Interaktive Karte dokumentiert Angriffe und Racheakte
Bewohner der Stadt Ramadi auf der Flucht vor den heranrückenden Truppen des "Islamischen Staates" im Mai 2015
© SABAH ARAR/AFP/Getty Images
10. Juni 2015 - Vor einem Jahr hat der sogenannte "Islamische Staat" (IS) die nordirakische Millionenstadt Mossul erobert und dort eine Terrorherrschaft etabliert. Seitdem ist der Irak in einem Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt gefangen. In einer interaktiven "Story Map" dokumentiert Amnesty International 65 Schauplätze von Massakern und Gewaltakten des IS sowie von Rachefeldzügen schiitischer Milizen und irakischer Regierungskräfte.
Die Krisenbeauftragte von Amnesty International, Donatella Rovera, hielt sich während der vergangenen zwölf Monate mehrfach im Irak auf und führte zahlreiche Interviews mit Überlebenden von Massakern und Racheakten. Das Ergebnis ihrer Recherchen fasst sie in einem Kurzbericht über die Rachefeldzüge schiitischer und jesidischer Milizen sowie einer interaktiven "Story Map" zusammen. Mit Hilfe der interaktiven Karte kann man nachverfolgen, wo und wann Angriffe des "IS" oder Gegenangriffe und Racheakte schiitischer und jesidischer Milizen stattfanden.
Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt
In dem irakischen Dorf Barwana wurden beispielsweise im Januar dieses Jahres 45 Jungen und Männer von schiitische Milizionären hingerichtet. Sie hatten das Dorf überfallen, um "sunnistische Araber zu töten". Auch ein anderer Vorfall zeigt die tragischen Folgen der brutalen "ethnischen Säuberungen" in den Sinjar-Bergen durch den "Islamischen Staat": Am 25. Januar 2015 überfielen jesidische Milizen die beiden arabischen Dörfer Jiri und Sibaya, brannten diese vollständig nieder und ermordeten mindestens 21 Menschen, darunter auch Frauen, Kinder, Alte und Behinderte.
Amnesty fordert Ende der Straflosigkeit
Die irakische Regierung muss dafür sorgen, dass die Milizen für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden und die Kultur der völligen Straflosigkeit beendet wird. Sonst sind die Aussichten für den Irak düster, denn das Land droht immer tiefer in den Teufelskreis ethnisch und religiös motivierter Gewalt zu rutschen. Den Preis dafür zahlen (zivile) Angehörige bestimmter Gemeinschaften und nicht die Verantwortlichen für die Gewaltakte.
Hier geht es zur interaktiven "Story Map" von Amnesty International