Indien: 47 Dorfbewohner bei friedlichen Protesten in Orissa festgenommen
Das erste Rotschlammbecken ist in der Monsunzeit 2011zweimal übergelaufen
© Amnesty International
25. Januar 2012 - Amnesty International fordert die Behörden des ostindischen Staates Orsissa dazu auf, 47 Bewohner des Dorfes Rengopalli freizulassen. Diese wurden am 21. Januar festgenommen, weil sie friedlich gegen die Verschmutzung ihres angestammten Landes durch die Bauxit-Raffinerie der Firma Vedanta Aluminium Lanjigarh protestiert hatten.
Die Dorfbewohner versuchten, Vedanta davon abzuhalten, eine der zwei Zufahrtsstraßen zu ihrem Dorf in Beschlag zu nehmen. Die Straße ist der direkte Weg sowohl zum Dorf als auch zu einem 60 Hektar umfassenden Auffangbecken für den Rotschlamm der Raffinerie. Dieses Becken ist die zweite Deponie, in der Vedanta ihren giftigen Müll ablagert, der bei der Bauxit-Verarbeitung anfällt.
Das erste Becken, das während der letzten Monsun-Zeit zweimal übergelaufen war, ist mittlerweile voll mit Giftschlamm. Untersuchungen von Amnesty International haben ergeben, dass die Raffinerie und auch ihr Schlammbecken weder nationalen noch internationalen Standards entsprechen.
Amnesty International fordert die Behörden dazu auf, ihren nationalen und internationalen gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen und sich umgehend mit den betroffenen Gemeinschaften in Rengopalli in Verbindung zu setzen, um herauszufinden, welche Auswirkungen die beiden Schlammbecken auf ihr Leben haben.
Land und Wasser noch mehr verschmutzt?
Vedata Aluminium ist eine Tochterfirma der in Großbritannien beheimateten Vedanta Resources. Einwohner von Rengopalli, einem der zwölf Dörfer, die in der Nähe der Raffinerie liegen, sprechen sich gegen eine Nutzung der Straße durch Vedanta Aluminium aus. Sie befürchten, dass ihr Land und Wasser durch ein zweites Rotschlammbecken noch mehr verschmutzt wird. Sie behaupten außerdem, dass die lokalen Behörden es versäumt hätten, sich vorschriftsmäßig mit den gewählten Dorfräten zu treffen, bevor sie der Firma die 0,5 Hektar, auf denen die Straße liegt, übereigneten.
Die Festgenommenen, darunter 38 Adivasi (Indigene) und neun Dalits, sehen sich mit zahlreichen Anklagen wie "Randalieren" und versuchtem Mord an Polizisten, die die Sicherheitskräfte der Firma unterstützt hatten, konfrontiert. Bulldozer und anderes schweres Gerät wurden genutzt, um das Gebiet zu räumen. Fünf Adivasi-Frauen wurden verletzt, als die Polizei Schlagstöcke einsetzte.
37 Dorfbewohner angeklagt
Die Einwohner informierten Amnesty International darüber, dass ein Gericht, bei dem Vedanta einen Antrag auf polizeiliche Unterstützung bei der Räumung des Landstücks eingereicht hatte, weitere Informationen über die Rechtmäßigkeit der Übereignung angefordert hatte. Bevor jedoch ein Urteil gesprochen werden konnte, erließen die lokalen Behörden und die Polizei zahlreiche Verbote rund um das Becken. 37 Dorfbewohner wurden wegen Verstößen gegen diese Verbote angeklagt und am 20. Januar vorgeladen, um sie dazu zu bewegen, ihren Widerstand gegen das Projekt aufzugeben.
Amnesty International ist der Meinung, dass die lokalen Behörden der Firma Vedanta die Aneignung des entsprechenden Landes erleichtert, anstatt die angestammten Rechte der Adivasi auf ihr Land und ihre Bräuche zu schützen, wie es das indische als auch das internationale Recht vorschreibt.
Nachdem das Oberste Gericht von Orsissa letzte Woche den Antrag von Vedanta Aluminium auf eine sechsfache Vergrößerung der Raffinerie ablehnte, wiederholte Amnesty International seine Forderung an die indischen Behörden, die Säuberung der Anlage und des vollen ersten Schlammbeckens anzuordnen.