Aktuell Ägypten 27. September 2011

Flüchtlinge in Nordafrika: Jetzt muss Europa handeln!

Rund 5000 Flüchtlinge harren nach wie vor in Flüchtlingslagern in Tunesien und Ägypten aus.

Rund 5000 Flüchtlinge harren nach wie vor in Flüchtlingslagern in Tunesien und Ägypten aus.

28. September 2011 - Der Konflikt in Libyen zwang hunderttausende Menschen zur Flucht in die Nachbarstaaten. Darunter Flüchtlinge und Asylsuchende aus Somalia, Eritrea, Äthiopien dem Sudan und vielen anderen Staaten, die in Libyen lebten oder das Land als Transitland durchquerten. Rund 5000 von ihnen harren nach wie vor unter elenden Bedingungen in Flüchtlingslagern in Tunesien und Ägypten aus. Sie können wegen drohender Verfolgung oder Gefahr für Leib und Leben nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren.

"Hier gibt es kein Leben"

So die 65-Jährige Amina aus Somalia, die mit ihrer Tochter und sechs Monaten alten Enkeltochter im März aus Tripolis in das tunesische Flüchtlingslager Choucha kam. Amina ist seit mehr als 16 Jahren auf der Flucht. Sie leidet unter Diabetes und einer alten Verletzung, bei ihrer Tochter Nadifa wurde ein Loch im Herzen sowie Asthma diagnostiziert. "Ich habe 20 Jahre gewartet", sagte Amina Amnesty International, "muss ich noch einmal 20 Jahre warten? Hier gibt es kein Leben".

Die 29-Jährige Meron Abebe* aus Äthiopien war im achten Monat schwanger, als Amnesty International sie an dem ägyptischen Grenzposten Salloum traf. Sie musste aus ihrem Heimatland fliehen, nachdem ihr Vater nach der Parlamentswahl 2005 inhaftiert wurde. Nach drei Jahren als Hausangestellte im sudanesischen Khartoum hörte sie Gerüchte, dass die sudanesische Regierung mit der Abschiebung von Äthiopiern begonnen habe, und floh nach Libyen. Dort war sie zunächst monatelang wegen illegaler Einreise inhaftiert. Anschließend fand sie Arbeit als Reinigungskraft. Nach Beginn des Konflikts sei die Behandlung von Ausländern aus Subsahara-Afrika jedoch schlechter geworden. Sie sei zusammen mit ihrem Mann geflohenen, nachdem ihr aus dem Tschad stammenden Vermieter gewaltsam von Libyern attackiert wurde. Inzwischen wurde Meron Abebe formal als Flüchtling anerkannt. "Es wäre gut, wenn wir in diesen schwierigen Zeiten Hilfe bekommen könnten", sagte sie. "Wenn ich hier sterbe, hätte ich ebenso gut in Benghazi bleiben können."

Einzige Lösung: Neuansiedlung in einem Drittland

Einzig mögliche dauerhafte Lösung für die in Tunesien und Ägypten gestrandeten Flüchtlinge ist die Neuansiedlung in einem Drittland (Resettlement). Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, schutzbedürftige Flüchtlinge aus den Flüchtlingslagern in Tunesien und Ägypten aufzunehmen. Die Reaktion gerade der EU-Staaten auf diese Krise vor den Toren Europas ist jedoch beschämend. Sie haben bisher wenig Bereitschaft zur Hilfe gezeigt. Lediglich sieben EU-Mitgliedsstaaten boten bisher insgesamt weniger als 400 Aufnahmeplätze an. Deutschland ist nicht darunter.

Die in Tunesien und Ägypten gestrandeten Flüchtlinge werden zunehmend verzweifelt. Flüchtlinge gehen sogar zurück nach Libyen, um die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa zu wagen. Die Schaffung zusätzlicher Resettlement-Plätze und eine Beschleunigung der Verfahren sind auch deswegen dringender denn je.

Online-Aktion: Werden Sie aktiv!

Auch Deutschland muss handeln und Flüchtlinge aus Nordafrika aufnehmen!

Schreiben Sie eine E-Mail an Bundesinnenminister Friedrich und fordern Sie die Regierung zum Handeln auf!

Fotos: Gestrandete Flüchtlinge in Nordafrika: Aufnehmen statt abwehren

Aktion vor dem Bundesinnenministerium in Berlin am 28.09.2011

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