Zwölf Erfolge, die wir gemeinsam erreicht haben
Menschen feiern in Taiwans Hauptstadt Taipeh die Gerichtsentscheidung zur gleichgeschlechtlichen Ehe (Archivaufnahme vom Mai 2017).
© Amnesty International
Nur dank eures Einsatzes, eurer Entschlossenheit und eurer stetigen Unterstützung kann Amnesty International das Leben von Menschen und Gemeinschaften weltweit zum Positiven verändern. Hier findet ihr eine Auswahl von Erfolgen, die wir dank eurer Hilfe in den vergangenen Monaten erreichen konnten.
- 1. Oppositionsführer in Gambia frei
- 2. Menschenleben im Iran gerettet
- 3. Am längsten inhaftierter Journalist der Welt ist wieder frei
- Freilassung nach 17 Jahren Haft
- 4. Todesurteil in Malaysia aufgehoben
- 5. Chelsea Manning wieder frei
- Chelsea Manning
- 6. Eure Worte haben Leben verändert
- 7. Unternehmen reagieren auf Vorwürfe zur Palmöl-Produktion
- 8. Technologieriesen prüfen Vorwürfe wegen Kinderarbeit
- 9. Digitale Analyse entlarvt Lügen in Ägypten
- 10. Auszeichnung für digitale Berichterstattung
- 11. Gesetzesreform zu Schwangerschaftsabbrüchen in Irland rückt näher
- 12. Ehen unter Gleichgeschlechtlichen in Taiwan bald möglich
1. Oppositionsführer in Gambia frei
Am 30. Januar wurden die Oppositionsmitglieder Amadou Sanneh, Malang Fatty und dessen Bruder Alhagie Sambou Fatty nach mehr als drei Jahren Haft freigelassen. Innerhalb von zwei Tagen wurde Amadou Sanneh als Finanz- und Wirtschaftsminister der neuen gambischen Regierung vereidigt. Die Regierung hatte sich in einer Sackgasse befunden, bis der ehemalige Präsident Yahya Jammeh Ende Januar seine Wahlniederlage anerkannte und abtrat. "Die Arbeit von Amnesty bewirkt etwas", sagte Amadou Sanneh später. "Letztendlich waren wir ihnen einfach egal. Ohne die Unterstützung von Amnesty hätte es aber noch schlimmer werden können. Die Bemühungen von Amnesty haben sie daran gehindert, Schlimmeres zu tun. Dafür bin ich sehr dankbar. Alle Menschen, die ins Gefängnis gesteckt wurden, wissen die Arbeit von Amnesty sehr zu schätzen."
Der politische Gefangene Amadou Sanneh nach seiner Freilassung in Gambia im März 2017
© Amnesty International
2. Menschenleben im Iran gerettet
Mindestens zwei Menschenleben konnten im Iran dank Tausender Tweets und Appelle an die iranischen Behörden gerettet werden. Am 15. Februar wurde die bevorstehende Hinrichtung von Hamid Ahmadi in letzter Minute abgesagt, nachdem Unterstützerinnen und Unterstützer massiven Druck auf die Behörden ausgeübt hatten. Am 25. April wurde der im Alter von nur 15 Jahren zum Tode verurteilte Salar Shadizadi aus dem Gefängnis entlassen. Bereits vor seiner Freilassung hatten Unterstützerinnen und Unterstützer durch ihr rasches Eingreifen mehrfach seine Hinrichtung verhindert, nachdem er zehn Jahre inhaftiert gewesen war.
Die Iraner Salar Shadizadi und Hamid Ahmadi wurden freigelassen
© Amnesty International, Foto: Privat
3. Am längsten inhaftierter Journalist der Welt ist wieder frei
Seit dem 22. Februar ist Muhammad Bekzhanov nach 17 Jahren in einem usbekischen Gefängnis wieder frei. Er gehörte zu den am längsten inhaftierten Journalisten der Welt. Bekzhanov wurde 1999 ins Gefängnis gesteckt, nachdem man ihn unter Folter gezwungen hatte, staatsfeindliche Straftaten zu "gestehen". Hunderttausende Menschen weltweit setzten sich während des Amnesty-Briefmarathons 2015 und darüber hinaus für seine Freilassung ein. Dieser Druck aus der ganzen Welt hat dazu geführt, dass Muhammad Bekzhanov endlich wieder bei seiner Familie sein kann.
Freilassung nach 17 Jahren Haft
4. Todesurteil in Malaysia aufgehoben
Tausende von Menschen aus der ganzen Welt haben Briefe und Postkarten geschrieben, um an die Verantwortlichen in Malaysia zu appellieren, das Leben von Sharul Izai bin Suparman zu verschonen. Und sie hatten Erfolg: Am 27. Februar wurde sein Todesurteil in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Den malaysischen Behörden zufolge haben die Tausenden Briefe und Karten aus Ländern von Neuseeland bis Nigeria wesentlich dazu beigetragen, dass das Todesurteil gegen Shahrul Izani bin Suparman aufgehoben wurde. Außerdem verlegten die Behörden ihn nach elf Jahren in Einzelhaft wieder zu den anderen Gefangenen. Seine Freilassung steht 2030 an, doch könnte er bereits 2021 freikommen, sollte sein erneutes Gnadengesuch Erfolg haben. Dank des Einsatzes von Amnesty-Unterstützerinnen und -Unterstützern weltweit kann Shahrul Izani bin Suparmans Familie hoffen, bald wieder mit ihm vereint zu sein.
5. Chelsea Manning wieder frei
Am 17. Mai konnte Chelsea Manning das Gefängnis verlassen, nachdem US-Präsident Barack Obama ihre 35-jährige Freiheitsstrafe im Januar kurz vor Ende seiner Amtszeit verkürzt hatte. Sie war inhaftiert worden, weil sie vertrauliche Informationen – auch über mögliche Kriegsverbrechen des US-Militärs – öffentlich gemacht hatte. Mehr als eine Viertelmillion Menschen setzten sich im Rahmen des Amnesty-Briefmarathons 2015 für ihre Freilassung ein. In einem Brief an Amnesty schrieb Chelsea Manning damals: "Ich unterstütze eure Arbeit zum Schutz von Menschen, denen Gerechtigkeit, Freiheit, Wahrheit und Würde versagt wird. Mir scheint, dass die Transparenz einer Regierung eine fundamentale Voraussetzung für die Garantie und den Schutz der Freiheit und der Würde aller Menschen ist."
Chelsea Manning
6. Eure Worte haben Leben verändert
Amnesty-Aktivistinnen und -Aktivisten weltweit haben sich während des Briefmarathons 2016 selbst übertroffen. Zusammen habt ihr unglaubliche 4.660.774 Briefe, E-Mails, Tweets und Appelle geschrieben. Viele Schreiben waren auch Solidaritätsbekundungen, die den Betroffenen neuen Mut gemacht haben. "Ich war zu Tränen gerührt, als ich all die Briefe gesehen habe, die Amnesty International gesammelt hat", sagte Jewher Tohti, deren Vater Ilham noch immer in China inhaftiert ist. "Ich fühle mich stärker, seit ich weiß, dass es so viele Menschen gibt, die ihr Vertrauen in mich, meinen Vater und meine Familie setzen." Auch der US-amerikanische Whistleblower Edward Snowden, für den ihr euch ebenfalls im Briefmarathon 2016 eingesetzt habt, bedankte sich: "Ich möchte euch ehrlich und aus vollem Herzen für euren unerschütterlichen Einsatz und eure Unterstützung danken."
Der Amnesty-Briefmarathon
© Amnesty International
7. Unternehmen reagieren auf Vorwürfe zur Palmöl-Produktion
Nach unserem Bericht über Menschenrechtsverstöße auf Palmöl-Plantagen in Indonesien veröffentlichte Wilmar, einer der größten Palmöl-Produzent weltweit, einen zwölfmonatigen Aktionsplan mit Maßnahmen gegen die in unserem Bericht angeprangerten Menschenrechtsverstöße. Unternehmen wie Unilever und P&G, die ihr Palmöl von Wilmar beziehen, zeigen mehr Transparenz als vorher. Unsere Tweets an den Eiscreme-Hersteller Ben & Jerry's, ebenfalls Kunde bei Wilmar, führten dazu, dass das Unternehmen ab sofort kein Palmöl mehr in seinen Produkten verwendet. Dies zeigt deutlich, dass es für Unternehmen häufig nicht möglich ist festzustellen, ob das von ihnen gekaufte Palmöl frei von Ausbeutung produziert wird.
8. Technologieriesen prüfen Vorwürfe wegen Kinderarbeit
Hunderttausende Menschen weltweit, darunter Kinder in Belgien und Unterstützerinnen und Unterstützer in Kanada, Frankreich, Spanien und Schweden, verlangten von Technologieriesen eine Überprüfung auf den Einsatz von Kinderarbeit in der Produktion ihrer Telefone. In Briefen, Tweets, Appellen und öffentlichen Protesten forderten sie Apple, Samsung, Huawei und andere auf, ihre Kobalt-Lieferketten auf Menschenrechtsverstöße zu überprüfen. Als erster Unternehmen veröffentlichte Apple gemäß internationalen Standards eine Liste all seiner Kobalt-Zulieferer. Auch Sony folgte bald mit ersten Angaben zu seiner Kobalt-Lieferkette. Von der Flut der eingehenden Nachrichten aufgerüttelt antworteten Samsung und Huawei jeder einzelnen Person, die ihnen schrieb. Samsung versprach, den Vorwürfen von Amnesty nachzugehen und die Ergebnisse der Untersuchung in einem Bericht zu veröffentlichen.
Amnesty-Aktion vor dem Apple-Store in Madrid 2016
© Amnesty International, Foto: Eduardo Relero
9. Digitale Analyse entlarvt Lügen in Ägypten
Im April konnte durch Recherchen von Amnesty nachgewiesen werden, dass Angehörige des ägyptischen Militärs mindestens sieben Personen in ihrem Gewahrsam rechtswidrig getötet hatten. Unter ihnen befand sich auch ein 17-jähriger Junge. Unsere Ermittlerinnen und Ermittler hatten Videomaterial, das Amnesty erhalten hatte, mit Fotos und einem vom ägyptischen Militär veröffentlichten YouTube-Video verglichen und Expertinnen und Experten aus dem Sinai in Ägypten befragt. Ihre Enthüllungen widersprachen den Aussagen des Militärs, nach denen es sich bei den Getöteten um "Terroristen" gehandelt habe, die auf sie geschossen hätten.
Ahmed Abu Deraa ist einer der wenigen unabhängigen Journalisten aus dem Nord-Sinai, einer von Instabilität geplagten Region
© Michael Bravo
10. Auszeichnung für digitale Berichterstattung
Im Januar wurde Amnesty International und die Recherche-Agentur "Forensic Architecture" für ihre interaktive digitale Dokumentation über das syrische Foltergefängnis Saydnaya mit dem renommierten "Peabody Facebook Futures of Media Award" für herausragende Leistungen im Bereich digitaler Berichterstattung ausgezeichnet. Auf der Grundlage von Berichten ehemaliger Häftlinge vermittelt die Website einen beispiellosen Eindruck von den Gräueltaten in diesem berüchtigten Militärgefängnis, in dem Hunderte Häftlinge auf immer "verschwunden" sind.
Grundriss des Saidnaya Militärgefängnisses
© © Amnesty International, Grafik: Forensic Architecture
11. Gesetzesreform zu Schwangerschaftsabbrüchen in Irland rückt näher
Im April fand in Irland eine Abstimmung statt, mit deren bahnbrechendem Ergebnis sichere Zugänge zu Schwangerschaftsabbrüchen in Irland in greifbare Nähe rückte. Hunderttausende Menschen weltweit hatten sich 2015 an unserer Kampagne "She is #notacriminal" beteiligt, die den Forderungen nach einem Ende der Kriminalisierung von Personen in Irland, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen oder diesen durchführen, weltweit Nachdruck verliehen. Im April stimmten dann zwei Drittel der Bürgerversammlung, einem von der Regierung eingesetzten repräsentativen Forum aus 99 per Los ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, für das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch auf Antrag. Die Empfehlungen der Versammlung zur Reform werden dem Parlament vorgelegt. Das Abstimmungsergebnis deckt sich mit einer kürzlich von Amnesty International in Auftrag gegebenen Umfrage, nach der 80 Prozent der irischen Bevölkerung dafür sind, die Gesundheit der Frauen bei etwaigen Reformen des irischen Abtreibungsgesetzes in den Mittelpunkt zu stellen.
Amnesty-Mitglieder protestieren gegen restriktive Abtreibungsgesetze in Dublin, Irland
© Amnesty International, Foto: Mark Maxwell
12. Ehen unter Gleichgeschlechtlichen in Taiwan bald möglich
Es sieht so aus, als würde Taiwan als erstes asiatisches Land demnächst die Eheschließung unter Gleichgeschlechtlichen erlauben, nachdem das Verfassungsgericht im Mai zu dem Urteil gekommen war, das bisher geltende Verbot verstoße gegen die Gleichberechtigung. Amnesty-Aktivistinnen und -Aktivisten aus 40 Ländern hatten ihre Unterstützung in Form von Heiratsanträgen geschickt, um Taiwan zu einem "Ja" zu bewegen. Diese Nachrichten wurden bei einer riesigen, von der taiwanesischen Amnesty-Sektion und Partnerorganisationen vor Ort geplanten Kundgebung auf Leinwände projiziert, um die weltweite Unterstützung für diesen möglichen historischen Schritt des Landes zum Ausdruck zu bringen. Taiwans Regierung hat zwei Jahre Zeit, um das Urteil rechtskräftig umzusetzen. Wir werden unsere Aktionen in diesem Sommer intensivieren, um dafür zu sorgen, dass es nicht so lange dauert.
Amnesty-Aktion in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh für die gleichgeschlechtliche Ehe (Archivbild).
© Amnesty International