Aktuell Russische Föderation 06. November 2013

Russland muss homophoben Überfall schnellstens aufklären

Die öffentliche Zurschaustellung homosexueller Beziehungen vor Jugendlichen ist in Russland verboten

Die öffentliche Zurschaustellung homosexueller Beziehungen vor Jugendlichen ist in Russland verboten

04. November 2013 - Die russischen Behörden müssen die Verantwortlichen eines homophoben Angriffs in St. Petersburg schnellstens ausfindig machen und vor Gericht bringen. Zwei Menschen waren dabei verletzt worden, einer von ihnen verlor sein Augenlicht auf einem Auge, so Amnesty International.

Laut Aktivisten aus St. Petersburg stürmten zwei maskierte, mit Luftgewehren und Baseballschlägern bewaffnete Männer am Sonntagabend das Büro der NGO LaSky, die HIV-positiven Homosexuellen Unterstützung anbietet. Der Angriff fand während eines wöchentlichen Treffens von jungen LGBTI-Personen und Heterosexuellen statt, mit denen gegenseitige Toleranz und Verständnis befördert werden sollen. An diesem Sonntag waren rund 25 bis 30 Menschen dort versammelt.

"Dieser neueste heimtückische Angriff ist ein weiterer trauriger Beweis für die aktuelle homophobe Atmosphäre in Russland. Wenn nichts unternommen wird, um diesem Hass entgegenzusteuern, wird das ein fruchtbarer Boden für weitere Gewalt sein," sagte Denis Krivosheev, stellvertretender Direktor für Europa und Zentralasien bei Amnesty International.

"Die russischen Behörden müssen alle Verantwortlichen dieser Gewalttaten ausfindig machen und strafrechtlich verfolgen. Präsident Wladimir Putin hat öffentlich versprochen, dass LGBTI-Aktivisten (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersexual) bei den bevorstehenden Olympischen Winterspielen in Sotschi willkommen seien. Doch solche Verspechen sind angesichts der aktuellen Hassverbrechen wenig überzeugend."

Anastasia Smirnova vom russischen LGBT-Netzwerk berichtete den Medien, dass die Polizei zwar am Tatort erschienen sei, ihn aber schnell wieder verlassen habe, da sie angeblich "keine Beweise für ein Verbrechen" vorgefunden habe. Amnesty International konnte heute jedoch zusammen mit einem lokalen LGBTI-Aktivisten bestätigen, dass zwei Menschen bei dem Überfall verletzt wurden, darunter ein Mann, der bei dem Angriff sein Augenlicht auf einer Seite verlor.

Berichten zufolge hat die St. Petersburger Staatsanwaltschaft nach dem Angriff Ermittlungen wegen "Rowdytums" eingeleitet.

"Dies war ein ernstzunehmender gewalttätiger Angriff, der zu schweren Verletzungen geführt hat und auch tödlich hätte enden können. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden und im vollen Ausmaß des Gesetzes strafrechtlich verfolgt werden," so Denis Krivosheev.

Der gewalttätige Überfall hat die gesamte LGBTI-Gemeinschaft in St. Petersburg und im ganzen Land schwer schockiert und laut einem Aktivisten die Angst, die in der LGBTI-Gemeinschaft der Stadt herrscht, noch weiter verschlimmert.

In diesem Jahr ist bereits ein vage formuliertes Gesetz in Kraft getreten, welches "Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen" unter Strafe stellt, sofern Jugendliche zugegen sind. Dieses Gesetz verletzt die Meinungs- und Versammlungsfreiheit von Mitgliedern der LGBTI-Gemeinschaft und vieler Menschen, die sich für deren Rechte einsetzen, und hat zu einer Welle von Gewalttaten durch Bürgerwehren im ganzen Land geführt. Amnesty International fordert deshalb die umgehende Abschaffung des Gesetzes.

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