Weiter in Haft

Nabeel Rajab

Nabeel Rajab

Der gewaltlose politische Gefangene Nabeel Rajab erschien am 2. August vor dem Hohen Strafgericht in Manama. Dabei wurde sein Fall jedoch nicht weiter verhandelt, sondern lediglich über Anträge entschieden. Es wurden die Verlängerung seiner Inhaftierung sowie medizinische Untersuchungen angeordnet. Am 5. September soll der nächste Gerichtstermin stattfinden. Der Antrag seiner Rechtsbeistände auf Freilassung gegen Kaution wurde erneut abgelehnt.

Appell an:

KÖNIG
Shaikh Hamad bin ‘Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555, Rifa’a Palace
al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 4587

INNENMINISTER
Shaikh Rashid bin ‘Abdullah Al Khalifa
Ministry of Interior, P.O. Box 13
al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 1723 2661
E-Mail: info@interior.gov.bh

Sende eine Kopie an:

MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P. O. Box 450, al-Manama
BAHRAIN
Fax: (00 973) 1753 1284
E-Mail: über die Website: http://www.moj.gov.bh/en/default76a7.html?action=category&ID=159
Twitter: @Khaled_Bin_Ali

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S. E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. September 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS, TWITTER-NACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Nabeel Rajab sofort und bedingungslos frei, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der lediglich aufgrund der friedlichen Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert ist.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass er bis zu seiner Freilassung jede nötige medizinische Versorgung erhält und vor Folter und anderweitiger Misshandlung geschützt ist.

  • Ich bitte Sie außerdem, das gegen Nabeel Rajab verhängte Reiseverbot aufzuheben.

  • Garantieren Sie bitte das Recht auf freie Meinungsäußerung in Bahrain und heben Sie alle Gesetze auf, mit denen die friedliche Wahrnehmung der Rechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit unter Strafe gestellt wird. Dazu zählt auch der Paragraf 216 des Strafgesetzbuches.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Bahraini authorities to release Nabeel Rajab immediately and unconditionally as he is a prisoner of conscience, detained solely for peacefully exercising his right to freedom of expression.

  • Calling on them that, while still detained, Nabeel Rajab is granted access to any medical care he requires and is protected from torture and other ill treatment.

  • Calling on them to lift Nabeel Rajab’s travel ban.

  • Urging them to uphold the right to freedom of expression and repeal laws that criminalize the peaceful exercise of the rights to freedom of expression, association and assembly, including Article 216 of the Penal Code.

Sachlage

Der bahrainische Menschenrechtsverteidiger Nabeel Rajab erschien am 2. August vor dem Hohen Strafgericht in der bahrainischen Hauptstadt Manama. Seine Rechtsbeistände beantragten eine Freilassung gegen Kaution wegen Mangels an Beweisen und seiner anhaltenden Inhaftierung in der Polizeistation von West-Riffa südlich von Manama statt in einem normalen Gefängnis. Außerdem gaben sie erneut seinen gesundheitlichen Zustand als Freilassungsgrund an. Der Richter lehnte den Antrag ab, überwies Nabeel Rajab jedoch zur Untersuchung an die Krankenstation des Gefängnisses. Die Verhandlung seines Falls wurde auf den 5. September verschoben, da der zuständige Richter bei der Anhörung nicht anwesend war.

Nabeel Rajabs Prozess begann am 12. Juli 2016. Die Anklagen gegen ihn lauten auf: „Streuen falscher Gerüchte in Kriegszeiten“, „Diffamierung staatlicher Institutionen [des Innenministeriums]“ und „Beleidigung eines ausländischen Staates“. Nabeel Rajab bestreitet alle Vorwürfe. Diese stehen in Verbindung mit Twitter-Nachrichten, die er gepostet bzw. weiterverbreitet haben soll und in denen es um den Krieg im Jemen und Foltervorwürfe im Jaw-Gefängnis nach einem Häftlingsstreik im März 2015 ging. Seinen Rechtsbeiständen zufolge war bei der Festnahme des Menschenrechtlers und bei den Verhören keine Rede von der zusätzlichen Anklage „Beleidigung eines ausländischen Staates“ gewesen. Dieser Straftatbestand nach Paragraf 215 des bahrainischen Strafgesetzbuchs wird mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet. Das Gericht weigerte sich, dem Antrag auf Freilassung gegen Kaution aus medizinischen Gründen stattzugeben oder das Reiseverbot aufzuheben, das am 13. Juli 2015 ausgesprochen worden war.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Nabeel Rajab ist der Vorsitzende des Menschenrechtszentrums von Bahrain (Bahrain Centre for Human Rights). Er hat bereits eine zweijährige Haftstrafe im Jaw-Gefängnis verbüßt, zu der er wegen „illegaler Versammlung“, „Störung der öffentlichen Ordnung“ und „Anstiftung zu und Teilnahme an Protesten ohne vorherige Genehmigung“ in der bahrainischen Hauptstadt Manama zwischen Januar und März 2012 verurteilt worden war. Am 16. August 2012 war er zu drei Jahren Haft verurteilt worden; am 11. Dezember 2012 wurde das Strafmaß im Berufungsverfahren dann auf zwei Jahre reduziert. Im Mai 2014 war er aus der Haft entlassen worden. Gegen ihn erging im November 2014 jedoch ein Reiseverbot.

Am 20. Januar 2015 wurde der Menschenrechtler auf Grundlage des Paragrafen 216 des bahrainischen Strafgesetzbuches wegen „öffentlicher Diffamierung von staatlichen Institutionen“ im Zusammenhang mit zwei Twitter-Nachrichten zu sechs Monaten Haft verurteilt. Die Nachrichten wurden als beleidigend gegenüber dem Verteidigungs- und Innenministerium angesehen. Am 14. Mai 2015 wies das Berufungsgericht in Manama ein von Nabeel Rajab eingelegtes Rechtsmittel zurück. Er wurde am 2. April 2015 in seiner Wohnung im Dorf Bani Jamra festgenommen und zur Kriminalpolizei gebracht. Dort wurde er zu eigenen Twitter-Kommentaren sowie zu Twitter-Nachrichten, die er weiterverbreitet haben soll, befragt. Themen der Kommentare sollen der Krieg im Jemen und Vorfälle im Jaw-Gefängnis nach einem Häftlingsstreik am 10. März 2015 gewesen sein. Kurz nach der Festnahme von Nabeel Rajab veröffentlichte das Innenministerium eine Stellungnahme, in der es hieß, er sei festgenommen worden, weil er eine Nachricht gepostet habe, „die Menschen aufhetzen und den Frieden gefährden könnte“ und wegen „Diffamierung einer staatlichen Institution“. Nabeel Rajab wurde auf der Grundlage der Paragrafen 216 und 133 des bahrainischen Strafgesetzbuches unter Anklage gestellt. Seine Haft wurde von der Staatsanwaltschaft mehrere Male verlängert, bis er am 14. Mai 2015 dann seine sechsmonatige Haftstrafe antreten musste. Am Abend des 13. Juli 2015 wurde er aus der Haft entlassen, nachdem der König im Rahmen einer Begnadigung die Freilassung des Menschenrechtlers aus medizinischen Gründen angeordnet hatte. Sein im November 2014 verfügtes Reiseverbot wurde im August 2015 aufgehoben, seine Rechtsbeistände erfuhren jedoch, dass gegen ihren Mandanten am 13. Juli 2015 ein neues Reiseverbot verhängt worden war.

Am 13. Juni 2016 gegen 5 Uhr morgens umstellten Bereitschaftspolizist_innen das Viertel des Dorfes Bani Jamra westlich der Hauptstadt Manama, in dem Nabeel Rajab wohnt, und nahmen den Menschenrechtsverteidiger erneut fest. Sie legten einen Durchsuchungsbeschluss für sein Haus sowie einen Haftbefehl gegen ihn und einen Beschluss für seine Übergabe an die Kriminalpolizei vor. Eine Begründung für diese Maßnahmen war daraus jedoch nicht ersichtlich. Sein Handy und sein Computer wurden beschlagnahmt und er ist auf die Polizeistation in Ost-Riffa südlich von Manama gebracht worden. Man erlaubte ihm, seine Familie anzurufen. Am 14. Juni brachte man Nabeel Rajab zur Staatsanwaltschaft, wo er wegen „Verbreitung von falschen Informationen und Gerüchten mit dem Ziel, den Staat in Verruf zu bringen“ angeklagt wurde. Die Staatsanwaltschaft erließ zudem wegen der laufenden Ermittlungen eine siebentägige Haftanordnung gegen ihn. Die Rechtsbeistände von Nabeel Rajab waren bei dem Termin am 14. Juni anwesend. Als seine Angehörigen ihn gegen 21 Uhr desselben Tages besuchten, sagte er ihnen, dass man ihn anders als andere Gefangene in Einzelhaft festhalte.

Am 21. Juni wurde die Haft von Nabeel Rajab um weitere acht Tage verlängert, und am 26. Juni teilte man ihm mit, am 12. Juli erwarte ihn ein neues Verfahren vor dem Strafgericht im Zusammenhang mit Kommentaren und Retweets auf Twitter vom März 2015. Nabeel Rajab wurde am 23. Juni zur Polizeiwache von West-Riffa gebracht. Nachdem man Herzrhythmusstörungen bei ihm festgestellt hatte, wurde er am 27. Juni im Krankenwagen ins Krankenhaus des Innenministeriums in al-Qalaa gebracht und später in die Abteilung für Herzerkrankungen des Krankenhauses der Streitkräfte verlegt. Einen Tag zuvor hatte seiner Frau gesagt, er leide unter Bluthochdruck und Ohrensausen. Am 29. Juni wurde Nabeel Rajab ins Gefängnis zurück gebracht. Sein neuer Prozess begann am 12. Juli. An diesem Tag wurde er zusätzlich wegen „Beleidigung eines ausländischen Staates“ angeklagt.

Die Repressionen der bahrainischen Behörden gegen die Meinungs-, Vereinigungs-, Versammlungs- und Reisefreiheit nehmen immer weiter zu. Seit dem 12. Juni 2016 sind mindestens 19 Personen daran gehindert worden, das Land zu verlassen, darunter eine Gruppe von fünf Aktivisten, einschließlich eines ehemaligen gewaltlosen politischen Gefangenen. Die Aktivisten wollten an der 32. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf teilnehmen. Darüber hinaus musste die größte Oppositionspartei, al-Wefaq, am 14. Juni 2016 bis auf Weiteres ihre Arbeit einstellen. Am 20. Juni musste der geistige Führer der al-Wefaq, Ayatollah Isa Qassem, seine bahrainische Staatsbürgerschaft abgeben.

Weitere Informationen finden Sie auf Englisch in dem Amnesty-Bericht Bahrain: Authorities must halt repression after week of intensified clampdown on human rights, unter: https://www.amnesty.org/en/documents/mde11/4312/2016/en/.