Pressemitteilung Aktuell Katar 20. Oktober 2020

Hausangestellte missbraucht und ausgebeutet

Illustration einer Frau, die in einer Küche auf dem Boden sitzt. Im Hintergrund ist eine Familie am Esstisch abgebildet.

Migrantinnen in Katar werden gezwungen bis zur völligen Erschöpfung zu arbeiten. Wie ein neuer Amnesty-Bericht aufdeckt, sind Hausangestellte Misshandlungen, Erniedrigungen und schweren Straftaten ausgesetzt. Amnesty International fordert ein Ende der Straflosigkeit für verantwortliche Arbeitgeber.

Die Rechte von ausländischen Hausangestellten werden in Katar trotz jüngster Reformen weiter massiv verletzt. Das geht aus dem neuen Bericht von Amnesty International mit dem Titel "'Why do you want to rest?' – Ongoing abuse of domestic workers in Qatar" hervor. Danach werden Frauen, die in Katar im Haus ihres Arbeitgebers leben und dort Hausarbeit leisten, in vielen Fällen nicht die vorgeschriebenen Pausen und Ruhezeiten gewährt. Vielen wird der Arbeitslohn vorenthalten. Immer wieder werden Hausangestellte zudem Opfer von Übergriffen und sexualisierter Gewalt.

"Die Einführung des Gesetzes über Hausangestellte im Jahr 2017 war ein wichtiger Schritt zum Schutz der Arbeitsrechte in Katar. Leider zeigen die Berichte der Frauen, mit denen wir gesprochen haben, dass diese Reformen nicht richtig umgesetzt oder durchgesetzt wurden", sagt Regina Spöttl, Expertin für Katar bei Amnesty International in Deutschland.

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Seit 2017 gilt in Katar das Gesetz über Hausangestellte, in dem die Begrenzung der Arbeitszeit, obligatorische tägliche Pausen, ein freier Tag pro Woche und bezahlter Urlaub festgeschrieben sind. Jetzt, drei Jahre später, berichten 90 von 105 Frauen, mit denen Amnesty Kontakt aufgenommen hat, dass sie regelmäßig mehr als 14 Stunden am Tag arbeiten. 87 Frauen sagen, dass ihr Arbeitgeber ihren Pass einbehalten. Einige Frauen berichteten, dass sie nicht angemessen oder gar nicht bezahlt würden. 40 der interviewten Frauen beschrieben, wie sie beleidigt, geschlagen oder angespuckt wurden. Praktiken wie Einbehaltung der Pässe und Nichtauszahlung der Löhne weisen auf Zwangsarbeit hin.

Viele Frauen begegnen Hindernissen, wenn sie Misshandlungen und Straftaten ihres Arbeitgebers bei den Behörden anzeigen wollen und es herrscht weitgehende Straflosigkeit.

Regina
Spöttl
Expertin für Katar bei Amnesty International in Deutschland

Erst kürzlich führte Katar einen Mindestlohn von rund 1000 QR (235 Euro) ein und schaffte die Regelung ab, dass Hausangestellte die Erlaubnis ihres Arbeitgebers benötigen, um die Stelle zu wechseln oder das Land zu verlassen. Es fehlen jedoch Maßnahmen, die den Schutz dieser Rechte stärken und ihre Durchsetzung sicherstellen.

Straflosigkeit

Für die meisten Frauen ist es keine Option, Anzeige zu erstatten. Während der Bearbeitungszeit laufen sie Gefahr, ihren rechtlichen Status, ihr Einkommen und die Unterkunft zu verlieren. Aus diesem Grund werden auch Fälle von körperlicher und sexualisierter Gewalt oftmals nicht angezeigt. 

Die Betroffenen benötigen eine sichere Unterkunft und ein gesichertes Auskommen für die Dauer des Prozesses. Die staatlichen Unterkünfte, die dafür sorgen sollen, sind jedoch noch nicht vollumfänglich in Betrieb.

"Viele Frauen begegnen Hindernissen, wenn sie Misshandlungen und Straftaten ihres Arbeitgebers bei den Behörden anzeigen wollen und es herrscht weitgehende Straflosigkeit. Die dokumentierten Missstände sind das Resultat fehlender Kontrollmechanismen zur Einhaltung des Gesetzes über Hausangestellte sowie des nach wie vor existierenden Sponsorensystems, das der Arbeitgeberseite in Katar unverhältnismäßig viel Macht über ihre Angestellten einräumt", erklärt Regina Spöttl.

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