Aktuell Myanmar 07. Februar 2018

Ausgehungert, verschleppt und ausgeraubt

Menschen laufen hintereinander an einem Bach entlang

Hunderttausende Rohingya flohen 2017 vor der Gewalt in Myanmar nach Bangladesch

Die ethnischen Säuberungen an den Rohingya in Myanmars nördlichem Bundesstaat Rakhine sind noch lange nicht vorbei – das zeigen neue Amnesty-Recherchen. Das Militär hungert die Rohingya aus, verschleppt Frauen und Mädchen und beraubt Menschen auf der Flucht.

Amnesty International hat neue Beweise veröffentlicht für Menschenrechtsverletzungen in Myanmar, die Hunderte Menschen in den vergangenen Wochen zur Flucht gezwungen haben.

"Die Sicherheitskräfte in Myanmar haben ein festverwurzeltes Muster von Misshandlungen entwickelt, um stillschweigend so viele Rohingya wie möglich aus dem Land zu zwingen. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht endlich wirksame Schritte unternimmt, werden die ethnischen Säuberungen unvermindert weitergehen", sagt Matthew Wells, Krisenexperte bei Amnesty International, der gerade von einem Einsatz in Cox Bazar in Bangladesch zurückgekehrt ist.

Ende Januar befragte Amnesty International 19 Männer und Frauen der Rohingya in Bangladesch, die gerade erst in den Flüchtlingslagern angekommen waren. Sie hatten die ethnischen Säuberungen durch das Militär im Spätsommer und Herbst 2017 überlebt und ausgeharrt, in der Hoffnung, dass sich die Situation vor Ort verbessern würde. Die befragten Männer und Frauen schilderten, dass sie flüchten mussten, weil das Militär die verbleibenden Rohingya aushungert und Frauen und Mädchen verschleppt. Auf der Flucht wurden sie vom Militär ihrer letzten Habseligkeiten beraubt. Humanitäre Organisationen haben im Dezember und Januar Tausende Neuankömmlinge in Bangladesch registriert – und noch immer kommen täglich Menschen über die Grenze.

"Das Militär in Myanmar kommt mit diesen Verbrechen gegen die Menschlichkeit davon, weil es alles abstreitet und diese Lügen auch noch von offizieller Seite gedeckt werden. Es wird alles getan, damit unabhängige Beobachterinnen und Beobachter nicht in die Gegend reisen können", sagt Wells.

Die fortwährende Unterdrückung der Rohingya hat das Ziel, den nördlichen Bundesstaat Rakhine für sie unbewohnbar zu machen.

Im Oktober 2017 veröffentlichte Amnesty International einen ausführlichen Bericht über die brutale Gewaltkampagne des Militärs, die seit Ende August 2017 688.000 Rohingya zur Flucht gezwungen hat.

Im November 2017 dokumentierte Amnesty International die jahrelange systematische Diskriminierung und Ausgrenzung der Rohingya, die einem System der Apartheid gleichkommt.
 

Mehr dazu