USA/Iran: Amnesty fordert Aufklärung nach tödlichem US‑Angriff auf Schule in Minab
Bagger heben Gräber aus für die Opfer des US-Luftangriffs auf eine Schule in der iranischen Stadt Minab (3. März 2026).
© AFP or licensors
Amnesty International fordert eine umfassende unabhängige Untersuchung des tödlichen US‑Luftangriffs auf die Shajareh‑Tayyebeh‑Grundschule in Minab (Iran). Neue Recherchen von Amnesty weisen darauf hin, dass das US-Militär die Schule direkt beschossen hat, zusammen mit nahegelegenen 12 weiteren Strukturen, die den Islamischen Revolutionsgarden zuzurechnen sind. Bei dem Angriff am 28. Februar 2026 wurden mindestens 168 Menschen getötet, darunter über 100 Kinder.
Amnesty‑Analysen von Satellitenbildern, Videoaufnahmen und Munitionsresten deuten darauf hin, dass beim Beschuss der Schule präzisionsgelenkte US‑Tomahawk‑Raketen verwendet wurden. Das deutet darauf hin, dass die USA es versäumt haben, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um im Rahmen ihrer Angriffe zivile Ziele und die Zivilbevölkerung zu schützen. Dies ist ein schwerer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht, in dem die Unterscheidung zwischen militärischen und zivilen Zielen eines der grundlegenden Prinzipien darstellt. Ältere Satellitenbilder, die Amnesty International ausgewertet hat, zeigen, dass die Schule früher (2013) Teil des militärischen Komplexes der Iranischen Revolutionsgarden war, später jedoch von diesem abgetrennt wurde. Dies lässt nach Einschätzung von Amnesty International vermuten, dass die USA für ihre Einsatzplanung veraltete Informationen genutzt haben.
Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, erklärt: "Der Angriff der USA auf eine Grundschule ist eine humanitäre Katastrophe – und er war vermeidbar. Wenn über 100 Kinder in den voll besetzten Klassenräumen einer Schule getötet werden, muss es vollständige Transparenz und echte Konsequenzen geben. Die US‑Behörden müssen unverzüglich offenlegen, wie es zu diesem dramatischen Versagen kommen konnte. Die Familien der Opfer haben ein Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung."
Amnesty International fordert die US‑Regierung auf, sämtliche geheimdienstlichen Bewertungen, Zielauswahlprozesse und etwaigen Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Planung des Angriffs offenzulegen. Ebenso müssen strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet werden, wenn sich individuelle Verantwortlichkeit nachweisen lässt.
Darüber hinaus kritisiert Amnesty International, dass iranische Behörden die Opfer für Propagandazwecke instrumentalisiert und Familien zur Teilnahme an staatlich organisierten Beerdigungen gezwungen haben sollen. Amnesty International fordert die Behörden der Islamischen Republik Iran außerdem auf, Zivilist*innen, die sich in der Nähe von möglichen militärischen Zielen aufhalten, in Sicherheit zu bringen.
Die ausführlichen Ergebnisse der Untersuchung gibt es auf amnesty.org (auf Englisch).