Amnesty Journal 30. September 2025

Filmfestival Nürnberg: Kunst, die berührt

Eine Frau im Getümmel vor einem Flughafen, sie trägt Mantel, Kapuze und im einen Arm ein Laptop während sie dabei mit der anderen Hand telefoniert.

Szene aus dem Film "My Undesirable Friends: Part I – Last Air in Moscow"

Am 15. Oktober beginnt das Menschenrechtsfilmfestival in Nürnberg, das auch in diesem Jahr Glanzpunkte engagierter Filmkunst zeigt.

Von Jürgen Kiontke

Alle zwei Jahre findet Deutschlands größtes und ältestes Menschenrechtsfilmfestival statt – das Nuremberg International Human Rights Filmfestival, auch bekannt unter der eingängigen Abkürzung "NIHRFF". Bei der diesjährigen 14. Ausgabe werden vom 15. bis 22. Oktober rund 40 Filme gezeigt. Das Festival setzt drei Themenhighlights, die von Podiumsdiskussionen begleitet werden: Gerechtigkeitsfragen, Pressefreiheit und Klimawandel.

Der Dokumentarfilm "Splitter aus Licht" (D/DK/UKR 2025), der sich mit russischen Kriegsverbrechen in Butscha/Ukraine beschäftigt, wird in Nürnberg seine Premiere feiern. Unter dem Titel "Wie sieht Gerechtigkeit aus? Eine Betrachtung aus der Perspektive des Völkerstrafrechts" diskutieren Filmemacher wie Mila Teshaeva mit Völkerrechtlern.

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Die Freiheit der Presse thematisiert "My Undesirable Friends: Part I – Last Air in Moscow" (USA 2024), der die Arbeit einer Gruppe von Journalistinnen in Moskau bis zu ihrer Flucht verfolgt. Für die Zuschauer*innen ist dies ein durchaus herausforderndes Unterfangen, denn der Film dauert länger als fünf Stunden. Das Festival kooperiert beim Thema Pressefreiheit mit Amnesty International: Regisseurin Julia Loktev und ihre Protagonistin Anna Nemzer diskutieren mit Paula Zimmermann, Amnesty-Expertin für Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

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Mit "The Battle for Laikipia" (KEN/GR/US 2024) bringt das Festival das dritte Thema auf Leinwand und Bühne: soziale Veränderungen angesichts der Klimakrise, gezeigt am Beispiel des kenianischen Hochlands. Dort führen lang anhaltende Dürreperioden zu Wasserknappheit, die wiederum für Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen sorgt. Karin Zennig, Expertin für Klimagerechtigkeit von Medico International, wird darüber mit Dozentin Oluwatoyin Adejonwo von der juristischen Fakultät der Universität Lagos sprechen.

Darüber hinaus hat das Festival Werke aus vielen weiteren Ländern im Programm – von Thailand über Syrien bis Südafrika. Für das politische Kino ist Nürnberg ein wichtiger Faktor, sagt Festival-Leiterin Andrea Kuhn: "Die Filmemacher stehen vor großen Herausforderungen, die Filme in die Kinos zu bringen, insbesondere wenn keine Verleihförderung vorhanden ist." Die Zuschauerzahlen für Dokumentarfilme seien gesunken, was den Vertrieb zusätzlich erschwere.

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Breites Angebot für Schulen

Bei der Auswahl stehen für Kuhn emanzipative Bestrebungen im Vordergrund – also Menschen, die sich gegen staatliche, ethnische oder gesellschaftliche Repression positionieren, wie etwa die Protagonistinnen im Film "The Visual Feminist Manifesto" (SYR u. a. 2025)der sich mit Frauenrechten und homosexueller Selbstbestimmung in Syrien auseinandersetzt. Filme wie dieser entstehen unter erschwerten Bedingungen. Wer in Kriegs- und Krisengebieten dreht, riskiert viel. Die extremen Bedingungen, unter denen viele der Werke entstehen, tragen zu ihrem cineastischen Wert bei.

Kuhn wünscht sich daher auch nichts mehr, als dass die Nürnberger Schau ihr Publikum findet. Außer dem regulären Festivalprogramm gibt es auch wieder ein breites Angebot für Schulen – ein Format, das besondere Aufmerksamkeit verdient. Kuhn berichtet von emotionalen Momenten, wenn sich Schüler*innen etwa in Filmen zum Thema Flucht wiedererkennen: "Es kommen junge Menschen ins Kino, die über dieselben Fluchtrouten nach Deutschland gekommen sind, wie sie in unseren Filmen zu sehen sind."

Authentische Momente wie diese machen dieses familiäre und zugleich weltläufige Festival zu einem berührenden Ereignis. Nichts wie hin!

Nuremberg International Human Rights Film Festival, 15. bis 22. Oktober 2025. Mehr Infos unter www.nihrff.de, Karten: 8 Euro, ermäßigt 7 Euro.

Mehr Infos zur Podiumsdiskussion zum Thema "Pressefreiheit in Russland und Europa" mit Paula Zimmermann, Expertin für Meinungs- und Versammlungsfreiheit bei Amnesty International in Deutschland gibt es hier.

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