Amnesty Journal Vereinigte Staaten von Amerika 22. Juni 2020

Keine Abstriche bei Menschenrechten

Ein junger Mann mit Vollbart, es ist der Amnesty-Mitarbeiter Daniel Balson, trägt ein hellblaues Hemd und ein graues Sakko und blickt in die Kamera.

Den Kampf für die Menschenrechte auf die politische Agenda setzen: Daniel Balson, Amnesty-Mitarbeiter in Washington (2020).    

Bevor die antirassistischen Proteste begannen, standen bei Amnesty in den USA der Wahlkampf und die Pandemie im Vordergrund. Wie seine Arbeit in Zeiten von Corona aussieht, berichtet ­Daniel Balson.

Protokoll: Parastu Sherafatian

Seit drei Jahren arbeite ich für Amnesty International in Washington, dem politischen Zentrum des Landes. Meine Aufgabe besteht darin, auf politisch Verantwortliche einzuwirken, um sicherzustellen, dass Menschenrechte nicht vernachlässigt werden. Diese Arbeit umfasst viele persönliche Treffen, in denen ich die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger davon überzeuge, Seite an Seite mit Amnesty Stellung zu beziehen.

Mein Arbeitsalltag gestaltet sich derzeit anders als sonst. Ich stehe zwar immer noch früh auf und informiere mich über das politische Geschehen weltweit. Doch anstatt auf persönliche Treffen im Regierungsviertel Capitol Hill bereite ich mich nun auf Videokonferenzen vor. Einerseits ist es erfreulich, dass ich meine Arbeit von zu Hause aus fortsetzen kann. Da ich Beziehungen zu vielen Politikerinnen und Politikern aufgebaut habe, kann ich weiterhin den Kampf für die Menschenrechte auf die politische Agenda zu setzen. Andererseits galt die Aufmerksamkeit meiner Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner vor dem Tod von George Floyd vor allem der Corona-Krise.

Hinzu kommt, dass in diesem Jahr die Präsidentschaftswahl ansteht. Alles, was damit zu tun hat, wird verfolgt und dominiert die Nachrichten. Viele Menschen sorgen sich um ihre Gesundheit und achten darauf, wie die Präsidentschaftskandidaten mit der Corona-Krise umgehen. Damit die Menschenrechte Teil der Corona-Diskussion sind und bleiben, konzentrieren wir uns auf die Bildungsarbeit. Wir informieren sowohl die Wählerschaft als auch die Kandidaten über die wichtigsten Menschenrechtsthemen. Da der zukünftige US-Präsident die Menschenrechtslage beeinflussen kann, ist es uns wichtig, dass die Wählerinnen und Wähler dies bei ihrer Entscheidung berücksichtigen.

Bis zur Wahl im November haben wir noch ein wenig Zeit. In der Zwischenzeit werde ich weiterhin vom Home-Office aus arbeiten. Die Pandemie fordert mich heraus, kreativer und flexibler zu denken, und ich genieße es, mehr Zeit mit meiner dreijährigen ­Tochter verbringen zu können. Doch ich freue mich schon auf die Zeit, wenn ich wieder vor Ort in Capitol Hill sein kann.

Dieser Artikel ist Teil einer Mini-Serie, in der wir über die Arbeitsbedinungen von Amnesty-Mitarbeiter_innen aus Indien, den USA, Südafrika und Brasilien berichten.