Pressemitteilung Aktuell Katar 22. März 2021

Fußball-WM 2022 in Katar: Die FIFA muss endlich handeln

Das Bild zeigt das Innere eines Fußballstadion, im Vordergrund die Silhouetten mehrere Bauarbeiter, die ein Baugerüst abbauen

Bauarbeiten am Al-Bayt-Fußballstadion, das für die Fußball-WM 2022 in der Nähe der katarischen Hauptstadt Doha errichtet wird (April 2019).

Im Vorfeld der Qualifikationsrunde für die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar fordert Amnesty International die FIFA auf, ihren Einfluss gegenüber den Behörden geltend zu machen, um dem Missbrauch von Arbeitsmigrantinnen und -migranten ein Ende zu setzen sowie weitere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

In einem Brief an FIFA-Präsident Gianni Infantino ruft Amnesty International die FIFA auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, drohende Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar zu verhindern, zu beheben und zu mildern, und ihren Einfluss in vollem Maße zu nutzen, um Katar dazu zu bringen, sein Programm für Arbeitsreformen vor Beginn der Weltmeisterschaft zu erfüllen.

Katar hat in den letzten Jahren zwar positive Reformen auf den Weg gebracht und damit zum Teil auf die erhöhte Aufmerksamkeit nach der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft reagiert. Diese werden jedoch allzu häufig nur unzureichend umgesetzt, sodass Tausende von Arbeitsmigrantinnen und -migranten nach wie vor ausgebeutet und missbraucht werden.

Als Ausrichterin der WM ist die FIFA nach internationalen Standards dafür verantwortlich, die mit dem Turnier verbundenen Menschenrechtsrisiken zu minimieren.

Steve
Cockburn
Leiter des Bereichs Wirtschaftliche und Soziale Gerechtigkeit bei Amnesty International

Kürzlich hat Katars Schura-Rat, eine beratende Versammlung, eine Reihe von Empfehlungen vorgelegt, die – sollten sie von der Regierung angenommen werden – einen Großteil der durch die Reformen erzielten Fortschritte wieder zunichtemachen würde. So unter anderem durch die Wiedereinführung von Beschränkungen der Rechte von Arbeitnehmenden, den Arbeitsplatz zu wechseln und das Land zu verlassen.   

"Als Ausrichterin der WM ist die FIFA nach internationalen Standards dafür verantwortlich, die mit dem Turnier verbundenen Menschenrechtsrisiken zu minimieren. Die in dieser Woche stattfindenden Qualifikationsspiele sind eine Mahnung, dass das Zeitfenster, in dem die FIFA Einfluss auf Katar nehmen kann, immer kleiner wird – sie muss jetzt handeln, um sicherzustellen, dass die Weltmeisterschaft 2022 ein Turnier ist, auf das man stolz sein kann, und nicht eines, das in erster Linie durch Arbeitsrechtsverletzungen von sich reden macht."

Amnesty-Video zur Situation von Arbeitnehmenden in Katar:

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Arbeiterinnen und Arbeiter leiden wegen der Weltmeisterschaft

Am 15. März hat Amnesty International die FIFA in einem Schreiben aufgefordert, ihren internationalen menschenrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Gemäß den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte muss die FIFA sicherstellen, dass die Menschenrechte bei der Organisation und Durchführung der Weltmeisterschaft geachtet werden, etwa durch eine eigene, unabhängige und regelmäßige Überwachung der WM-Projekte und -Standorte sowie durch die Wahrung der Sorgfaltspflicht, um Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Turnier zu erkennen und zu verhindern.

Insbesondere trägt die FIFA die Verantwortung dafür, dass für alle Schäden, die Arbeiterinnen und Arbeiter im Rahmen der bisherigen WM-Projekte erlitten haben, in Zusammenarbeit mit den katarischen Behörden und anderen relevanten Interessengruppen angemessene Abhilfe durch Rechtshilfe und Entschädigungen geschaffen wird.

"Die FIFA muss ihren Einfluss nutzen, um Katar dazu zu bewegen, bestehende Reformen unverzüglich umzusetzen und Vorschläge, Arbeitnehmende ihre neu erworbenen Rechte zu nehmen, abzulehnen", so Steve Cockburn.

Amnesty würdigt die Schritte, die von der FIFA in den letzten Jahren unternommen wurden, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Dazu gehörten beispielsweise die Veröffentlichung von Leitprinzipien zu Menschenrechtsfragen 2017 und einer gemeinsamen Nachhaltigkeitsstrategie für die FIFA Fussball-WM 2022 im Oktober 2019.

In 27 Ländern hat Amnesty International im November 2020 die jeweiligen nationalen Fußballverbände aufgefordert, sich aktiv für die Rechte von Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten einzusetzen.

Tweet von Amnesty in Nigeria:

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Hintergrund

Insgesamt 2,3 Millionen Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten verdienen in Katar ihren Lebensunterhalt, sie stellen dabei 95 Prozent der Arbeitskraft. Davon sind derzeit rund 20.000 Arbeiter auf den WM-Baustellen im Land tätig. 173.000 Personen, meist Frauen, sind als Hauspersonal angestellt.

Viele der Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten leiden unter den nach wie vor schlechten Arbeitsbedingungen: Sie erhalten ihren Lohn oft unregelmäßig, verspätet, oder überhaupt nicht. Bis vor kurzem durften sie nur mit Einverständnis des Arbeitgebers den Job wechseln oder einfach nur das Land verlassen. Diese Regelung ist inzwischen zwar gesetzlich abgeschafft, wird aber in der Praxis weiterhin angewandt und zunehmend erneut in Frage gestellt.

Schließlich ist vor allem Hauspersonal, trotz einer Gesetzesreform, Missbrauch und Ausbeutung ausgeliefert: Hausangestellte müssen bis zu 18 Stunden täglich arbeiten, haben keine Ruhepausen, keinen freien Tag und werden häufig durch ihre Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber beschimpft, geschlagen und sexuell missbraucht. Die Täterinnen und Täter gehen fast immer straflos aus.

Weitere Informationen in den Amnesty-Berichten: "Reality Check 2020: Countdown to the 2022 World Cup" sowie "Why do you want to rest? Ongoing abuse of domestic workers in Quatar".

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