Aktuell Deutschland 26. August 2019

"Die #unteilbar-Demo hat gezeigt, dass wir viele sind"

Menschen mit Plakaten demonstrieren "Nimm Rassismus persönlich, "Flamingos für die Liebe"

#unteilbar-Demonstration am 24. August 2019 in Dresden  

Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis hat in Dresden am Wochenende gegen Ausgrenzung demonstriert. Angela Maria Müller, Bezirkssprecherin von Amnesty in Sachsen, spricht im Interview darüber, was die #unteilbar-Demonstration für Dresden bedeutet und wie es nun weitergeht.

 

Du lebst selbst seit 2014 in Dresden. Rund 40.000 Menschen gingen dort am Wochenende für eine offene Gesellschaft auf die Straße. Was bedeutet die Demonstration für deine Stadt?

Für die Stadt ist #unteilbar ein positives Zeichen. Es haben sich viele zivilgesellschaftliche Organisationen zusammengefunden – aus ganz unterschiedlichen Spektren. Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Gewerkschaft, Bildungsinstitutionen und Menschenrechtsorganisationen demonstrierten am Wochenende gemeinsam. Vor allem ging es dabei um die Themen Flucht und Migration, Klimawandel, Menschenrechte, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Gesundheit. Ich verstehe #unteilbar als ein Bündnis jenseits politischer Kategorien wie rechts und links. Es ist ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis, das sich für Solidarität einsetzt – und gegen Ausgrenzung. Damit ist es für unsere Stadt richtungsweisend. Für Dresden ist es wichtig, die Zivilgesellschaft in der öffentlichen Wahrnehmung positiv zu besetzen. Und die #unteilbar-Demo hat gezeigt, dass wir viele sind.

Junge Frau im Vordergrund mit "No Racism" T-Shirt

Angela Maria Müller, 27, Bezirkssprecherin von Amnesty in Sachsen

Warum ist das gerade für die sächsische Landeshauptstadt wichtig?

Das zivilgesellschaftliche Engagement ist hier nicht so stark gewachsen wie in anderen Regionen Deutschlands. Aber dennoch sind viele Organisationen hier sehr aktiv. Die werden leider viel zu oft übersehen. Geht es um Sachen, stehen rassistische Positionen in der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund. Grade Dresden wurde in der jüngsten Vergangenheit viel mit rassistischen Aufmärschen in Verbindung gebracht. Aber sie sollten nicht das Einzige sein, was man von Sachsen wahrnimmt. Die #unteilbar-Demo hat gezeigt, dass es noch etwas anderes gibt – nämlich ein buntes, vielfältiges und tolerantes Dresden. Für die zivilgesellschaftlichen Organisationen hier ist es wichtig zu sehen, dass sie nicht alleine sind. Ich selbst lebe gerne in Dresden, ich bin am Bodensee aufgewachsen und Wahldresdnerin. Trotz des politischen Klimas, kann man hier gut leben und dagegenhalten.

Du bist Bezirkssprecherin von Amnesty Sachsen. Welche Hoffnungen verbindet ihr als Amnesty mit der #unteilbar-Demo?

Wir haben gezeigt, dass Menschenrechte unteilbar sind. Das wird in Sachsen derzeit verstärkt in Frage gestellt. Wir sind sehr besorgt, weil menschenrechtsfeindliche Positionen wieder gesellschaftsfähig werden – und das dürfen sie nicht. Darum sind wir sehr gespannt auf das Ergebnis der Landtagswahlen in Sachsen und auf die Koalitionsverhandlungen, die hier bevorstehen. Natürlich hoffen wir, dass menschenrechtsfeindliche Positionen keinen Einzug in den Landtag finden und wir mit #unteilbar ein Stück dazu beigetragen konnten.

Und wie geht es jetzt nach der Demo weiter?

Das sächsische #unteilbar-Bündnis besteht natürlich weiterhin und ist hier aktiv. Für Amnesty heißt es aktuell, erstmal möglichst viel Einfluss auf die Koalitionsverhandlungen zu nehmen. Als Amnesty sind wir politisch unabhängig. Aber wir wollen Politikerinnen und Politiker daran erinnern, dass Menschenrechte nicht relativierbar sind und für alle gelten. Wir vertreten gegenüber allen Parteien die Forderung, menschenrechtsfeindliche Positionen aus dem Parteiprogramm zu streichen und dafür machen wir uns weiter stark. #unteilbar stimmt uns hoffnungsvoll, was das angeht. Die Demo hat gezeigt, dass eine Mehrheit der Gesellschaft für Menschenrechte einsteht – und daran halten wir fest.

 

Interview: Lea De Gregorio

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