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Neues Rekordergebnis

Briefmarathon 2015: 3,7 Millionen Appelle für Menschen in Not und Gefahr

Auch Schülerinnen in Taiwan beteiligten sich im Dezember 2015 am Amnesty-Briefmarathon: © Amnesty International TaiwanAuch Schülerinnen in Taiwan beteiligten sich im Dezember 2015 am Amnesty-Briefmarathon: © Amnesty International Taiwan

Erfolgreicher Einsatz für Menschen in Not und Gefahr: Unterstützerinnen und Unterstützer von Amnesty International haben im vergangenen Dezember im Rahmen des Briefmarathons 2015 weltweit 3.714.141 Millionen Briefe, SMS, E-Mails und Tweets verschickt - ein neuer Rekord!

Von Argentinien bis Australien, von Belgien bis Burkina Faso und von der Mongolei bis nach Marokko: In fast allen Teilen der Welt setzten sich engagierte Aktivistinnen und Aktivisten, Studierende, Schülerinnen und Schüler für Personen und Gemeinschaften ein, die schreckliche Menschenrechtsverletzungen erlitten haben.

Und dieses beeindruckende Engagement war sehr erfolgreich, wie diese Beispiel zeigen.

USA: Albert Woodfox Nach 44 Jahren in Einzelhaft wieder frei

In den USA wurde Albert Woodfox im Februar 2016 nach 44 Jahren in Einzelhaft endlich aus der Haft entlassen. Mehr als 240.000 Amnesty-Unterstützerinnen und -Unterstützer hatten im Rahmen des Briefmarathons seine Freilassung gefordert.

Albert Woodfox sagte gegenüber Amnesty: "Die Nachrichten, die mich von Menschen außerhalb der Gefängnismauern erreicht haben, sind zu einer enormen Quelle der Stärke für mich geworden. Ich möchte mich bei allen Mitgliedern und Unterstützerinnen und Unterstützern von Amnesty für die wundervolle Arbeit, mit der sie sich für uns eingesetzt haben, bedanken."

Albert Woodfox nach seiner Freilassung: © AI USA/Jasmine HeissAlbert Woodfox nach seiner Freilassung: © AI USA/Jasmine Heiss

Myanmar: Aktivistin Phyoe Phyoe Aung aus Haft entlassen

Auch Phyoe Phyoe Aung ist wieder in Freiheit. Die junge Aktivistin war in Myanmar mehr als ein Jahr lang inhaftiert, und das nur, weil sie sich friedlich für die Meinungsfreiheit eingesetzt hatte. Im März 2015 war sie an der Organisation eines Protestmarsches von Studierenden beteiligt. Die Polizei ging mit Schlagstöcken auf die Demonstrierenden los. Mehr als 100 Personen wurden später inhaftiert und angeklagt, darunter auch Phyoe Phyoe Aung. Im April 2016 wurde sie wieder freigelassen, nachdem Amnesty-Unterstützerinnen und -Unterstützer beim Briefmarathon mehr als 394.000 Appelle für sie verschickt hatten.

Die handgeschriebenen Postkarten, Briefe und Solidaritätsbekundungen waren ein großer Trost für Phyoe Phyoe Aung: "All diese Briefe zu bekommen bestärkt mich in dem, was wir tun. Ich habe angefangen zu begreifen, dass die Welt zusieht und uns anfeuert - wir sind nicht allein."

Phyoe Phyoe Aung erhielt im Dezember 2015 Briefe von Amnesty-Mitgliedern: © Mizzima NewsPhyoe Phyoe Aung erhielt im Dezember 2015 Briefe von Amnesty-Mitgliedern: © Mizzima News

Mexiko: Gerechtigkeit für Yecenia Armenta

Am 7. Juni 2016 hat ein Richter im Norden Mexikos Yecenia Armenta freigesprochen und ihre Entlassung aus der Haft angeordnet. Mit dieser Entscheidung setzte er vier langen Jahren der Ungerechtigkeit ein Ende: Yecenia Armenta war von Polizisten gefoltert, vergewaltigt und zu einem falschen "Geständnis" gezwungen worden. Amnesty hatte sich für ihre Freilassung eingesetzt.

Yecenia Armenta, Mutter von zwei Kindern, war am 10. Juli 2012 von der Polizei des Bundesstaates Sinaloa willkürlich inhaftiert und 15 Stunden lang gefoltert worden. Man schlug auf sie ein, erdrosselte sie fast und vergewaltigte sie, bis sie "gestand", am Mord ihres Ehemanns beteiligt gewesen zu sein: "Die Polizisten drohten, meine beiden Kinder zu vergewaltigen und in Stücke zu schneiden. Nachdem sie mich stundenlang gefoltert und vergewaltigt hatten, unterzeichnete ich ein Geständnis - mit verbundenen Augen. Ich konnte nicht einmal lesen, was ich unterschrieb."

Amnesty hatte sich jahrelang für ihre Freilassung eingesetzt und sammelte u.a. beim Briefmarathon 2015 für sie weltweit 318.705 Appelle, davon 33.508 in Deutschland.

"Ich möchte allen Menschen, die mich begleitet haben, von ganzem Herzen danken. Ohne ihre Unterstützung wäre es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass ich freigelassen werde", sagte Yecenia Armenta. "Ich möchte mich bei denen bedanken, die weiter kämpfen, die mit dieser wichtigen Arbeit, dem Kampf für die Rechte anderer Menschen, weitermachen. Manchmal braucht die Gerechtigkeit länger - aber sie kommt."

Briefe der Solidarität: Yecenia Armenta im Gefängnis während des Besuchs einer Amnesty-Delegation im Januar 2016: © Amnesty InternationalBriefe der Solidarität: Yecenia Armenta im Gefängnis während des Besuchs einer Amnesty-Delegation im Januar 2016: © Amnesty International

Burkina Faso: Schutz für Mädchen und junge Frauen

Darüber hinaus hatten sich beim Briefmarathon 2015 u.a. mehr als eine halbe Million Menschen für den Schutz von Mädchen und jungen Frauen vor Zwangsverheiratungen in Burkina Faso eingesetzt. Dieser internationale Druck zeigte schnell Wirkung: Das Justizministerium bestätigte, dass die Regierung sich dazu verpflichtet, Früh- und Zwangsverheiratungen abzuschaffen. Das Ministerium erklärte, dass man sich zu diesem Schritt gezwungen gesehen habe, nachdem "Briefe, E-Mails und Nachrichten von Menschen aus der ganzen Welt eingegangen waren".

Demokratische Republik Kongo: Freiheit für Fred Bauma und Yves Makwambala

Zahlreiche Briefe und Postkarten erreichten auch die beiden Jugendaktivisten Fred Bauma und Yves Makwamba in der Demokratischen Republik Kongo. Zusammen mit 26 weiteren Aktivistinnen und Aktivisten waren sie im März 2015 festgenommen. Am 29. August 2016 konnte sich Amnesty über ihre Freilassung freuen. Yves bedankte sich für die Unterstützung: "Jeder Brief, jeder Besuch und jedes Wort hat uns gestärkt und unsere Entschlossenheit in diesem langwierigen, aber wichtigen Kampf für Freiheit und Demokratie bekräftigt."

Die Aktivisten Fred Bauma und Yves Makwambala aus der Demokratischen Republik Kongo: © Amnesty InternationalDie Aktivisten Fred Bauma und Yves Makwambala aus der Demokratischen Republik Kongo: © Amnesty International

"Danke Amnesty International, dass ihr Licht in die Dunkelheit bringt!"

Auch Costas, der bei einem rassistischen und homophoben Angriff in Griechenland 2014 zusammengeschlagen wurde, bedankte sich bei Amnesty International: "Der Briefmarathon ist eine der wichtigsten Aktionen weltweit, und weil wir nicht in einer perfekten Welt leben, sollte und muss er weiter bestehen bleiben. Es ist einfach wundervoll! Ich bin so bewegt und danke euch von ganzem Herzen - jeder einzelnen Person, jeder Frau, jedem Mann und allen anderen, die auch nur eine halbe Zeile geschrieben und zu dieser Aktion beigetragen haben. Danke Amnesty International, dass ihr Licht in die Dunkelheit bringt."

Der Briefmarathon 2015 in Deutschland

Mit insgesamt über 255.000 Appellen setzten sich auch in Deutschland viele tausend Menschen für Albert Woodfox, Costas und die zehn weiteren Briefmarathon-Fälle ein. Der bisherige Briefmarathon-Rekord aus dem Jahr 2014 wurde damit nochmals deutlich übertroffen. Ob auf dem Chemnitzer Kleinkunstmarkt, dem Ravensburger Weihnachtsmarkt, in der Schwerter Stadtbücherei oder der Nürnberger Fußgängerzone: Bei rund 240 Aktionen warben Amnesty-Mitglieder in ganz Deutschland dafür, sich gegen Menschenrechtsverletzungen weltweit einzusetzen.

An der Realschule Schonungen wurden im Rahmen des Briefmarathons 2015 über 1.500 Briefe verschickt: © Michael SchmailzlAn der Realschule Schonungen wurden im Rahmen des Briefmarathons 2015 über 1.500 Briefe verschickt: © Michael Schmailzl

Unter dem Motto "Schreib für Freiheit!" beteiligten sich dieses Mal auch besonders viele Schulen am Briefmarathon. Vielerorts schufen Schülerinnen und Schüler an ihren Schulen eigene Räume, um der Aktion mehr Öffentlichkeit und Unterstützung zu verschaffen. Bundesweit wurden an rund 290 Schulen über 49.000 Appelle geschrieben - darunter viele persönliche Solidaritätsnachrichten, die dann beispielsweise direkt an Phyoe Phyoe Aung verschickt wurden.

Auch im Dezember 2016 heißt es wieder: "Schreib für Freiheit!"

Der Briefmarathon 2015 hat einmal mehr deutlich gemacht, was der gemeinsame Einsatz für Menschenrechte bewirken kann: Zu Unrecht inhaftierte Menschen werden freigelassen, diskriminierende Gesetzestexte geändert und politische Aktivistinnen und Aktivisten in ihrer Arbeit unterstützt und gestärkt.

Trotz dieser wichtigen Erfolge gibt es jedoch noch immer viel zu tun, denn viel zu vielen Menschen weltweit widerfährt nach wie vor massives Unrecht.