Sportswashing im Profifußball: Der FC Bayern, Ruanda und die Vereinigten Arabischen Emirate
"Katar oder Ruanda – Hauptsache scheinheilig": Fantransparent bei einem Auswärtsspiel des FC Bayern München (Mönchengladbach, September 2023)
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Im Profifußball sehr erfolgreich, in der Auswahl seiner Werbepartner allerdings kritikwürdig: Der FC Bayern München kooperiert mit Ruanda und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Von Martin Krauß
Der FC Bayern München wollte im August 2025 etwas klarstellen und wandte sich an die Öffentlichkeit. In Teilen der Berichterstattung sei der Eindruck entstanden, der deutsche Fußballmeister habe seine Partnerschaft mit dem Rwandan Development Board (RDB) beendet. Das sei falsch. Die Zusammenarbeit mit der Behörde, die die wirtschaftliche Entwicklung Ruandas vorantreiben möchte, gehe sehr wohl weiter.
Tatsächlich hatten in Deutschland einige Medien vorschnell ein Ende der Kooperation vermutet, nachdem der FC Bayern München das Ende einer 2023 begonnenen Werbeaktion verkündet hatte. Im Zuge der Kampagne waren die Spieler mit dem Schriftzug "Visit Rwanda" aufgelaufen und hatten damit für den autokratisch regierten ostafrikanischen Staat geworben. Auch andere europäische Fußballklubs wie Paris Saint-Germain oder Arsenal FC hatten solche Werbeverträge abgeschlossen.
Zwangsarbeit, sexualisierte Gewalt, Tötungen von Zivilpersonen
Die Kooperation ist vor dem Hintergrund des seit vielen Jahren zwischen Ruanda und seinem Nachbarland, der Demokratischen Republik Kongo, schwelenden Konflikts, der seit 2022 erneut eskaliert ist, in die Kritik geraten. Die UNO und andere internationale Akteure werfen Ruanda vor, die Miliz M23 militärisch zu unterstützen, die Gebiete im Osten der DR Kongo erobert hat und dort für Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsarbeit, sexualisierte Gewalt und Tötungen von Zivilpersonen verantwortlich ist ("Immer mehr Belege für Mord und Folter", Amnesty Journal 04/25). Viele Regierungen sanktionierten daraufhin die ruandische Regierung. Im Juni 2025 kam es zu einem von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenstillstand. Doch ein Truppenabzug oder die Entwaffnung der M23 lassen auf sich warten.
Gegen den Werbedeal des FC Bayern München hatte es Proteste gegeben, doch die Führung des Fußballklubs wies die Vermutung zurück, sie habe auf Kritik von Menschenrechtsorganisationen reagiert. Vielmehr habe man sich entschieden, "den kommerziellen Teil der bisherigen Vereinbarung ('Visit Rwanda') in einen reinen Fördervertrag über Jugendfußball zu überführen".
Jan-Ulrich Dittmer, Amnesty-Experte für die Region der Großen Seen sagt, man müsse die Tourismuskampagne "Visit Rwanda" differenziert betrachten: "Wir müssen unterscheiden zwischen legitimer Wirtschaftspolitik und Sportswashing." Als Sportswashing bezeichnet man Anstrengungen autoritärer Regierungen, sich mit der positiven Ausstrahlung von Sportveranstaltungen reinzuwaschen. "Sponsoring ist an sich nicht illegitim", erklärt Dittmer, und dass ein Land wie Ruanda auf Geschäfts- und Freizeittourismus setze und dafür werbe, sei "menschenrechtlich an sich unproblematisch". Problematisch würden die Kampagnen allerdings dann, wenn sie von Menschenrechtsverletzungen ablenken sollen, die die ruandische Regierung im eigenen Land oder beispielsweise im Osten der DR Kongo begeht. "Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass die 'Visit Rwanda'-Kampagne ein solches Ziel verfolgt", sagt Dittmer. "Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dies das primäre Ziel der ruandischen Regierung hinter dieser Kampagne war, denn vor der Kooperation mit dem FC Bayern München und dem Arsenal FC war das internationale Image Ruandas in den Augen der breiten Bevölkerung neutral bis gut. Nur die wenigsten Menschen wussten über Menschenrechtsverletzungen in Ruanda und in der DR Kongo Bescheid. Erst mit dem Sportsponsoring kam ein negativer Backlash."
Dittmer hält es für problematisch, dass nicht sichergestellt werden kann, ob die Sponsoringgelder aus menschenrechtlich unproblematischen Quellen stammen: "Für den FC Bayern München gilt gemäß der UN-Richtlinien für Wirtschaft und Menschenrechte eine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht. Der Verein muss also sicherstellen, dass die Sponsoringeinnahmen, die er erhält, menschenrechtskonform erwirtschaftet wurden. Amnesty International ist nicht bekannt, dass der FC Bayern München seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist und entsprechende Überprüfungen durchgeführt hat. Entsprechende Nachfragen wurden wiederholt ignoriert. Es besteht daher die Gefahr, dass die Sponsoringmittel im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen stehen."
Zunächst schien es so, als habe die Kritik den FC Bayern München beeindruckt, auch wenn er sich nicht öffentlich dazu äußern möchte. Noch im Februar 2025 sagte der Vorstandsvorsitzende des Clubs, Jan-Christian Dreesen, der Deutschen Welle: "Ich habe persönlich vor zwei Tagen zwei Mitarbeiter nach Ruanda geschickt, um sich ein eigenes Bild von der Situation zu machen." Doch über die Erkenntnisse vor Ort schweigt der FC Bayern München. Dass die im August verkündete Entscheidung, auf Trikots mit "Visit Rwanda" zu verzichten, mit einem Bericht der Mitarbeiter zu tun hat, lässt sich nur vermuten. Es könnte aber auch sein, dass der Geldgeber Ruanda mit der Wirkung der Werbeaktion unzufrieden war.
Michael Ott nimmt an, dass die menschenrechtliche Kritik eine entscheidende Rolle gespielt hat. Er ist Mitglied des FC Bayern und hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach kritisch zu Wort gemeldet. "Mein Eindruck ist, dass sich im Lauf der Zeit die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass das ein ernstes Thema ist", sagt er. "Das ist vielleicht auch eine Lehre aus der Beschäftigung mit Katar." Vor dem Sponsoring durch Ruanda hatte der FC Bayern Werbung für die Fluggesellschaft Qatar Airways gemacht, die zu 100 Prozent dem Staat Katar gehört. Die Verbindung des Clubs zu dem Emirat hat eine lange Geschichte: Von 2011 bis 2024 fanden die Wintertrainingslager in Katar statt.
Auf Katar folgen die Vereinigten Arabischen Emirate
Michael Ott hatte gemeinsam mit anderen Fans jahrelang gegen den Katar-Deal opponiert und wurde deshalb sogar von Uli Hoeneß beleidigt. "Ihr Auftritt war peinlich", sagte der Ehrenpräsident des Clubs auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München 2022 zu Ott: "Das ist der Fußballclub Bayern München und nicht die Generalversammlung von Amnesty International." Dass sich der Verein aus dem anrüchigen Ruanda-Geschäft zurückziehe, habe ihn "positiv überrascht", sagt Ott. "Aber quasi gleichzeitig wurde ein neuer Deal bekannt gemacht – mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Da bleibt man ratlos zurück."
Die VAE gelten als Unterstützer der RSF-Milizen, die im Sudan für Massaker verantwortlich sind. Für seine Kritik an diesen Geschäftsbeziehungen wurde Ott von den Bayern-Granden ebenfalls verhöhnt. "Herr Ott, schön, Sie wieder zu sehen", rief ihm Jan-Christian Dreesen auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung unter Applaus zu. "Ich habe Sie letztes Jahr vermisst, vielleicht waren Sie ja im Urlaub, hoffentlich keine Flugreise." Hämisches Gelächter, Pfiffe und Buhrufe waren die Folge. Ott wertet sie als Beispiel dafür, "wie Sportswashing wirkt".
Martin Krauß ist freier Journalist. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung von Amnesty International wieder.