Aktuell Iran 30. April 2019

Zwei Minderjährige hingerichtet

Porträtfotos zweier männlicher Jugendlicher

Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat wurden am 25. April 2019 im Alter von 17 Jahren im Iran hingerichtet

Die iranischen Justizbehörden haben am 25. April 2019 zwei 17-Jährige im Geheimen auspeitschen und danach hinrichten lassen. Die Exekution von Minderjährigen ist ein eklatanter Verstoß gegen Internationales Recht und die Kinderrechte.

Die beiden Cousins Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat wurden am 25. April 2019 im Adelabad-Gefängnis in Shiraz hingerichtet. Gemäß den Amnesty International zur Verfügung stehenden Informationen wurden die beiden Jugendlichen erst kurz vor der Hinrichtung über das Todesurteil informiert.

Angehörige nicht vorab informiert

Ihre Angehörigen erhielten erst nach der Exekution einen Anruf eines staatlichen forensischen Instituts: Sie wurden aufgefordert, die Leichen der Hingerichteten abzuholen. 

Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat saßen bis zum Vortag ihrer Exekution in einem Jugendgefängnis, bevor sie ins Adelabad-Gefängnis verlegt wurden. Ihre Familien hatten sie dort besuchen können, wurden aber über die weiteren Schritte nicht informiert. 

Unfairer Prozess

Die Leichen wiesen blutige Striemen auf, die darauf hindeuten, dass die Cousins vor ihrer Hinrichtung ausgepeitscht worden waren.

Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat waren der mehrfachen Vergewaltigung schuldig gesprochen worden. Der Prozess war jedoch hochgradig unfair: Die Cousins wurden zwei Monate in einem Polizeigefängnis festgehalten und verhört, ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand. Sie gaben auch an, geschlagen geworden zu sein.

Zeichnung eines Strangs zum Erhängen

Amnesty International hat zwischen 1990 und 2018 im Iran 97 Hinrichtungen von zum Tatzeitpunkt Minderjährigen erfasst.

Die meisten Hinrichtungen Minderjähriger weltweit 

Amnesty International hat zwischen 1990 und 2018 im Iran 97 Hinrichtungen von zum Tatzeitpunkt Minderjährigen erfasst – mehr als in jedem anderen Land der Welt, wie der kürzlich veröffentlichte Amnesty-Bericht über die weltweite Anwendung der Todesstrafe zeigt.

Mehr als 90 Minderjährigen droht weiterhin jederzeit ihre Exekution. Die Geheimhaltung der Hinrichtung von Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat legt indes die Vermutung nahe, dass die Dunkelziffer hoch ist, um die internationale Empörung über die rechtswidrige und grausame Praxis einzudämmen.

Amnesty International fordert deshalb einflussreiche Staaten und die EU auf, ihren diplomatischen und öffentlichen Druck auf Iran zu verstärken, um die Hinrichtung Minderjähriger zu beenden.

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