habe.

Die israelische Armee verübte 2025 sowohl direkte Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Objekte als auch unterschiedslose und unverhältnismäßige Angriffe auf zivile Orte, an denen sich viele Menschen aufhielten, wie Krankenhäuser, Cafés, geschäftige Marktstraßen und Schulen, in denen Binnenvertriebene untergebracht waren. Im Laufe des Jahres töteten israelische Luft- und Bodentruppen im Gazastreifen 26.791 Menschen und verletzten 64.065, davon waren 60 Prozent Kinder, Frauen und ältere Menschen. Einer der tödlichsten Tage war der 18. März 2025, an dem mindestens 414 Palästinenser*innen getötet wurden, darunter 174 Kinder. Am 23. März 2025 griffen israelische Militärangehörige (Mitglieder der Golani-Brigade) fünf Rettungswagen an. Dabei verletzten sie zwei Menschen und töteten 15 Rettungskräfte, darunter auch Sanitätspersonal des Roten Halbmonds. Am 30. Juni griff die israelische Armee das Café Al-Baqa in Gaza-Stadt aus der Luft an und tötete 32 Menschen, überwiegend Zivilpersonen.

Die israelischen Luftangriffe auf medizinische Einrichtungen und die Blockade wichtiger Güter, darunter auch medizinische Hilfsgüter für die reproduktive Gesundheit, wirkten sich verheerend auf die Gesundheit von schwangeren und stillenden Frauen sowie von Neugeborenen und Kleinkindern aus.

Die massenhafte und mehrfache Vertreibung von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung Gazas verursachte schwere körperliche und seelische Schäden. Alle Universitäten und Hochschulen, Hunderte Moscheen und drei Kirchen waren beschädigt oder zerstört. Die meisten Schulen wurden in Notunterkünfte für Vertriebene umfunktioniert und waren anschließend den Angriffen Israels aus der Luft sowie durch ferngesteuerte Panzerfahrzeuge ausgesetzt.

Die verbliebenen Reste von Khuza'a, einer Stadt mit 11.000 Einwohnern im südlichen Teil des Gazastreifens, wurden im Mai 2025 ohne zwingende militärische Notwendigkeit in Schutt und Asche gelegt. Dasselbe galt für weite Teile von Gaza-Stadt. Dort begann am 5. September 2025 die Zerstörung von Hochhäusern, in denen sich sowohl Privatwohnungen als auch Büros befanden. Innerhalb von zehn Tagen machte die israelische Armee mindestens 16 Hochhäuser dem Erdboden gleich, zerstörte dabei auch behelfsmäßige Lager in deren Nachbarschaft und vertrieb damit Tausende Familien. Selbst nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands im Oktober setzten die israelischen Behörden und Streitkräfte den Völkermord fort, indem sie weiterhin vorsätzlich Lebensbedingungen schufen, die auf die Zerstörung der Bevölkerung des Gazastreifens abzielten, ohne eine Änderung dieser Absicht zu signalisieren.

Apartheid

Zwangsumsiedlungen

Laut Angaben von OCHA rissen die israelischen Behörden 2025 im Westjordanland einschließlich Ostjerusalem 1.658 Gebäude ab, wodurch rund 2.116 Palästinenser*innen dauerhaft vertrieben wurden. Im Januar 2025 ordnete ein israelisches Gericht die Zwangsräumung von 27 Familien aus ihren Häusern in Silwan, einem Viertel im besetzten Ostjerusalem, an. Damit endete ein zehnjähriger Rechtsstreit, den eine Organisation israelischer Siedler*innen angestrengt hatte.

Nach Angaben der israelischen Organisation Yesh Din errichtete Israel 2025 im Westjordanland 86 neue völkerrechtswidrige Außenposten, zusätzlich zu den 371 bereits bestehenden Siedlungen und Außenposten. Die israelischen Behörden genehmigten zudem die Errichtung 54 neuer Siedlungen.

Die israelischen Streitkräfte erlaubten oder ermutigten Siedler*innen, Palästinenser*innen im Westjordanland ungestraft zu terrorisieren, und beteiligten sich manchmal aktiv an der Gewalt. Wie die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem berichtete, führten diese Angriffe zur Vertreibung von rund 220 Familien aus 19 Dörfern. Die Ortschaften Jinba und Shi'b al-Butum in den Bergen südlich von Hebron im Süden des Westjordanlands wurden wiederholt angegriffen; in Jinba plünderten israelische Siedler*innen und Armeeangehörige u. a. eine Schule und eine Klinik.

Im Süden Israels rissen die Behörden laut einer lokalen Organisation zur Repräsentation von Araber*innen etwa 5.000 Häuser in Beduinendörfern in der Wüste Negev/Naqab ab, während sie jüdische Ortschaften ausweiteten, die unter separater Verwaltung standen. Im September 2025 zerstörten israelische Sicherheitskräfte im Dorf Al-Sir im Nordosten der Wüste Negev/Naqab mehr als 60 Häuser und machten damit rund 1.500 Beduin*innen, die Staatsbürger*innen Israels waren, obdachlos. Manche wurden zwangsweise in unzureichende Unterkünfte in reinen Beduinensiedlungen ohne ausreichende Infrastruktur umgesiedelt. Am 12. November 2025 ordnete der Oberste Gerichtshof Israels die Zwangsumsiedlung von rund 500 Bewohner*innen des Dorfes Ras Jrabah innerhalb von drei Monaten an, um Platz für die Erweiterung der jüdischen Stadt Dimona zu schaffen.

Das Gesetz über die Staatsbürgerschaft und die Einreise nach Israel (Vorläufige Verordnung), das seit 2003 fast durchgängig erneuert worden war, erleichterte es den Behörden nach wie vor, Palästinenser*innen die Staatsbürgerschaft und ihren dauerhaften Aufenthaltsstatus abzuerkennen. Dies führte dazu, dass Tausende Kinder, deren Eltern einen unterschiedlichen rechtlichen Status hatten, bei der Ausstellung von Geburtsurkunden und der Familienzusammenführung diskriminiert wurden. Am 9. Mai 2025 schränkte das israelische Parlament die Familienzusammenführung durch eine Änderung des Staatsbürgerschaftsgesetzes noch weiter ein. Demnach kann palästinensischen Ehepartner*innen, Elternteilen oder Kindern das Aufenthaltsrecht in Jerusalem bzw. die israelische Staatsbürgerschaft verweigert oder aberkannt werden, wenn es in der erweiterten Familie eine Person mit "Sicherheitsproblemen" gibt. Letzteres umfasst auch geringfügige Vorstrafen.

Die israelischen Behörden verhinderten weiterhin die Rückkehr von palästinensischen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen, die 1948 und 1967 ihre Heimat verlassen mussten.

Recht auf Freizügigkeit

Die israelische Blockade des Gazastreifens ging 2025 unter verschärften Bedingungen in ihr 19. Jahr und weitete sich vom 2. März bis 19. Mai 2025 zu einer vollständigen Belagerung aus. Die israelischen Behörden verboten das dritte Jahr in Folge jegliche medizinische Evakuierung aus dem Gazastreifen nach Israel oder ins Westjordanland einschließlich Ostjerusalem. Im November wandten sich deshalb fünf Menschenrechtsorganisationen mit einer entsprechenden Eingabe an den Obersten Gerichtshof Israels. Auch medizinische Evakuierungen ins Ausland wurden weiterhin nur sehr selten zugelassen. In Verbindung mit der Zerstörung des Gesundheitssystems im Gazastreifen führte dies zu Hunderten vermeidbaren Todesfällen. 

Im Westjordanland gab es nach Angaben von OCHA 849 Straßensperren und Kontrollpunkte, die die Bewegungsfreiheit der Palästinenser*innen einschränkten, den Verkehr zwischen den Dörfern und Städten behinderten und Rettungseinsätze verzögerten.

Rechtswidrige Tötungen

Nach Angaben der Internationalen Journalist*innen-Föderation wurden 2025 bei israelischen Angriffen 56 Journalist*innen und Medienschaffende getötet und damit mehr als in jedem anderen Land weltweit. Manche wurden bei der Ausübung ihrer Tätigkeit getötet.

Westjordanland

Die israelische Armee setzte 2025 bei Razzien und Festnahmen in Dschenin, Tulkarem, Nablus und Tubas im nördlichen Westjordanland sowie in Hebron im Süden Panzer ein, flog Luftangriffe, zerstörte zivile Gebäude und Infrastruktur und schränkte die Bewegungsfreiheit stark ein. Laut OCHA wurden 240 Palästinenser*innen von israelischen Streitkräften oder Siedler*innen getötet, darunter 55 Kinder. Für mindestens 225 dieser Tötungen waren Soldat*innen verantwortlich. Zeug*innen berichteten, dass Armeeangehörige auch auf Zivilpersonen schossen, die vertrieben worden waren und versuchten, in ihre Häuser zurückzukehren.

Siedler*innen töteten nach Angaben von OCHA mindestens neun Palästinenser und verletzten mindestens 830. Am 28. Juli 2025 wurde Awda Al-Hathaleen, ein Menschenrechtsverteidiger aus der Ortschaft Umm al-Kheir in den Bergen südlich von Hebron, von einem Siedler getötet. Dieser musste daraufhin nur drei Tage im Hausarrest verbringen und wurde nicht angeklagt. Die vom Staat unterstützte Gewalt der Siedler*innen blieb fast immer straflos und leistete einem feindseligen Klima Vorschub, das zur Zwangsumsiedlung der palästinensischen Zivilbevölkerung führte.

Willkürliche Inhaftierungen

Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation HaMoked waren Ende 2025 etwa 4.622 Palästinenser*innen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert: 3.385 befanden sich in Verwaltungshaft, in 1.237 Fällen beriefen sich die Behörden auf das Gesetz über "ungesetzliche Kombattanten", eine Kategorie, die im humanitären Völkerrecht nicht existiert. HaMoked berichtete, dass Hunderte weitere Menschen aus dem Gazastreifen ohne Gerichtsverfahren und ohne Registrierung in israelischen Militäreinrichtungen festgehalten wurden.

Dr. Hussam Abu Safiya, der Leiter des Kamal-Adwan-Krankenhauses im nördlichen Gazastreifen, den das israelische Militär bei einer Razzia in der Klinik am 27. Dezember 2024 zusammen mit weiteren Angestellten festgenommen hatte, war immer noch willkürlich inhaftiert . Nach Angaben seiner Anwältin wurde er geschlagen, erhielt nicht genug zu essen und wurde mit Schlafentzug gequält.

Folter und andere Misshandlungen

In israelischen Gefängnissen und anderen Hafteinrichtungen wurde auch 2025 gegen das Verbot von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe verstoßen, u. a. durch Schläge, Fesseln, Augenbinden und Hundeangriffe sowie Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt. Außerdem verweigerte man den Inhaftierten Medikamente, ausreichend Nahrung, Kleidung und Schlaf. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Physicians for Human Rights – Israel führte dies im Zeitraum Oktober 2023 bis November 2025 zum Tod von mindestens 98 palästinensischen Gefangenen. Im November 2025 bezeichnete der UN-Ausschuss gegen Folter das Vorgehen Israels als "eine faktische staatliche Politik der organisierten und großflächigen Folter und Misshandlung". 

Straftaten durch Armeeangehörige wurden in internen Nachbesprechungen und von der Generalstaatsanwaltschaft des Militärs nur unzureichend untersucht. Von fünf Soldaten, die angeklagt waren, einen palästinensischen Gefangenen in der Haftanstalt Sde Teiman im Süden Israels gefoltert zu haben, wurde am 6. Februar 2025 nur einer verurteilt. Er erhielt sieben Monate Gefängnis, nachdem er bereit war, auf schuldig zu plädieren.

Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung

Abgesehen von dem Soldaten, den man im Februar 2025 wegen Folter verurteilte (siehe "Folter und andere Misshandlungen"), wurden im April zwei Soldaten und ein militärischer Zugführer zu sieben Tagen Haft verurteilt, weil sie im März an der Plünderung einer Schule und einer Klinik in Jinba im Westjordanland beteiligt waren (siehe "Apartheid"). Gegen vier weitere Armeeangehörige ergingen in diesem Zusammenhang Disziplinarmaßnahmen.

Die Tötung von 15 Rettungskräften durch Mitglieder der Golani-Brigade im März 2025 wurde von Israel nicht unparteiisch und gründlich untersucht (siehe "Völkermord im Gazastreifen").

Die israelische Regierung beantwortete weiterhin keine Anfragen der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für das besetzte Gebiet und Israel, und ließ die Kommissionsmitglieder nicht nach Israel oder in das besetzte Gebiet einreisen. Unabhängigen Ermittler*innen und internationalen Journalist*innen war der Zugang zum Gazastreifen verboten. 

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besuchte 2025 die USA und Ungarn, obwohl der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte.

Im September 2025 verstrich die von der UN-Generalversammlung gesetzte Frist zur Beendigung der rechtswidrigen israelischen Besetzung des besetzten palästinensischen Gebiets unbeachtet.

Rechte von Frauen und Mädchen

Eine Zunahme häuslicher Gewalt in Israel führte dazu, dass 2025 wesentlich mehr Frauen getötet wurden als in den Vorjahren. Die israelische Zeitung Haaretz dokumentierte 46 Femizide, von denen 26 von Familienangehörigen des Opfers verübt wurden. Laut der NGO The Abraham Initiatives war die Aufklärungsrate bei Morden an jüdischen Frauen fünfmal höher als bei palästinensischen Staatsbürgerinnen Israels. Die Aufklärungsrate bei Morden an palästinensischen Israelis war generell extrem niedrig im Vergleich zu Morden an jüdischen Israelis.

Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit

Palästinensische und jüdische Staatsbürger*innen Israels, die gegen die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen protestierten, waren 2025 Repressalien ausgesetzt. In einigen Fällen ging die Polizei mit Blendgranaten und Wasserwerfern gegen Demonstrierende vor. Dutzende Menschen wurden wegen Social-Media-Beiträgen inhaftiert, in denen sie das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen kommentiert hatten. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Association for Civil Rights in Israel richteten sich 96 Prozent der Verfahren, die von der Polizei wegen "Anstiftung zum Terror" angestrengt wurden, gegen palästinensische Staatsbürger*innen Israels. Die Organisation 7amleh, die sich für die digitalen Rechte von Palästinenser*innen einsetzt, machte in den Sozialen Medien Tausende Posts israelischer Staatsangehöriger ausfindig, die zu Gewalt gegen Palästinenser*innen aufriefen.

Im Juni und September 2025 wurden Aktivist*innen aus aller Welt, die als Zeichen der Solidarität mit Segelschiffen humanitäre Hilfe in den Gazastreifen bringen wollten, von israelischen Streitkräften inhaftiert und abgeschoben. Unter ihnen befanden sich Menschenrechtler*innen, Ärzt*innen, Parlamentarier*innen und Journalist*innen, die sich gegen die Blockade und den Völkermord Israels stellten.

Rechte von Militärdienstverweiger*innen

Sieben israelische Staatsangehörige wurden 2025 inhaftiert, weil sie den Militärdienst verweigert hatten. Zur Begründung verwiesen sie auf die militärische Besetzung, das System der Apartheid und den Völkermord an den Palästinenser*innen. Der Militärdienstverweigerer Yuval Peleg verbrachte 130 Tage im Gefängnis.

Todesstrafe

Am 11. November 2025 billigte das Parlament in erster Lesung eine Änderung des Strafgesetzes, die eine Ausweitung der Todesstrafe vorsah[WR1] Demnach soll sie zwingend gegen Personen verhängt werden, die "aus Rassismus oder Feindseligkeit gegenüber einer bestimmten Bevölkerungsgruppe" und "in der Absicht, dem Staat Israel und der Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem Heimatland zu schaden" einen Mord verüben. Die zweite und dritte Lesung des diskriminierenden Gesetzentwurfs, der ausschließlich Palästinenser*innen betreffen würde, stand noch aus.

Recht auf eine gesunde Umwelt

Die Zerstörung der Abwasser- und Müllentsorgung im Gazastreifen führte 2025 dazu, dass ungeklärtes Abwasser und andere schädliche Substanzen die Wassersysteme verschmutzten. 

Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler*innen kalkulierte, dass die militärischen Aktivitäten im Gazastreifen und ein Wiederaufbau nach dem Krieg insgesamt Emissionen in Höhe von 32 Mio. Tonnen Kohlendioxid verursachten würden. Dies war mehr als die jährlichen Emissionen von 102 Ländern in Friedenszeiten und untergrub die Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels.

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