Pressemitteilung Aktuell Äthiopien 21. Juli 2022

Äthiopien: Behörden müssen Massaker an Hunderten Amhar*innen in Tole untersuchen

Amnesty-Logo: Kerze umschlossen von Stacheldraht

Die äthiopischen Behörden müssen dringend eine unparteiische Untersuchung der Tötung von mehr als 400 amharischen Bewohner*innen von Tole in der Region Oromia einleiten. Das fordert Amnesty International nach der Befragung mehrerer Zeug*innen und der Auswertung von Satellitenfotos.

Bei dem Angriff am 18. Juni wurden Hunderte Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Nach Angaben von Überlebenden und Angehörigen der Opfer ist die Oromo-Befreiungsarmee (Oromo Liberation Army – OLA) für die Tötungen verantwortlich.

Clara Braungart, Äthiopien-Expertin bei Amnesty International in Deutschland, sagt: "Vor allem Frauen und Kinder, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, wurden Opfer dieses grausamen Massakers. Wir fordern, dass die äthiopischen Behörden die Tötungen unabhängig untersuchen und die Täter*innen zur Rechenschaft ziehen."

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Amnesty International hat zehn Personen befragt, darunter fünf Augenzeug*innen sowie Überlebende, Angehörige von Opfern und einen lokalen Behördenvertreter. Die Befragten berichteten übereinstimmend, dass Menschen gezielt getötet und Häuser in Brand gesetzt wurden. Auch zu Plünderungen sei es gekommen. Eine vom Crisis Evidence Lab von Amnesty International durchgeführte Analyse von Satellitenbildern bestätigte die Angaben, dass am 18. Juni in Dörfern in Tole Feuer ausbrachen.

Der Angriff begann am 18. Juni gegen 9 Uhr, als viele Erwachsene in der Gegend ihre Häuser verlassen hatten, etwa um auf den Feldern zu arbeiten. Dies berichteten neun Zeug*innen, die sich nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt in Tole oder in der Nähe aufhielten. Gemäß ihren Aussagen waren die Dörfer in der Gegend von OLA-Kräften umstellt worden. Dann habe es einen Schuss als Startsignal für den Angriff gegeben.

An einem Ort haben sie 42 Menschen auf einmal getötet. Darunter war nur ein erwachsener Mann, der Rest waren Frauen und Kinder.

Hussein
ein 64-jähriger Angehöriger von Opfern des Angriffs (Name aus Sicherheitsgründen geändert)

Den Zeug*innen zufolge waren einige der Bewohner*innen, die in den Dörfern geblieben waren, bewaffnet. Sie waren den OLA-Kämpfer*innen jedoch zahlenmäßig unterlegen und nicht in der Lage, sich zu verteidigen. Die meisten der Getöteten waren unbewaffnete Frauen und Kinder. Die Zeug*innen sagten, sie hätten die Angreifer*innen als OLA-Kämpfer*innen erkannt, da sie die charakteristischen langen geflochtenen Haare und militärische Tarnkleidung getragen und Oromiffa gesprochen hätten. Ihnen zufolge ist die OLA bereits seit mindestens vier Jahren in der Region aktiv. Nach Angaben eines lokalen Behördenvertreters kamen bei dem Angriff mindestens 450 Menschen ums Leben.

Hussein (Name aus Sicherheitsgründen geändert), ein 64-jähriger Angehöriger von Opfern des Angriffs, erzählte Amnesty International, er habe bei dem Angriff 22 Angehörige verloren. Er sei um sein Leben gerannt, als die Schüsse begannen, während Frauen und Kinder daheim geblieben seien, in dem Glauben, dort sicher zu sein. Er sagte: "An einem Ort haben sie 42 Menschen auf einmal getötet. Darunter war nur ein erwachsener Mann, der Rest waren Frauen und Kinder. Wir haben ihre Leichen übereinander liegend vorgefunden. Unter den Toten waren auch Neugeborene. Von den 42 Toten waren 22 meine Kinder oder Enkel."

 

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