Aktuell Jordanien 26. August 2013

Jordanien: Syrischen Flüchtlingskindern wird die Einreise verweigert

Unter den syrischen Flüchtlingen, denen die Einreise nach Jordanien verweigert wurde, sind auch Familien mit Kindern

Unter den syrischen Flüchtlingen, denen die Einreise nach Jordanien verweigert wurde, sind auch Familien mit Kindern

19. August 2013 - Die jordanischen Behörden dürfen niemandem, der vor dem Bürgerkrieg im benachbarten Syrien auf der Flucht ist, die Einreise verweigern, forderte Amnesty International, nachdem in den vergangenen Tagen auch Familien mit kleinen Kindern unter jenen waren, die an der Grenze aufgehalten wurden.

"Die jordanischen Behörden müssen einen sicheren und diskriminierungsfreien Zugang nach Jordanien für alle diejenigen gewährleisten, die Schutz suchen", sagte Said Boumedouha, geschäftsführender Direktor des Programms für den Nahen Osten und Nordafrika der Amnesty International Zentrale in London.

"Personen, die aus Syrien fliehen, sollte die Einreise keinesfalls (auch nicht nur vorübergehend) verweigert werden, da dies lebensgefährlich ist. Jordanien ist völkerrechtlich verpflichtet, sicherzustellen, dass seine Grenzen Flüchtlingen offen bleiben."

Wie Amnesty erfahren hat, wird der syrischen Staatsbürgerin Amina* und ihren sechs Kindern seit Mittwoch, dem 14. August 2013, die Einreise nach Jordanien am offiziellen Grenzübergang Nasib verweigert. Jordanische Grenzbeamte händigten ihnen Einreisevisa aus und erklärten gleichzeitig, dass sie erst in einem Monat einreisen dürften. Sie stempelten ihre Pässe mit: "Return in one month”(„Kommen Sie in einem Monat zurück“).

Berichten zufolge wurden auch andere Familien zurückgeschickt; sowohl in Nasib als auch an anderen Grenzübergängen.

Amina und ihre Familie konnten nicht in ihre kleine Heimatstadt Dera'a al-Hara zurückkehren, da sie von syrischen Regierungstruppen angegriffen und belagert wurde. So stecken sie seit dem 14. August 2013 im Niemandsland zwischen den Grenzübergängen von Jordanien und Syrien fest.

"Wir haben kein Wasser, kein Brot und sind gezwungen, auf der Straße mit etwa hundert anderen Familien zu schlafen", sagte Amina.
Die Familie kämpft ums Überleben. Sie essen das Obst umliegender Bäume.
Amina berichtete Amnesty International, ihr Zuhause sei von einer Rakete getroffen worden. Andere Bewohner von al-Hara Dera’a sagten, dass dutzende Leichen auf den Straßen der Stadt lägen. Sicherheitskräfte hätten den wenigen noch verbliebenden Einwohnern verboten, sie zu beerdigen.

Die Stadt ist süd-westlich von Dera'a gelegen. Im März 2011 begannen dort Massenproteste gegen den Präsident Bashar al-Assads, die mit übermäßiger und tödlicher Gewalt durch die Sicherheitskräfte bekämpft wurden.

Seit einigen Monaten hat Jordanien bestimmten Gruppen, einschließlich palästinensischen und irakischen Flüchtlinge aus Syrien, Menschen ohne Ausweispapiere und auch einzelnen männlichen Flüchtlingen, die Einreise verweigert.
Die neue Entwicklung, auch Syrern mit gültigen Pässen die Einreise zu verweigern, könnte auf eine Verhärtung der Position der jordanischen Regierung hindeuten. Außerdem verdeutlicht sie den zunehmenden Verdruss Jordaniens, bisher eine halbe Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen zu haben ohne dass ein Ende der Krise nicht in Sicht wäre.

Der Zustrom von Flüchtlingen belastet auch zunehmend die jordanische Infrastruktur. So erhöhte sich in der Folge vor allem der Bedarf an Wasser, Strom, Wohnungen, Schulen und Lebensmittel. Einige Wohngebiete haben Schwierigkeiten mit der Unterbringung der besonders großen Anzahl an Flüchtlingen. Darüberhinaus sind weite Teil der Bevölkerung zunehmend frustriert, da die Mieten und die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt gestiegen sind.

„Unabhängig von den knapper werdenden Ressourcen haben die jordanischen Behörden immer noch die Verpflichtung, sicherzustellen, dass jeder Flüchtling Zugang zu ihrem Territorium und zu Sicherheit hat", sagte Said Boumedouha.
„Entscheidend ist, dass die internationale Gemeinschaft Jordanien und die weiteren Aufnahmeländer für syrische Flüchtlinge finanziell und technisch unterstützt, so dass sie einen angemessenen Schutz und Hilfestellungen für die Flüchtlinge bereitstellen können.“

*Name geändert.

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