Amnesty Journal Deutschland 01. November 2019

"Wir halten unsere Nachbarschaft sauber"

Ein Mann in blauem T-Shirt sprüht etwas an eine Wand.

 Der Berliner Graffitikünstler Ibo Omari von PaintBack bei der Arbeit.

Ibo Omari aus der Berliner Graffiti-Szene hat mit »PaintBack« eine Initiative gegründet, die rassistische Schmierereien aus dem Stadtbild verschwinden lässt. Inzwischen hat das Konzept international Nachahmer gefunden. Für das Amnesty Journal erklärt er, wie aus Hakenkreuzen weltoffene Kunst wird.

Protokoll: Uta von Schrenk

Nur weil jemand eine Spraydose in die Hand nimmt, kommt da noch lange kein Graffito bei raus. Auf dem Spielplatz hier um die Ecke hatte jemand vor ein paar Jahren ein riesiges Hakenkreuz an die Mauer geschmiert. Wir haben dann in unserem Kulturverein überlegt, dagegen ein Zeichen zu setzen: Wir nehmen Rassismus in unserem Kiez persönlich! Also haben wir mit befreundeten Künstlern das Hakenkreuz überformt, wenn man so will. Das war 2013, der Anfang von PaintBack.

Knapp 50 bombastische Hakenkreuze haben wir inzwischen in Graffiti verschwinden lassen. Die meisten in unserer näheren Umgebung in Berlin-Schöneberg. Klar haben wir uns damit nicht nur Freunde gemacht. Gerade in Internet-Foren gab es üble Kommentare von rechts. Was wir gegen das Symbol des Sonnenrads hätten oder ob wir Linksfaschisten seien und so. Dazu kann ich nur sagen: Wer solche Idioten ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn es immer mehr werden.

PaintBack funktioniert so: Etablierte Graffitikünstler aus Berlin entwickeln zusammen mit Kindern und Jugendlichen ein Motiv, um einem Hakenkreuz eine neue Gestalt zu geben. Das hat mehrere Vorteile: Für die Kinder ist es eine tolle Sache, mit jemandem wie POET 73, Kosem von NFK, GRAB oder MODE2 zusammenarbeiten zu können. Und die Motive werden dadurch so einfach gehalten, dass sie leicht zu imitieren sind. So kann jeder, der ein Hakenkreuz sieht, zur Sprühdose greifen.

Wir haben inzwischen viele Nachahmer – in Süddeutschland, in Italien, in Spanien. Die New York Times hat über uns berichtet, das Art Magazin, die Cosmopolitan. Super, denn wir hätten gar nicht die Mittel, international tätig zu sein oder auf uns aufmerksam zu machen. Wir, »Die kulturellen Erben«, sind nur ein kleiner Kiezverein. Wir sind Graffitikünstler, die ihre Nachbarschaft sauber halten.

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