Amnesty Journal Südafrika 24. Juni 2020

Gestärkter Sinn für Solidarität

Eine schwarzhaarige Frau mittleren Alters, es ist Shenilla Mohamed, Direktorin der Amnesty-Sektion Südafrika, sitzt in einem Auto und lächelt.

Seit dem Lockdown im Home-Office: Shenilla Mohamed, Direktorin der Amnesty-Sektion Südafrika, während der Corona-Pandemie (Juni 2020).

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind weltweit unterschiedlich. Während die einen wieder in den Alltag zurückkehren wollen, sorgen sich andere um ihre Gesundheit. Das gilt auch für Südafrika, berichtet Shenilla Mohamed, Direktorin der dortigen Amnesty-Sektion.

Protokoll: Parastu Sherafatian

Wie viele andere Menschen arbeite ich seit dem öffentlichen Lockdown im Homeoffice. Das erschwert meine Arbeit, denn eine Organisation wie Amnesty dokumentiert Menschenrechtsverletzungen vor Ort, um zuverlässige Berichte zu erstellen. Die besonderen Umstände haben aber auch ihre positiven Seiten, denn sie ermöglichen uns einen anderen Blick auf unsere Arbeit. Die Pandemie fordert uns heraus, vorhandene Kanäle noch effektiver zu nutzen und neue Wege einzuschlagen.

Da wir jetzt nicht mehr den Dialog mit unseren Unterstützerinnen und Unterstützern auf der Straße suchen können, sind wir vermehrt online aktiv. Unsere zehn Hochschulgruppen haben besonders engagiert reagiert. Wir veranstalten Webinare und digitale Aktionen in den sozialen Medien, um unsere Community weiterhin zu erreichen. Unsere Online-Aktion "Turn on the tap" hat sehr großen Anklang gefunden. Sie hat darauf aufmerksam gemacht, dass ein Drittel der südafrikanischen Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat und es überall an sanitärer Infrastruktur fehlt.

Ich würde mir wünschen, dass uns der gestärkte Sinn für Solidarität erhalten bleibt und wir als bessere Gesellschaft aus der Krise hervorgehen.

Shenilla
Mohamed
Direktorin der Amnesty-Sektion Südafrika

Covid-19 hat viele Probleme verschlimmert, die bereits zuvor existierten. Unsere Aufgabe ist es auch in diesen Zeiten, als Watchdog für Menschenrechte zu wirken. Wenn die Regierung also angibt, sie habe 200.000 Wasserbehälter in ärmere Gegenden geliefert, dann überprüfen wir das genau und üben auf diese Weise Druck auf die Behörden aus. Dieser Aspekt unserer Arbeit hat sich durch die Pandemie nicht geändert.

Nach Corona möchte ich öfter von Zuhause aus arbeiten. Ich weiß jetzt, dass man auch dort produktiv sein kann. Außerdem gibt uns das die Möglichkeit, mehr Zeit mit unseren Liebsten zu verbringen und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Seit meine Kolleginnen, Kollegen und ich uns nicht mehr im Büro sehen, nehmen wir uns mehr Zeit, um über die Geschehnisse der Woche zu reflektieren und nach dem Befinden der anderen zu fragen. Ich würde mir wünschen, dass uns der gestärkte Sinn für Solidarität erhalten bleibt und wir als bessere Gesellschaft aus der Krise hervorgehen.

Dieser Artikel ist Teil einer Mini-Serie, in der wir über die Arbeitsbedinungen von Amnesty-Mitarbeiter_innen aus Indien, den USA, Südafrika und Brasilien berichten.

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