Amerikas: Amnesty International fordert WM ohne Angst und Ausgrenzung
© Amnesty International
Amnesty International warnt, dass Millionen Fußballfans bei der FIFA-Weltmeisterschaft der Männer 2026 in Kanada, Mexiko und den USA erheblichen Menschenrechtsrisiken ausgesetzt sein werden. Besonders in den USA, wo drei Viertel der Spiele stattfinden, gefährden eine gewaltvolle und diskriminierende Einwanderungspolitik sowie Einschränkungen der Meinungsfreiheit und des Rechts auf friedlichen Protest das von der FIFA versprochene "sichere, einladende und integrative" Turnier.
Der neue Amnesty-Bericht "Humanity Must Win: Defending rights, tackling repression at the 2026 FIFA World Cup" zeigt umfassend, welche Risiken für Fans, Spieler, Journalist*innen und marginalisierte Gruppen bestehen.
Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, kritisiert:
"Die WM 2026 droht mehr Repression als Fußball zu liefern. Wer protestiert oder Kritik äußert, muss bei der Weltmeisterschaft mit Repression rechnen. Setzen sich die Razzien der US‑Einwanderungsbehörde ICE, die massenhaften Festnahmen und die Einreiseverbote fort, wird dieses Turnier zum Symbol staatlicher Einschüchterung. FIFA und Gastgeberstaaten müssen jetzt verbindliche Schutzmechanismen vorlegen, die allen Beteiligten eine WM ohne Angst und Ausgrenzung ermöglichen."
Menschenrechtsrisiken in WM-Gastgeberländern
Unter der Trump-Regierung verschärft sich ein menschenrechtlicher Notstand: massenhafte, willkürliche Festnahmen, ein Klima der Angst durch den Einsatz maskierter, bewaffneter ICE- sowie Zoll- und Grenzschutzbeamt*innen. Allein 2025 wurden über 500.000 Menschen abgeschoben – vielfach ohne ordnungsgemäßes Verfahren und unter Verletzung menschenrechtlicher Grundsätze. Für migrantische Communities in den USA, Fans aus aller Welt sowie die Spieler stellt die diskriminierende Einwanderungspolitik der USA eine akute Bedrohung dar.
Auch WM-Gastgeberstädte sind von den Einschränkungen der Rechte durch die US-Regierung betroffen. Präsident Trump hat im Juni 2025 als Reaktion auf Proteste gegen Razzien gegen Migrant*innen etwa 4.000 Soldat*innen der kalifornischen Nationalgarde unter Bundesbefehl gestellt und nach Los Angeles entsandt. Die Austragungsorte Dallas, Houston und Miami haben problematische Vereinbarungen unterzeichnet, wonach lokale Strafverfolgungsbehörden mit der US-Einwanderungsbehörde ICE zusammenarbeiten sollen, was Racial Profiling und die gezielte Verfolgung von Einwander*innen verstärkt.
Im Gastgeberland Mexiko wurden als Reaktion auf die hohe Gewalt 100.000 Sicherheitskräfte, darunter auch das Militär, mobilisiert, was die Risiken für Demonstrierende erhöht. Dazu gehören auch Aktivist*innen, die zum Eröffnungsspiel im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt eine friedliche Demonstration planen, um Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für das Verschwinden ihrer Angehörigen zu fordern. In Kanada gibt es Befürchtungen, dass Obdachlose vertrieben und weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Am 15. März schlossen die Behörden in Toronto eine Winter-Wärmestation, die Obdachlosen Schutz bot, da die Räumlichkeiten von der FIFA vorab gebucht worden waren.
Migration, Visarestriktionen und Überwachung erschweren Teilnahme am Turnier
Fans und migrantische Communities sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt:
- US-Behörden gehen gezielt gegen Menschen aus lateinamerikanischen, schwarzen, asiatischen und anderen nicht-weißen Bevölkerungsgruppen vor.
- Neue Einreiseverbote treffen Fans aus Côte d'Ivoire, Haiti, Iran und Senegal.
- Besucher*innen könnten zu Überprüfungen ihrer Social-Media-Konten gezwungen werden.
Bisher haben nur vier von 16 WM-Städten Menschenrechtspläne veröffentlicht – keiner davon enthält Schutzmaßnahmen gegen Missbrauch durch Einwanderungsbehörden.
Einschränkungen von Protest und Meinungsfreiheit
Weltmeisterschaften stehen oft im Mittelpunkt von Protesten, und es besteht die Gefahr, dass Demonstrationen unterdrückt werden. In allen drei Gastgeberländern wurden Demonstrationen zuletzt eingeschränkt:
- In den USA wurden insbesondere ausländische Studierende wegen Protesten gegen den Gaza-Krieg ins Visier genommen; es kam zu Tötungen durch Bundesbeamt*innen während Protesten gegen Einwanderungsmaßnahmen.
- In Kanada wurden friedliche Gaza-Proteste und Protestcamps polizeilich aufgelöst.
- In Mexiko protestierten Einwohner*innen gegen Infrastrukturprojekte, steigende Lebenshaltungskosten, Wasserknappheit und Gentrifizierung im Kontext der WM. Die militarisierte Sicherheitslage birgt weitere Risiken.
Mitglieder von LGBTI-Organisationen äußern zudem erhebliche Sicherheitsbedenken, bei der WM sichtbar teilzunehmen.
Hintergrund
Amnesty ist Teil der Sport & Rights Alliance, einem Netzwerk aus Fans, Sportler*innen, Communities und Menschenrechtsorganisationen, das die FIFA auffordert, wirksame Schutzmaßnahmen gemeinsam mit allen Gastgeberländern umzusetzen.