Erfolg Aktuell Belarus 07. Februar 2013

"Ich wurde von einer Lawine von Briefen überrascht"

Studentinnen der Universität Athen nahmen u.a. für María Isabel Velíz Franco am Amnesty-Briefmarathon 2012 teil, 10.12. 2012

Studentinnen der Universität Athen nahmen u.a. für María Isabel Velíz Franco am Amnesty-Briefmarathon 2012 teil, 10.12. 2012

06. Februar 2013 - Im vergangenen Jahr wurden während des Briefmarathons in über 80 Ländern über 1,5 Millionen Briefe, SMS-Nachrichten und Unterschriften gesammelt. Rosa Franco aus Guatemala und Ales Bialiatski aus Belarus bedanken sich für die Solidarität.

Weihnachten ist normalerweise eine schwierige Zeit für Rosa Franco. Immer, wenn diese Zeit des Jahres näher kommt, kann Rosa nicht anders, als erneut das zu durchleben, was ihrer Familie 2001 zugestoßen ist. Als ihre Tochter Isabel tot aufgefunden wurde, ihr Körper wie Müll abgeladen auf den Straßen von Guatemala-Stadt.

Mehr als zehn Jahre später ist noch immer nicht bekannt, wer die 15-Jährige ermordet hat. Obwohl Rosa zahllose Drohungen erhielt, versuchte sie zu erwirken, dass das Verbrechen ordnungsgemäß untersucht wird. Doch die Ermittlungen kamen niemals voran. Die Fehler, die beim Sammeln der Beweise gemacht worden waren, führten dazu, dass diejenigen, die Maria Isabel brutal ermordeten, heute immer noch auf freiem Fuß sind.

Amnesty International war eine von vielen Organisationen, die mit Rosa und ihrer Familie zusammengearbeitet haben, um sicherzustellen, dass Maria Isabel Gerechtigkeit widerfährt. Ihr Fall war einer von zwölf ausgewählten Einzelfällen, für die sich im Dezember 2012 tausende Aktivistinnen und Aktivisten im Rahmen des 10. Amnesty-Briefmarathons eingesetzt hatten.

María Isabel Velíz Franco war 15 Jahre alt, als sie in Guatemala-Stadt entführt und brutal ermordet wurde

María Isabel Velíz Franco war 15 Jahre alt, als sie in Guatemala-Stadt entführt und brutal ermordet wurde

Beim Briefmarathon waren Menschen aufgefordert worden, Solidaritätsbotschaften an Angehörige von Opfern von Menschenrechtsverletzungen zu schicken sowie Briefe an Regierungen zu schreiben und sie zu drängen, gegen Menschenrechtsverletzungen aktiv zu werden.

„Ich war zu Hause und gerade dabei, den Weihnachtsbaum zu schmücken und das Essen vorzubereiten, als ich jemanden an der Tür klingeln hörte. Es war der Postbote mit einer Kiste voller Briefe. Ich habe so viel Unterstützung erhalten, die mich mit neuer Kraft erfüllt hat,“ sagte Rosa.

Und es kamen immer mehr und mehr Briefe.

„Meine Familie und ich sind überrascht, dass sich so viele Menschen auf der Welt für Maria Isabel einsetzen, während sich hier niemand um Morde an Frauen schert,“ sagte Rosa, die sich nun darauf vorbereitet, vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte über den Mord an ihrer Tochter auszusagen.

500 Briefe am Tag

Ales Bialiatski ist mittlerweile daran gewöhnt, in seiner Zelle in einem belarussischem Gefängnis einige Briefe zu erhalten. Aber im Dezember 2012 passierte etwas Außergewöhnliches: „Ich wurde von einer Lawine von Briefen und Postkarten, Glückwünschen und Solidaritätsbekundungen überrascht. Ich bin all den Menschen, die mir schreiben, sehr dankbar. In jedem der Briefe kann man die nationale Herkunft derer herauslesen, die sie schickten. Aber was all diese Briefe gemeinsam haben, ist Sympathie und Mitgefühl,“ sagte er in einem Statement, das auf der Website seiner Organisation veröffentlicht wurde.

Eine polnische Amnesty-Aktivistin zeigt während des Briefmarathons 2012 ihre Solidarität mit Ales Bialiatski

Eine polnische Amnesty-Aktivistin zeigt während des Briefmarathons 2012 ihre Solidarität mit Ales Bialiatski

Ales ist ein bekannter Menschenrechtsverteidiger und der Vorsitzende des Menschenrechtszentrums Viasna. Er war am 4. August 2011 festgenommen worden. Am 24. November 2011 musste er eine viereinhalbjährige Haftstrafe antreten, zu der er als Bestrafung für seinen Einsatz für die Menschenrechte in Belarus verurteilt worden war. Einige der Beweise, die während des Prozesses gegen Ales vorgebracht worden wurden, waren unbestätigt oder anonym. Die Befragung einiger Zeugen stand in keinem Zusammenhang zur Anklage, aber stattdessen zu den Menschenrechtsaktivitäten von Ales Bialiatski und der Zeugen selbst.

Während des Amnesty-Briefmarathons hat Ales täglich bis zu 500 Solidaritätsbriefe von Menschen aus der ganzen Welt erhalten. „Diese Menschen unterstützen mich nicht nur persönlich, sondern drücken auch ihren Protest gegen die systematischen Menschenrechtsverletzungen aus. Das ist eine deutliche Nachricht an alle Menschen in Belarus,“ sagte er.

Ein weltweiter Marathon

Der weltweite Briefmarathon von Amnesty International bringt Menschen aus allen Teilen der Welt zusammen, um gemeinsam Solidarität auszudrücken und ihre Stimmen dafür zu erheben, dass die Regierung Maßnahmen ergreift, um Menschen, die unter Menschenrechtsverletzungen gelitten hatten, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Die Aktion, die 2001 in Polen von einer kleinen Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten ins Leben gerufen worden war, die im Zeitraum von zehn Tagen Briefe schrieben (in manchen Fällen in 24-Stunden-Veranstaltungen), um die Freilassung von zwölf Menschen zu bewirken, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer weltweiten Kampagne. 2012 wurden während des Briefmarathons in über 80 Ländern über 1,5 Millionen Briefe, SMS-Nachrichten und Unterschriften gesammelt.

In Japan kamen Menschen im Zentrum Tokios zusammen, um mit mehr als 1.000 Laternen „Lichter der Hoffnung“ zum Leuchten zu bringen. In Paraguay organisierten Aktivisten ein Radrennen, in dessen Verlauf sie Unterschriften für eine Petition sammelten. Und in Kanada war das weltweit fünftgrößte freistehende Bauwerk, der CN-Tower, am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, hell erleuchtet.

In Ländern wie Pakistan und Nigeria, wo die Lage der Menschenrechte und die politische Lage besonders instabil sind, sammelten Aktivistinnen und Aktivisten die Unterstützung von Familie, Freunden, Kollegen und der Öffentlichkeit, indem sie für die Rechte von Menschen in Gefahr auf der ganzen Welt schrieben.

Waseem aus Pakistan war es beispielsweise nicht möglich, seine Aktion in der Öffentlichkeit zu bewerben, aber er war von der Unterstützung der 20 Menschen berührt, die über Facebook vom Briefmarathon erfahren hatten und zu seiner Aktion erschienen waren, um gemeinsam Briefe zu schreiben.

„Der Briefmarathon verdeutlicht die Macht von Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen. Die gezeigte Solidarität und die an die Regierungen gerichteten Aufrufe, etwas zu unternehmen, sind nicht nur dafür da, um Menschen Kraft zu geben, die schreckliche Misshandlungen überlebt haben und für Gerechtigkeit kämpfen, sondern auch um den Regierungen zu zeigen, dass die Welt sie beobachtet,“ sagte Bryna Subherwal von Amnesty International.

Rosa Franco sagte, dass ihr die Briefe der Amnesty-Aktivistinnen und –Aktivisten neue Hoffnung und Energie gegeben haben, um weiter für Maria Isabel zu kämpfen.
„Ich habe darüber nachgedacht, ein Wandgemälde anzufertigen, damit jetzt jeder, der zu meinem Haus kommt, die Briefe sehen kann. Ich besaß schon ein Poster mit zwei Fotos von María Isabel, um das ich die Karten rundherum angebracht habe. Dann habe ich alles an die Wände neben meiner Haustür gehängt. Alles hängt jetzt dort. Ich denke darüber nach, ein paar Fotos mit mir daneben zu machen, damit ihr es alle sehen könnt, und damit ich all diesen wunderbaren Menschen danken kann, die sich mit mir solidarisch gezeigt haben,“ sagte sie.

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