Amnesty Journal Vereinigte Staaten von Amerika 04. Dezember 2017

Aufgeben ist keine Option

Comiczeichnung von Albert Woodfox, Herman Wallace und Robert King hinter Gittern

Die "Angola 3" in der Graphic Novel "Panthers in the Hole".

Über Jahrzehnte verhinderten US-Gerichte die Freilassung von Albert Woodfox. Der schwarze Black Panther-Kämpfer brachte sich deshalb in Einzelhaft selbst juristische Kenntnisse bei.

Von Arndt Peltner, New Orleans. Mit Zeichnungen von Bruno und David Cénou

Albert Woodfox sitzt auf der überdachten Terrasse seines Hauses in einem Randbezirk von New Orleans. Es ist ein sonniger Morgen, die Luft angenehm kühl. Weil sich in seinem karg eingerichteten Haus ein großer, lauter Ventilator dreht, sind wir nach draußen gegangen, hier ist es ruhiger. "Jemand hat mich einmal gefragt, was ich in meinem Leben ändern würde, wenn ich es könnte", sagt Woodfox. "Ich habe kurz darüber nachgedacht und dann geantwortet: nichts."

Eine Szene aus der Graphic Novel "Panthers in the Hole" zeigt Profilbilder der Angola 3 und im Hintergrund das Gefängnis aus der Vogelperspektive

Bis auf eine Uhr und eine Fahne mit dem Symbol der linken militanten Black Panther-Partei, der er sich 1971 mit 23 Jahren anschloss, sind die Wände des kleinen Hauses kahl. Nur ein Bild, das ihn gemeinsam mit seinen Freunden Robert King und Herman Wallace zeigt, erinnert an die inhaftierten Genossen, die als "Angola 3" bekannt wurden. Jahrzehntelang kämpften sie für ihre Unschuld und ihre Freiheit: Robert King konnte 2001 das Gefängnis verlassen, Herman Wallace verstarb 2013, nur drei Tage nach seiner Haftentlassung an Krebs, und Woodfox kam schließlich an seinem 69. Geburtstag im Februar 2016 auf freien Fuß. Dreimal hatten Berufungsgerichte in den Jahrzehnten zuvor die Aufhebung seiner lebenslangen Haftstrafen gekippt.

Insgesamt beläuft sich der Zeitraum, den die drei schwarzen US-Amerikaner in Einzelhaft verbrachten, auf mehr als hundert Jahre – die meisten davon im Staatsgefängnis von Louisiana State. Die Hochsicherheitseinrichtung wird wegen der angolanischen Sklaven, die vor der Inbetriebnahme 1901 hier auf Plantagen arbeiteten, auch als "Angola Prison" bezeichnet. Als die "Angola 3" 1971 unabhängig voneinander wegen bewaffneter Raubüberfälle verurteilt wurden, galt es als das gefährlichste und gewaltsamste Gefängnis der USA: Vergewaltigungen von Häftlingen waren an der Tagesordnung, 17-stündige Arbeitstage bei einem Stundenlohn von wenig mehr als zwei Cent die Regel. Und alle Wärter waren weiß.

Als 1972 der junge Strafvollzugsbeamte Brent Miller in einem Schlafsaal des Gefängnisses erstochen wurde, machte man Woodfox und Wallace für den Mord verantwortlich – obwohl keinerlei Beweise vorlagen, DNA-Spuren nicht beachtet wurden und sich die Staatsanwaltschaft ausschließlich auf die Aussagen eines fragwürdigen Augenzeugen berief. In zwei Verfahren, bei denen die Jurys ausschließlich aus Weißen bestanden, wurden Woodfox und Wallace zu lebenslanger Haft verurteilt. Fünf Jahre verbrachten sie anschließend im Hochsicherheitstrakt von "Angola Prison", dem berüchtigten "Dungeon": 23 Stunden am Tag eingepfercht in Zellen, die nur sechs Quadratmeter groß waren.

Die Graphic Novel "Panthers in the Hole" zeigt Albert Woodfox in seiner Zelle beim Schachspielen

Wandel durch Anpassung

"Was ich in der Einzelhaft erlebt habe, hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin", sagt Albert Woodfox mit ­fragiler Stimme. Seit Wochen kämpft der 70-Jährige mit einer Erkältung, immer wieder schiebt er sich Hustenbonbons in den Mund. "Ich würde nicht versuchen, daran etwas zu ändern. Auch wenn mir zwei Drittel meines Lebens genommen wurden." Bereitwillig beantwortet Woodfox die Fragen des Reporters, auch wenn er sie so oder ähnlich schon oft gehört hat. Er liebe es, mit sich allein zu sein, sagt er. "Aber aus der Notwendigkeit heraus wurde ich extrovertiert, denn man kann keine Führungsfigur sein und seine Erfahrungen weitergeben, wenn man sich zurückzieht."

Woodfox redet mit ruhiger Stimme, in breitem Südstaaten­akzent. Sich zu wandeln und anzupassen, hat er in seinen knapp 44 Jahren im Gefängnis gelernt. Als er 1972 gemeinsam mit ­Wallace und King die erste Gefängnisgruppe der Black Panther gründete, setzten sie noch auf direkte "physische Konfrontation", wie er es nennt. Gemeinsam mit anderen Häftlingen bildeten sie Anti-Vergewaltigungseinheiten, um Neuankömmlinge vor Übergriffen durch die Wärter zu schützen.

Wenn Einsprüche gegen die unmenschlichen Haftbedingungen an der Gefängnisleitung abprallten oder einfach ignoriert wurden, griffen die Häftlinge zur härtesten Form ihrer Widerstandsmöglichkeit, zum Hungerstreik – auch wenn dieser meist mit brutaler Gewalt und Tränengas gestoppt wurde. Was zur abermaligen Verlegung der Black Panther-Führer in den "Dungeon" führte.

Dass sie damit auf Dauer nichts an ihrer Situation ändern konnten, hätten sie im Laufe der 1980er Jahre erkannt, sagt Wood­fox. "Wir mussten uns eine andere Strategie überlegen, also wandten wir uns den Gerichten zu." Doch da sich keiner der zwar marxistisch, nicht aber juristisch geschulten "Angola 3" in Gesetzesdingen gut auskannte, erwies sich dieser Weg als schwierig. Zumal ihnen keine Rechtsanwälte zur Seite standen. "Wir mussten uns dieses Wissen selbst aneignen", erinnert sich Woodfox an den Anfang des juristischen Kampfes, der erst 2016 mit seiner Freilassung endete. "Wir studierten Gesetzestexte und die Möglichkeiten, juristisch gegen Bürgerrechtsverletzungen vorgehen zu können."

Oft habe er über vier, fünf oder sechs offenen Büchern gleichzeitig gesessen, um einen Ansatzpunkt in der Rechtsprechung zu finden. Ein Urteilsspruch habe das eine ausgesagt, ein anderer das Gegenteil. Gemeinsam mit King und Wallace habe er nach Argumenten für ihre Eingaben vor Gericht gesucht – ein wichtiger Grund ihrer Freundschaft "Wir dachten gleich, wir hatten die gleichen Absichten, den gleichen Antrieb. Statt frustriert aufzugeben, sahen wir die Herausforderung, am Ende zu gewinnen. Wir verloren sehr viele Einsprüche, aber die wenigen, die wir gewinnen konnten, veränderten einiges im Gefängnis."

Szene aus der Graphic Novel "Panthers in the Hole": Albert Woodfox baut aus Taschentüchern Schachfiguren

Gemeinsam vor Gericht

Und auch außerhalb des Gefängnisses führte das juristische Selbststudium zu Erfolgen: 1991 stimmte ein Richter in Louisiana der Argumentation von Woodfox zu, dass das Urteil wegen Mordes an dem weißen Wärter Miller gegen die Verfassung verstoßen habe, weil keine Frauen in der Jury vertreten waren. Das Urteil gegen ihn wurde 1992 aufgehoben. Doch noch vor seiner Freilassung erhob die Staatsanwaltschaft abermals Anklage gegen ihn. In dem Prozess in Amite City ein Jahr später antwortete er auf die Frage, ob er weiter politisch aktiv sei, dass er es als seine Aufgabe ansehe, seinen Mitgefangenen "Stolz, Selbstrespekt, Selbstvertrauen" und die Erkenntnis weiterzugeben, "dass der Weg, etwas zu ändern, bei einem selbst beginnt". Er wurde zu ­lebenslanger Haft verurteilt.

Bis zum Beginn des Revisionsverfahrens vergingen weitere sechs Jahre – und wieder stimmte eine weiße Jury der Verurteilung zu. Deren Vorsitzende, Anne Butler, war mit einem "Angola"-Wärter verheiratet gewesen, was selbst bei ihr Zweifel da­rüber auslöste, wie sie in ein Gremium berufen werden konnte, das eigentlich unabhängig sein soll.

Inzwischen jedoch war eine breitere Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam geworden, auch Amnesty International setzte sich für die "Angola 3" ein. Ab 1999 erhielten Woodfox, Wallace und King zudem rechtlichen Beistand von dem Jurastudenten Scott Fleming, der sich mit den Gerichtsakten vertraut gemacht hatte. Die Bodyshop-Gründerin Anita Roddick entschied sich, nachdem sie Woodfox besucht hatte, die Rechtsanwälte der drei Black Panther-Mitglieder zu finanzieren. 2000 reichten die drei Klage ein wegen der Bedingungen ihrer inzwischen 28 Jahre Einzelhaft, weil diese sowohl gegen die US-amerikanische Verfassung als auch gegen internationale Menschenrechtsabkommen verstießen.

Doch kam 2001 zunächst nur King frei, ohne den er die langen Jahre in Einzelhaft nicht überstanden hätte. "Robert hat immer gesagt, gib mir Zitronen und ich mache daraus Limonade." Nach seiner Entlassung reiste King um die ganze Welt und erzählte die Geschichte der "Angola 3". "Er hatte uns versprochen, nicht eher zu ruhen, bis Herman und ich auch freikommen. Und er hielt sein Versprechen. Herman starb 2013 drei Tage nach seiner Entlassung, aber als freier Mann. Drei Jahre später gewann auch ich meine Freiheit wieder."

Das Beste aus ihrer Situation zu machen – nach dieser Maxime lebten die "Angola 3" auch im Gefängnis. Indem sie Hungerstreiks organisierten, ihre Mitgefangenen schulten und sich dem repressiven Gefängnisalltag widersetzten. Die Leitung wollte die Panther brechen, scheiterte aber an deren starkem Willen. "Ich weigerte mich, mich nackt vor allen auszuziehen, wenn ich aus meiner Zelle kam. Andere Häftlinge schauten mit ihren Spiegeln zu, die sie durchs Gitter hielten", erinnert sich Woodfox. "Die Wärter machten rassistische und erniedrigende Kommentare. Da machte ich nicht mit. Dafür kam ich erneut in den ›Dungeon‹."

Szene aus der Graphic Novel "Panthers in the Hole": Demonstration für Albert Woodfox und Herman Wallace

Zurück in den "Dungeon"

"Dungeon" oder Kerker, das hieß 23 Stunden am Tag in einer kahlen Zelle. Kein Hofgang, kein Tisch, kein Stuhl, nur eine Toilette und ein kleines Waschbecken. Eine Matratze zum Schlafen. Ein kleines Fenster, der Blick nach draußen jedoch versperrt. Mahlzeiten nur in der Zelle. Gelegentlich durfte geduscht werden. Immer allein. Hier nicht durchzudrehen, nicht aufzugeben, nicht gebrochen zu werden, erforderte viel Willenskraft.

Woodfox, King und Wallace glaubten an sich und an das, ­wofür sie kämpften. Irgendwie schafften sie es, auch im "Dungeon" miteinander zu kommunizieren, kleine Briefchen zwischen den Zellen hin und her zu schmuggeln, Gespräche unter der Tür hindurch zu führen. So kamen sie aus dem "Dungeon" immer wieder gestärkt heraus, überzeugt davon, dass ihr Kampf weitergehen würde, weitergehen musste.

Und sie gaben ihr Wissen an ihre Mitgefangenen weiter – in Gesetzesfragen, aber auch in Geschichte und Philosophie, Geografie und Politik. Beim Schach- und Dominospiel wurde geredet, debattiert und geschult, ebenso auf den Endlosspaziergängen im Gefängnishof. "Für mich war immer ausschlaggebend, was am besten für alle ist, nicht für den Einzelnen. Das war und ist noch immer mein Grundprinzip. Das Ganze ist wichtiger als das Einzelne."

Das habe auch den Kern seiner innigen Beziehung zu Wallace und King ausgemacht, "die trotz dieser schlimmsten Umstände überlebte. Ich glaube, diese Freundschaft gab uns die Kraft, die wir brauchten." Auch im juristischen Kampf gegen den institutionellen Rassismus, der das amerikanische Justizsystem bis heute prägt: 2008 hob ein Richter des Middle District von Louisiana das zweite Urteil gegen Woodfox auf, nur um zusehen zu müssen, wie der Rechtsspruch von einem höheren Gericht 2010 wieder gekippt wurde. 2013 dann die abermalige Aufhebung der lebenslangen Haftstrafe wegen des Mordes an dem Gefängniswärter Brent Miller.

Doch auch dagegen wollten die Justizbehörden vorgehen: 2015 versuchten sie, Woodfox ein drittes Mal zu verurteilen, ein Berufungsgericht brachte die Entscheidung des Richters jedoch zu Fall. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands stimmte der mittlerweile 68-jährige Woodfox schließlich einem Deal zu, wonach er – ohne ausdrückliches Schuldeingeständnis – akzeptierte, sich nicht weiter gegen den Tatvorwurf zu verteidigen. Louisianas Generalstaatsanwalt Jeff Landry erklärte, das Arrangement diene der Gerechtigkeit: Woodfox sei wegen des Mordes an dem Strafjustizvollzugsbeamten Miller verurteilt worden und habe dafür gebüßt. Und ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Präsident Barack Obama trete dafür ein, die Einzelhaft künftig "angemessen und sparsam" einzusetzen.

Auch wenn sein Name seit seiner Freilassung an seinem 69. Geburtstag im Februar 2016 nun immer wieder in Artikeln, Radio- und Fernsehbeiträgen auftaucht, sieht Woodfox sich nicht als Einzelkämpfer. Das große Ganze sei ihm wichtiger. So kann man auch seine Antwort auf die Frage verstehen, was für ihn die wichtigste Erfahrung seiner langen Gefängnisjahre war: "Für mich war es, einem Mann das Lesen und Schreiben beizubringen. Denn wenn man jemandem Lesen und Schreiben beibringt, öffnet sich ihm die Welt."

Neben Robert King sei seine Mutter die treibende Kraft hinter seinem Kampf um Freiheit gewesen. "Sie hat mein Fundament gelegt – Stärke und Durchhaltevermögen, Loyalität und Hingabe, die Bereitschaft sich zu opfern." Sie sei Analphabetin gewesen, habe außer ihrem eigenen Namen nichts lesen oder schreiben können. Und sei dennoch einem Prinzip gefolgt: "Niemals aufgeben!"

Daran habe er immer denken müssen im Gefängnis, wenn er "frustriert und voller Zorn" war. Schließlich habe sie dafür gesorgt, dass er und seine Geschwister ein Dach über dem Kopf hatten, Essen und Kleidung. Sie habe die Kinder zum Arzt gebracht, wenn sie krank waren. "Sie schlug sich durch das System, ein rassistisches System." Das habe er sich in seiner Zelle immer wieder vor Augen gehalten: "Wenn meine Mutter das geschafft hat, dann schaffe ich das auch. Solange man kämpft, hat man eine Chance. Wenn du nicht kämpfst, hast du verloren."

Szene aus der Graphic Novel "Panthers in the Hole": Demonstration für die Angola 3

Ein glücklicher Mensch

Sein Handy klingelt, er nimmt ab, ein ehemaliger Mitgefangener ist am anderen Ende. Woodfox hört kurz zu und fragt, ob sie später telefonieren könnten, er werde gerade von einem deutschen Reporter interviewt. "Sie rufen noch immer an und ich nehme immer ab." Sie – das sind jene Mithäftlinge, die die "Angola 3" in ihren langen Jahren schulten und weiterbildeten. So hätten sie von Dingen gehört, die sie davor nicht kannten: "Armut erzeugt Individualismus, wir hingegen sprachen von Einheit, vom Miteinander, vom Teilen. Unsere Leute hielten sich an bestimmte Regeln, die wir setzten: keine Vergewaltigung, kein Stehlen, keine Gewalt gegeneinander."

Mit siebzig Jahren fängt für Albert Woodfox nun ein ganz neues Kapitel in seinem Leben an. Von einer juristisch erstrittenen finanziellen Abfindung hat er sich sein Haus gekauft. Täglich telefoniert er mit seinem engsten Freund Robert King, der nun in Austin, Texas lebt. Er reist viel, auch nach Übersee, denn dort sind viele der Unterstützer der einstigen "Angola 3" zu ­finden. Ihnen will er auf einer Reise in mehrere europäische Länder Ende des Jahres für ihren Einsatz und ihr Durchhalte­vermögen danken.

Er sei heute ein glücklicher Mensch, sagt er. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu, dass damit für ihn aber auch eine große Verantwortung verbunden sei. Er wolle und er werde weiterkämpfen. Derzeit arbeitet er an einer Autobiografie, ein Hollywoodstudio habe schon Interesse an der Verfilmung des Stoffs geäußert.

Darüber, dass die Welt sich ihm öffnet und er es geschafft hat, die Zeit hinter Gittern mehr als überlebt zu haben, ist er stolz. Nur so konnte er zu dem kritisch denkenden, engagierten Mann werden, der für soziale Gerechtigkeit und gegen Rassismus eintritt. Als Woodfox 1972 inhaftiert wurde, kamen die USA gerade aus dem blutigen Jahrzehnt der Bürgerrechtsbewegung, in Vietnam tobte ein brutaler, rassistischer Krieg, der die Ungleichheit zwischen Weiß und Schwarz auch in den Vereinigten Staaten deutlich zutage treten ließ.

Nach fast 44 Jahren in Haft kam die Freiheit für ihn, doch der Kampf der schwarzen US-Amerikaner für ihre Rechte ging in all diesen Jahren unvermindert weiter. Noch immer kann eine einfache Personenkontrolle in den USA zum Tod führen – und die Wahrscheinlichkeit ist für einen Schwarzen dreimal höher als für einen Weißen.

War der Kampf der Black Panther-Partei, war sein persönlicher Kampf deshalb vergeblich? "Ich bin frustriert, das ja, aber ich fühle mich nicht besiegt", sagt Woodfox auf der Veranda hinter seinem Haus. Und bekräftigt, dass er an den Wandel glaube: "Ich bin das beste Beispiel für den Wandel. Ich habe es in einer sechs Quadratmeter großen Zelle geschafft, also erzähl’ mir nicht, dass du dich nicht auch verändern kannst."

Natürlich sei er wütend über das, was ihm angetan wurde, aber auch da könne er nur einen Satz von Robert King zitieren: "Wenn du einen Mann in einem Haufen Mist vergräbst, dann wundere dich nicht, dass er stinkt, wenn er aufsteht." Auch der Wahlsieg Donald Trumps stellt für ihn keine Niederlage dar, sondern einen Grund weiterzumachen. "Es ist viel einfacher, mit individuellem Rassismus umzugehen. Der institutionelle Rassismus hingegen unterstützt die einzelnen Rassisten. Der Einzelne kann also noch viel mehr Schaden anrichten, wenn er durch das System in der Gesellschaft gefördert wird."

Mit dieser "gesunden Wut im Bauch gegen das System", wie er es nennt, macht er unermüdlich weiter. "Ich habe vier wunderschöne Urenkel, und ich kämpfe für den Tag, an dem sie irgendwohin gehen können, wo die Leute nicht als erstes ihre Hautfarbe sehen, ihre äußeren Merkmale, ihre Haarstruktur." Ob er dieses Ziel je erreichen wird, weiß er selbst nicht so genau.

Doch für Albert Woodfox, das wird in diesem Gespräch immer und immer wieder deutlich, ist der Weg das Ziel. Aufgeben kam für ihn nie in Frage. Nicht in den Jahrzehnten der Einzelhaft und erst recht nicht in Freiheit, in seinem Haus in New Orleans. Beim Abschied sagt er, dass er demnächst Oakland besuchen werde, die Stadt, in der die Black Panther-Partei gegründet wurde. Vielleicht sehe man sich dort wieder. Das Telefon klingelt erneut, ein schnelles "Good Bye", und die Haustür fällt ins Schloss.

"Panthers in the Hole"

Der Comicband zeichnet die Geschichte der "Angola 3" in Einzelhaft nach – von Anfang der 1970er Jahre bis zu ihrer Freilassung nach der Jahrtausendwende. La Bôite à Bulles, Paris, 2017, gemeinsam mit Amnesty International Frankreich.

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