Buchrezension: Der barfüßige Anwalt
Chen Guancheng: Der barfüßige Anwalt
© Rowohlt
Er setzte sich gegen die Ein-Kind-Politik in China ein, gegen Zwangssterilisation und Abtreibung und wurde mit Hausarrest und vier Jahren Haft sanktioniert. 2012 gelang ihm die spektakuläre Flucht in die US-Botschaft. Jetzt hat Bürgerrechtler Chen Guangcheng ein Buch über seine Erfahrungen verfasst.
"Als mir Weijing die Briefe vorlas, fühlte ich mich gestärkt durch den Trost, den mir so viele Menschen spendeten." Es ist ein expliziter Dank, den der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng in seinem Buch "Der barfüßige Anwalt" an all jene Amnesty-Unterstützer richtet, die ihm schrieben, als er inhaftiert war. Er musste 43 Monate im Gefängnis sitzen, bevor seine Ehefrau Weijing ihm die Briefe vorlesen konnte, eineinhalb Jahre verschärfter Hausarrest sollten folgen. So bestraft der chinesische Staat seine Kritiker. Seine Schilderung der Haftbedingungen sind persönlich, ein detailliertes Bild des chinesischen Gefängnissystems lieferte Liao Yiwu in "Für ein Lied und hundert Lieder". Chen, der seit 2012 in den USA lebt, erblindete als Kind, konnte erst spät eine Schule besuchen und bildete sich autodidaktisch zu einem der "barfüßigen Anwälte" fort – so bezeichnet man in China Menschen vom Land, die ohne ein Jurastudium Rechtskenntnisse erwerben. Er setzte sich für die missachteten Rechte von Behinderten ein, später auch gegen die Bevölkerungspolitik. Aus dem Hausarrest konnte er im Jahr 2012 in die US-Botschaft in Peking fliehen, wegen des großen öffentlichen Interesses ließ China ihn mit seiner Familie schließlich ausreisen. Chens gut zu lesendes Buch zeigt eindrücklich, wie weit die Macht der chinesischen KP reicht und wie man sich ihr entziehen kann.
Text: Maik Söhler