Aktuell Norwegen 17. Juni 2019

Taibeh Abbasi und ihre Brüder werden nach Afghanistan abgeschoben

Portätfoto von Taibeh Abbasi und ihrem Bruder Ehsan an einem Brückgeländer vor einem Gewässer

Taibeh Abbasi mit ihrem Bruder Ehsan

Ohne ihre kranke Mutter wollen die norwegischen Behörden Taibeh Abbasi und ihre Geschwister nach Afghanistan abschieben. Norwegische Polizeikräfte haben sie bereits nach Istanbul gebracht.

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Die norwegischen Behörden müssen die Abschiebung eines 16-jährigen Jungen und seiner beiden Geschwister unverzüglich stoppen, fordert Amnesty International. Die drei jungen Leute sind in unmittelbarer Gefahr, nach Afghanistan abgeschoben zu werden, wo ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen drohen.

Eshan Abbasi (16), Taibeh Abbasi (20) und Yasin Abbasi (22) sind am 15. Juni gemeinsam mit ihrer Mutter aus Norwegen nach Istanbul gebracht worden. Aufgrund ihres Gesundheitszustands wird die Mutter aller Voraussicht nach wieder nach Norwegen zurückgeflogen, wohingegen die drei Geschwister jederzeit nach Kabul geflogen werden könnten.

Die Abschiebung setzt die Zukunft der drei jungen Leute aufs Spiel und bringt sie in Lebensgefahr.

Massimo
Moratti
Experte für die Region Europa bei Amnesty International

"Diese drei jungen Leute aus der Umgebung herauszureißen, in der sie mehr als sieben Jahre lang gelebt haben, und sie alleine in ein Kriegsgebiet abzuschieben, ist ein nicht zu verantwortender Akt von Machtmissbrauch", sagt Massimo Moratti, Experte für die Region Europa bei Amnesty International.

"Afghanistan ist kein sicheres Land für Rückführungen. Sollte diese herzlose und unnötige Abschiebung tatsächlich durchgeführt werden, wird sie eine Familie auseinanderreißen. Das setzt die Zukunft der drei jungen Leute aufs Spiel und bringt sie in Lebensgefahr."

Taibeh Abbasi wurde als Tochter afghanischer Eltern im Iran geboren. 2012 floh sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Brüdern nach Norwegen. Sie ist eine couragierte Menschenrechtsverteidigerin und setzt sich offen für die Rechte ihrer Familie ein. Die Familie hat von ihrer örtlichen Gemeinde in Trondheim große Unterstützung erfahren. 

Die norwegische Regierung führt als Begründung für die Abschiebung an, dass Afghanistan ein sicheres Land für Rückführungen sei. Dieser Behauptung widerspricht jedoch das gravierende Ausmaß an Gewalt, das in ganz Afghanistan nach wie vor zu verzeichnen ist. Anfang Juni bezeichnete das Institute for Peace and Economics Afghanistan als das "am wenigsten friedliche" Land der Welt.

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Der genaue Aufenthaltsort der Familie in Istanbul ist nicht bekannt. Doch man geht davon aus, dass die Familie weder Zugang zu Informationen noch Kontakt mit der Außenwelt hatte , seit sie am Samstagmorgen in Norwegen in das Flugzeug gesetzt wurde. 

"Diese Abschiebung steht symbolhaft für die grausame und entmenschlichende Politik vieler europäischer Staaten, die im Hinblick auf die Maximierung ihrer Abschiebungszahlen vor der Realität in Afghanistan die Augen verschließen", kritisiert Massimo Moratti.

Norwegen muss diese gewissenlose Entscheidung umgehend rückgängig machen und die Geschwister nach Norwegen zurückkehren lassen.

Massimo
Moratti
Experte für die Region Europa bei Amnesty International

"Norwegen muss diese gewissenlose Entscheidung umgehend rückgängig machen und die Geschwister nach Norwegen zurückkehren lassen, wo ihr Zuhause und ihre Freunde sind. Asylsuchende in Norwegen dürfen unter keinen Umständen nach Afghanistan zurückgeführt werden: Das ist gefährlich und rechtswidrig. Die norwegischen und türkischen Behörden haben zudem sicherzustellen, dass die Familie Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen kann und Zugang zu Informationen, rechtlichen Beistand und institutionelle Unterstützung bekommt."

Hintergrund 

Berichten zufolge sind zehn norwegische Polizeikräfte abgestellt worden, um die Geschwister von Istanbul nach Kabul zu begleiten.

Seit 2017 haben mehr als 280.000 Menschen eine Petition von Amnesty International unterzeichnet, in der gefordert wird, Taibeh Abbasi und ihre Familie nicht abzuschieben.

Der genaue Aufenthaltsort der Familie in Istanbul ist nicht bekannt. Doch man geht davon aus, dass die Familie weder Zugang zu Informationen noch Kontakt mit der Außenwelt hatte, seit sie am Samstagmorgen in Norwegen in das Flugzeug gesetzt wurde. 

"Diese Abschiebung steht symbolhaft für die grausame und entmenschlichende Politik vieler europäischer Staaten, die im Hinblick auf die Maximierung ihrer Abschiebungszahlen vor der Realität in Afghanistan die Augen verschließen", kritisiert Massimo Moratti.

Mehr als 280.000 Menschen haben eine Petition von Amnesty International unterzeichnet, die fordert Taibeh Abbasi und ihre Familie nicht abzuschieben.

Amnesty International vorliegenden Informationen zufolge schiebt Norwegen mehr afghanische Staatsangehörige ab als die meisten anderen europäischen Länder – sowohl im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung als auch in absoluten Zahlen. Laut Angaben der afghanischen Behörden stammen 32 Prozent aller in den ersten vier Monaten des Jahres 2017 aus Europa zurückgeführten Personen (97 von 304 Personen) aus Norwegen.

Deutschland hat seit Dezember 2016 in 24 Sammelabschiebungen bereits 589 Afghanen abgeschoben. Amnesty International hat im November 2018 eine Petition gegen Abschiebungen nach Afghanistan mit 29.463 Unterschriften an den Bundesinnenminister Horst Seehofer übergeben.

Für das Jahr 2018 dokumentierten die Vereinten Nationen für Afghanistan die höchste jemals erfasste Zahl an zivilen Todesopfern. Darin enthalten ist auch die höchste jemals erfasste Zahl an getöteten Minderjährigen im Land. Insgesamt wurden beinahe 11.000 Menschen Opfer des herrschenden Konflikts: 7.189 Personen wurden verletzt und 3.804 getötet.

Amnesty fordert von der Bundesregierung einen Abschiebungsstopp nach Afghanistan und keine weiteren Rückführungen, bis sich die Lage vor Ort signifikant verbessert hat.

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