Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Tag der Menschenrechte

Der Amnesty Briefmarathon 2014 ist vorbei

Raif Badawi wurde zu 1.000 Peitschenhieben verurteilt - und das nur, weil er in Saudi-Arabien sagte, was er wollte: © Amnesty InternationalRaif Badawi wurde zu 1.000 Peitschenhieben verurteilt - und das nur, weil er in Saudi-Arabien sagte, was er wollte: © Amnesty International

29. Januar 2015 - Jedes Jahr im Dezember schreiben in wenigen Tagen Millionen Menschen Briefe an Personen, die sie nicht kennen. Sie wissen jedoch über Amnesty International, dass die Menschenrechte dieser Menschen verletzt wurden. Sie drücken mit diesen Briefen Ihre Solidarität mit ihnen aus und wenden sich zugleich an Regierungen und Behörden, um sich für sie einzusetzen.

Rund um den Tag der Menschenrechte fand vom 3. bis 17. Dezember der Amnesty-Briefmarathon 2014 statt - die weltweit größte Briefaktion für Menschen in Gefahr. Menschen aus allen Teilen der Welt waren aufgefordert, sich zu beteiligen und Appelle für Menschen zu schreiben, die Unterstützung brauchen.

In diesem Jahr setzten wir uns für Raif Badawi (Saudi-Arabien), Chelsea Manning (USA), Moses Akatugba (Nigeria), Paraskevi Kokoni (Griechenland) und Liu Ping (China) ein.

Saudi-Arabien: Raif Badawi gründete eine Webseite für öffentlichen Meinungsaustausch. Sein Engagement für mehr Meinungsfreiheit in seinem Heimatland kam ihn teuer zu stehen: Zehn Jahre Haft und 1.000 Stockschläge.

USA: Chelsea Manning, vormals bekannt als Bradley Manning, gab vertrauliche Informationen an die Enthüllungsplattform Wikileaks weiter. Sie wurde dafür zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Nigeria: Moses Akatugba wurde im Alter von 16 Jahren festgenommen und letztes Jahr zum Tode verurteilt - weil er Mobiltelefone gestohlen haben soll. In der Haft zwang man ihn mit massiver Folter, die Tat zu "gestehen".

Griechenland: Die Romni Paraskevi Kokoni und ihr kleiner Sohn wurden im Oktober 2012 in Etoliko auf offener Straße angegriffen, ihr Neffe bewusstlos geschlagen. Die Behörden ignorieren den Rasssimus gegen Roma in Griechenland.

China: Die Bürgerrechtlerin Liu Ping sitzt im Gefängnis, weil sie Korruption angeprangert hat. Vor Gericht gab sie an, in der Untersuchungshaft gefoltert worden zu sein.

Erfolgreicher Einsatz für die Menschenrechte

In diesem Jahr haben sich weltweit wieder sehr viele Menschen am Briefmarathon beteiligt. Allein in Deutschland wurden insgesamt über 170 200 Briefe verschickt, fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Auch viele Schüler_innen in Deutschland engagierten sich in Unterrichtsprojekten für die Menschenrechte weltweit. Knapp 100 Schulen nahmen dieses Jahr am Briefmarathon teil. Allein an den deutschen Schulen wurden fast 16.000 Briefe geschrieben. Unter allen Teilnehmer_innen haben wir einen Workshop mit Max Herre verlost - gewonnen hat die Anne-Frank-Schule in Raunheim:

Am letzten Tag des Briefmarathons kamen weltweit bereits 2,3 Millionen Briefe zusammen. Wir rechnen damit, dass es in diesem Jahr sogar noch mehr sind. Die genaue Zahl der weltweit versandten Briefe wird in Kürze hier bekanntgegeben.

Schon 2013 nahmen Hunderttausende Menschen aus 143 Ländern auf allen Kontinenten am Briefmarathon teil. Insgesamt wurden mehr als 2,3 Millionen Briefe, Faxe, E-Mails und SMS verschickt - das ist ein neuer Rekord! 99.296 Appelle kamen aus Deutschland, wo Amnesty-Gruppen mehr als 150 Aktionen in rund 100 Städten quer durch die Republik organisierten.

Der Einsatz zeigte Wirkung: In Russland kamen Vladimir Akimenkov und Mikhail Kosenko frei, die in Moskau friedlich gegen Präsident Wladimir ­Putin demonstriert hatten. Ebenfalls aus dem Gefängnis frei ­kamen Yorm Bopha, eine Aktivistin aus Kambodscha, die sich in Phnom Penh gegen Zwangsräumungen einsetzt, und Jabeur Mejri, ein junger Mann aus Tunesien, der wegen der Veröffent­lichung islamkritischer Artikel und Cartoons im Internet ver­urteilt worden war. Ohne den Einsatz vieler Menschen weltweit würden sie heute wohl immer noch im Gefängnis sitzen.

Je mehr Menschen beim Briefmarathon mitmachen, umso größer ist der Druck auf die Verantwortlichen. Einen einzelnen Brief, der auf die Einhaltung der Menschenrechte pocht, können sie vielleicht ignorieren. Doch Hunderttausende garantiert nicht.

Der Briefmarathon 2014 ist vorbei, doch wir brauchen Ihre Unterstützung für unsere aktuellen Aktionen!