Pressemitteilung Aktuell 05. März 2021

Corona-Krise: Weltweit mindestens 17.000 Todesopfer im Gesundheitswesen

Im Vordergrund sieht man nur die Hände, blaue Handschuhe, die eine Spritze aufziehen, im Hintergrund Männer und Frauen mit Gesichtsmasken

Eine Krankenschwester in der indischen Stadt Bangalore bereitet am 16. Januar 2021 den Impfstoff für Beschäftigte eines Krankenhauses vor. 

Eine neue Untersuchung von Amnesty International, den internationalen Gewerkschaftsverbänden Public Services International (PSI) und UNI Global Union zeigt, dass im vergangenen Jahr mindestens 17.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen an Covid-19 gestorben sind. Die Organisationen fordern ein rasches Handeln, um die Impfung für Millionen der weltweit an vorderster Front stehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen zu beschleunigen.

Vor dem Hintergrund einer sich weltweit verschärfenden Ungleichheit beim Zugang zu Impfstoffen ruft Amnesty International die Regierungen zu raschem Handeln auf. Mehr als die Hälfte der global verfügbaren Impfdosen gegen Covid-19 wurden bisher in nur zehn wohlhabenden Ländern verabreicht. Diese machen weniger als zehn Prozent der Weltbevölkerung aus. In mehr als 100 Ländern hingegen wurde bis Anfang Februar 2021 noch keine einzige Person geimpft, und viele ärmere Länder werden ihre ersten Impfstofflieferungen erst in den kommenden Wochen und Monaten erhalten. Gerade auch Beschäftigte im Gesundheitswesen müssen dabei priorisiert werden.

Regierungen müssen dafür Sorge tragen, dass alle im Gesundheitswesen Beschäftigten vor Covid-19 geschützt sind, und zwar überall.

Steve
Cockburn
Leiter des Bereichs für wirtschaftliche und soziale Menschenrechte bei Amnesty International

"Es ist nicht nur tragisch, sondern auch ungerecht, dass alle 30 Minuten eine im Gesundheitswesen arbeitende Person an Covid-19 stirbt. Auf der ganzen Welt haben Beschäftigte im Gesundheitswesen ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um Menschen vor Covid-19 zu schützen, doch viel zu viele blieben selbst ungeschützt und haben dafür mit dem Leben bezahlt", so Steve Cockburn, Leiter des Bereichs für wirtschaftliche und soziale Menschenrechte bei Amnesty International. 
 
"Regierungen müssen dafür Sorge tragen, dass alle im Gesundheitswesen Beschäftigten vor Covid-19 geschützt sind, und zwar überall. Es müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden, um die enormen globalen Ungleichheiten beim Zugang zu Impfstoffen zu beseitigen, damit der Gesundheitshelfer einer Gemeinde in Peru genauso geschützt ist wie die Ärztin in Großbritannien." 
 
Amnesty International, PSI und UNI Global Union fordern die Regierungen auf, alle hochexponierten Beschäftigten im Gesundheitswesen in ihren nationalen Verteilungsplänen zu priorisieren. Dazu zählen laut den Organisationen auch jene, die in der Pandemie oft übersehen werden, wie Reinigungskräfte, medizinisches Personal in den Gemeinden sowie Sozialarbeiter_innen.
 
Im Rahmen der Impfstoffkampagne "The People’s Vaccine" fordern Amnesty International, Public Services International (PSI) und UNI Global Union die Regierungen außerdem dazu auf, dringende Maßnahmen zur Aufstockung der weltweiten Impfstoffvorräte gegen Covid-19 einzuleiten, indem sie in die Herstellungskapazitäten investieren und sicherstellen, dass Impfstoffhersteller ihre Technologien und ihr Wissen teilen, damit alle eine Chance haben, geimpft zu werden. Eine wichtige Möglichkeit, den Impfprozess zu beschleunigen und weitere unnötige Todesfälle bei hochgefährdetem Gesundheitspersonal zu vermeiden, besteht im Verzicht der Welthandelsorganisation WTO auf Patente, unterstützt durch Zuschüsse für ärmere Länder.
 
"Alle Regierungen müssen in der Lage sein, so schnell wie möglich Covid-19-Impfstoffe für uns und unsere Gesellschaften zu beschaffen und zu verwalten. Im Gesundheitswesen Beschäftigte sind erst dann wirklich sicher, wenn wir alle sicher sind", so Rosa Pavanelli, Generalsekretärin von PSI. 

Plakatwand mit der Aufschrift "Thank You" und dem Bild von Krankenpersonal

Hintergrund
 
Amnesty International, Public Services International und UNI Global Union haben Daten analysiert, die von Regierungen, Gewerkschaften, Medien und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus über 80 Ländern veröffentlicht wurden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Zahl von 17.000 Todesfällen zu niedrig angesetzt ist, da viele Regierungen keine offiziellen Daten erfasst haben oder diese unvollständig sind. 
 
Unsichere Arbeitsbedingungen sowie ein Mangel an persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) haben Beschäftigte im Gesundheitswesen vor enorme Probleme gestellt, vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie. Laut einem im Juli 2020 veröffentlichten Bericht von Amnesty International fehlte es in nahezu allen 63 untersuchten Ländern an angemessenen PSA. Einige Gruppen waren besonders benachteiligt. In Ländern wie Malaysia, Mexiko und den USA waren Reinigungskräfte, Hilfskräfte sowie Sozialarbeiter_innen, die PSA und sichere Arbeitsbedingungen gefordert hatten, mit Schikanen konfrontiert – bis hin zu Entlassungen und Festnahmen. 
 
Bisher sind in den USA mindestens 1.576 Beschäftigte in Pflegeheimen an Covid-19 gestorben. In Großbritannien starben im Jahr 2020 rund 494 Beschäftigte, die in der Pflege tätig sind. Offizielle Daten der Regierung zeigen, dass Beschäftigte in Pflegeheimen und in der kommunalen Pflege mehr als dreimal so häufig an Covid-19 starben wie die arbeitende Bevölkerung allgemein.  

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