Artikel 27: Freiheit des Kulturlebens

Gruppenfoto mit 4 Männern und 2 Frauen, der Mann in der Mitte hält eine Urkunde in der Hand

Die Amnesty-Jury-Mitglieder Ali Samadi Ahadi, Bettina Müller und Friederike Kempter (v.l.) überreichten am 24. Februar 2018 den Amnesty-Filmpreis auf der Berlinale 2018 an Regisseur Karim Aïnouz (Bildmitte)

1. Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.

2. Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen.

Der Amnesty-Filmpreis auf der Berlinale

Filme können dabei helfen, Menschenrechte zu erklären und Menschenrechtsverletzungen bekannt zu machen und anzuprangern. Seit 2005 vergibt Amnesty jedes Jahr auf der Berlinale den Amnesty International-Filmpreis an Werke, denen es gelingt, das Thema Menschenrechte überzeugend darzustellen. Zugleich würdigt der Preis das zuweilen sogar lebensgefährliche Engagement von Filmemacherinnen und Filmemachern. Er ist mit 5.000 Euro dotiert.

Zwei Männer starren in den Himmel

Filmszene aus "Zentralflughafen THF"

Der Amnesty-Filmpreis auf der Berlinale 2018 ging an den Dokumentarfilm "Zentralflughafen THF" (Deutschland/Frankreich/Brasilien) von Karim Aïnouz. Der Film lief in der Sektion "Panorama" des Festivals.

Karim Aïnouz zeigt den Alltag von Flüchtlingen, die in den Gebäuden des stillgelegten Flughafens Berlin-Tempelhof untergebracht sind. Der Film erzählt von den Menschen in den Hangars, lässt sie ihre dramatischen Erlebnisse schildern und zeigt ihre Lebenssituation zwischen Deutschunterricht, medizinischen Untersuchungen und Begegnungen mit der deutschen Bürokratie. 

Im Mittelpunkt stehen Ibrahim Al Hussein aus Syrien und Qutaiba Nafea aus dem Irak, die vom Regisseur über ein Jahr begleitet wurden. Ihre Geschichten und Gedanken tragen durch den Film: Zwischen Hoffnung, Heimweh und Angst vor Abschiebung – und einer merkwürdigen Gewöhnung an das temporäre Zuhause.

Zentralflughafen THF - Der Trailer auf YouTube

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"Berührend und unaufgeregt zeigt der Regisseur den Alltag in der Flüchtlingsnotunterkunft des Berliner Flughafens Tempelhof. Mit zärtlichem Blick und dabei stets auf Augenhöhe erzählt er von den Menschen in den Hangars, lässt sie ihre dramatischen Geschichten erzählen und zeigt ihre schwierige Lebenssituation", begründet die Amnesty-Jury bestehend aus Schauspielerin Friederike Kempter, Regisseur Ali Samadi Ahadi und Bettina Müller von Amnesty International die Entscheidung.

"Wir begegnen Ibrahim, der als Jugendlicher sein Dorf in Nordsyrien nahe der türkischen Grenze verlassen musste, und Qutaiba, einem Flüchtling aus dem Irak. Ihre Geschichten und insbesondere Ibrahims Gedanken tragen uns durch den Film. Die Entscheidung für die beiden geflüchteten Männer als sympathische Hauptprotagonisten stellt dabei auf subtile Weise möglicherweise vorhandene Vorurteile des Zuschauers in Frage", lautet die Begründung der Jury weiter.

"Mit Wärme und Humor portraitiert der Regisseur das Engagement der vielen Helfer und zeigt, wie wichtig Mitmenschlichkeit ist. Der Film lädt die Zuschauer ein, hinzusehen und mitzumachen und trägt damit eine Botschaft, die in der heutigen Zeit wichtiger ist denn je."

 

Dieser Text wurde in seiner Originalfassung am 24. Februar 2018 auf www.amnesty.de veröffentlicht. Für die Kampagnen-Website "70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" wurde er überarbeitet.

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