Aktuell Ukraine 25. November 2025

Friedensplan für Russlands Krieg gegen die Ukraine: Menschenrechte und Gerechtigkeit müssen im Mittelpunkt stehen!

Rettungskräfte tragen ein kleines Kind aus einem Haus. Im Hintergrund lodert Feuer.

Rettungskräfte tragen in der ukrainischen Stadt Charkiw nach einem russischen Luftangriff ein Kind aus einem Gebäude (19. November 2025).

Luftangriffe auf Wohngebäude mit Raketen, Bomben und Drohnen, Verschleppungen, Misshandlungen und außergerichtliche Hinrichtungen: Seit dem Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die gesamte Ukraine haben russische Truppen unzählige Kriegsverbrechen begangen. Die Ukraine setzt sich seit Februar 2022 gegen die russischen Angriffe erbittert zu Wehr. Bisher hat der Krieg insgesamt hunderttausende Menschenleben gekostet. Zurzeit wird der Entwurf eines von den USA unterstützten "Friedensplans" zur Beendigung des russischen Angriffskriegs von mehreren Staaten intensiv diskutiert. Amnesty mahnt an, dass ein Friedensabkommen nicht zu Lasten der betroffenen Menschen in der Ukraine gehen darf.

Laut Medienberichten schreiten die Gespräche über ein mögliches, von den USA vermitteltes "Friedensabkommen" zwischen der Ukraine und Russland weiter voran. Zwar wurden keine Einzelheiten offiziell bekannt gegeben, doch die Ukraine wird anscheinend enorm unter Druck gesetzt.

Sowohl einige der vorgeschlagenen Bedingungen als auch offizielle Aussagen deuten darauf hin, dass die Ukraine Gebietsabtretungen an Russland und einer Amnestie für alle am Krieg Beteiligten zustimmen soll. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass auch über die Freilassung von Gefangenen verhandelt wird. Doch entsprechende Informationen sind spärlich.

Mehrere Rettungskräfte stehen um eine ältere Frau herum. Einer von ihnen hält ihre Hand. Sie alle sind von Dunkelheit umgeben.

Rettungskräfte führen in der ukrainischen Stadt Charkiw eine Frau aus einem Gebäude, das von einer russischen Drohne getroffen wurde (19. November 2025).

Was fordert Amnesty International? 

Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International, kommentierte die laufenden Verhandlungen folgendermaßen:  

"Uns erreichen täglich dramatische Berichte aus der Ukraine, die das anhaltende Leid der dortigen Bevölkerung bezeugen. Und trotzdem beweisen die Ukrainer*innen angesichts der durch Russland verübten Verbrechen weiter Mut und Widerstandskraft. 

Jede glaubwürdige Aussicht auf ein Ende des russischen Angriffskrieges ist willkommen. Ein dauerhaftes Ende der Kämpfe darf jedoch nicht um jeden Preis erreicht werden – vor allem dann nicht, wenn der Preis für das Schweigen der Waffen Amnestie und Straflosigkeit für die Angreifer wäre, die Verbrechen unter dem Völkerrecht begangen haben, oder ein Kompromiss bei den Grundprinzipien der regelbasierten Ordnung. 

Amnesty International fordert die Verhandlungsparteien auf, dafür zu sorgen, dass die Menschenrechte und Gerechtigkeit für die Betroffenen im Mittelpunkt eines jeden Abkommens stehen. Niemand darf infolge eines Friedensabkommens unter weiteren Menschenrechtsverletzungen leiden, alle anhaltenden Menschenrechtsverletzungen müssen sofort beendet werden und die Opfer müssen für ihr Leid entschädigt werden. 

Russland muss unverzüglich alle Kinder zurückbringen, die von den russischen Streitkräften aus der Ukraine verschleppt wurden, und alle ukrainischen Gefangenen freilassen, die unrechtmäßig festgehalten werden und von denen viele verschwunden gelassen wurden. Auch im Rahmen der Verhandlungen eines Friedensabkommens müssen diese dringenden Fragen unverhandelbar sein."

Mehrere Menschen mit Protestschildern

"Wir warten zuhause auf euch": Familien von Menschen, die in Mariupol in russische Kriegsgefangenschaft gerieten, demonstrieren in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw für die Freilassung ihrer Angehörigen (undatiertes Foto).

Welche Kriegsverbrechen hat Amnesty International dokumentiert? 

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die  gesamte Ukraine am 24. Februar 2022 hat Amnesty International Kriegsverbrechen und andere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dokumentiert. Dazu gehören:

  • gezielte Angriffe der russischen Streitkräfte auf Zivilpersonen und zivile Infrastrukturen
  • anhaltende Menschenrechtsverletzungen in den von Russland besetzten Gebieten, wie Zwangsumsiedlungen und Verschleppungen von Zivilist*innen, einschließlich Kindern
  • willkürliche Inhaftierungen und Verschwindenlassen durch die russischen Streitkräfte und Besatzungstruppen
  • Folter und andere Misshandlungen an zivilen Gefangenen und Kriegsgefangenen durch russische Streitkräfte
  • Verweigerung eines fairen Verfahrens durch Russland sowohl für zivile Gefangene als auch für Kriegsgefangene 

Die Verantwortlichen für diese Taten müssen unbedingt zur Verantwortung gezogen werden – nur so kann es einen gerechten Frieden geben.

Weitere Artikel