Aktuell Indien 06. Juni 2011

Indien: Mehr als 4.000 Familien in Indien durch Bauxit-Abbau bedroht

Rotschlammbecken in Orissa: "Die Situation vor Ort ist  wie eine tickende Zeitbombe."

Rotschlammbecken in Orissa: "Die Situation vor Ort ist wie eine tickende Zeitbombe."

1. Juni 2011 - Laut eines Berichts über undichte Stellen am größten Rotschlammbecken der Vedanta-Aluminiumraffinerie, einem riesigen Reservoir von giftigen Rückständen, hat Amnesty International vor ernsten gesundheitlichen Risiken während der Regenzeit für Tausende von Familien im indischen Bundesstaat Orissa gewarnt.

Die Organisation hat Videoaufnahmen von Bewohnern des Gebiets von Lanjigarh erhalten, die zwei Lecks am Becken dokumentieren, die nach schweren Regenfällen in jüngster Zeit entstanden sind. Die Videos zeigen, wie aus diesen Lecks Flüssigkeit sprudelt und auf die nahegelegenen Straßen fließt.

Schätzungsweise vier- bis fünftausend Menschen in zwölf Dörfern sind durch diese Lecks bedroht, die sich bei schwerem Monsunregen vergrößern könnten.

"Vedanta und die Behörden müssen Maßnahmen ergreifen, denn die Situation vor Ort ist angesichts der beginnenden Regenzeit wie eine tickende Zeitbombe. Das Rotschlammbecken bedeutet eine ernste Bedrohung für die Gesundheit, die Existenzgrundlagen und die Sicherheit der Menschen vor Ort", sagte Ramesh Gopalakrishnan, Südasien-Researcher von Amnesty International.

Das Rotschlammbecken enthält einen auf 92 Milliarden Liter geschätzten Cocktail aus giftigen Rückständen. Darin enthalten sind auch radioaktive Elemente aus dem Raffinationsprozess von Bauxit. Letztes Jahr traten giftige Rückstände aus einem Rotschlammbecken in Ungarn aus und gelangten in die Donau. Dies führte zu Todesfällen, schweren Verletzungen und weitreichenden Umweltschäden.

Die Vedanta-Raffinerie und das Rotschlammbecken befinden sich nur einen Kilometer vom Fluss Vamsadhara entfernt, der wichtigsten Wasserquelle der Region. Vier Dörfer befinden sich sehr nah an der Raffinerie, acht Dörfer liegen weiter flussabwärts.

Die Menschen vor Ort protestieren dagegen, dass sie keine Informationen von Vedanta Aluminium oder der Regierung über Maßnahmen erhalten haben, die zur Verhinderung weiterer Lecks ergriffen werden.

Vedanta Aluminium bestreitet das Austreten giftiger Rückstände aus dem Rotschlammbecken, hat aber Berichten zufolge die beschädigten Stellen repariert. Amnesty International ist jedoch nichts über Versuche des Unternehmens bekannt, die durch das Austreten des giftigen Schlamms verursachte Verschmutzung von Wasser und Land zu beurteilen oder die Schäden zu bereinigen.

"Vedanta muss aufhören, das Rotschlammbecken vollzupumpen, und deutlich machen, welche Schritte es ergreifen wird, um eine mögliche Katastrophe für die Tausenden von Familien, die in der Nähe des Unternehmens wohnen, abzuwenden", fügte Ramesh Gopalakrishnan hinzu.

Die staatliche Umweltschutzbehörde von Orissa (Orissa State Pollution Control Board) hat in der Vergangenheit Bedenken hinsichtlich der Gestaltung und Instandhaltung des Rotschlammbeckens geäußert.

Am 11. Mai 2011 besuchten Mitarbeiter der staatlichen Umweltbehörde von Orissa die Gegend von Lanjigarh, um die Situation am Rotschlammbecken zu untersuchen. Die Erkenntnisse aus dieser Untersuchung wurden jedoch nicht veröffentlicht.

Hintergrundinformationen

Das Unternehmen Vendanta Aluminium ist Eigentümer und Betreiber der Raffinerie und des dazugehörigen Rotschlammbeckens. Es ist eine Tochtergesellschaft der britischen Vendanta Resources Plc. Die lokale Bevölkerung, vor allem die Majhi Kondh Adivasi (Indigene) und Dalit-Gemeinschaften, die für ihre Existenz auf Landwirtschaft angewiesen sind, sind von den Gefahren, die von diesen giftigen Rückständen hervorgehen, betroffen. Sie haben immer wieder ihre Bedenken über die Risiken geäußert, die von dem momentan genutzten, 28 Hektar großem und mit Rotschlamm gefülltem Hauptbecken ausgehen.

Auch kritisieren sie den Bau eines zusätzlichen, 60 Hektar großen Beckens, das ebenfalls roten Schlamm auffangen soll. Die lokale Bevölkerung hat sich mit dem Argument, dass ein Ausbau der Raffinerie das Land und das Wasser vor Ort noch mehr verunreinigen werde, gegen die Pläne gestellt.

In den Jahren 2007 bis 2009 hat sie staatliche Umweltschutzbehörde von Orissa Bedenken bezüglich der Bauweise und Instandhaltung des Rotschlammbeckens geäußert. Dabei hat sie die Konstruktion untersucht und nachweislich ein Aussickern des alkalischen Schmutzwassers (mit einem PH-Wert von 11,06) aus dem Becken festgestellt. Der Plan von Vedanta für den Ausbau der Raffinerie im Distrikt Lanjigarh liegt momentan dem Hohen Gericht von Orissa vor. Zuvor, im Oktober 2010, hatte das indische Forst- und Umweltministerium festgestellt, dass der Vorschlag von Vedanta gegen die indischen Umweltschutzgesetze verstößt.

In dem Amnesty-Bericht "Don`t mine us out of Existence: Bauxite Mine and Refinery Devastate Lives in India" vom Februar 2010 hat Amnesty International schwerwiegende Bedenken in Bezug auf mögliche negative Auswirkungen des Raffineriebetriebs auf die Menschen, die in der Umgebung leben, geäußert. Dabei geht es vor allem um das Recht auf Wasser, das Recht auf Gesundheit und die Lebensgrundlagen der Gemeinden. Amnesty International forderte daher die Behörden auf, sofort Maßnahmen einzuleiten, die eine weitere Verschmutzung des Flusses vermeiden, und sich um die bestehenden Probleme zu kümmern. Zusätzlich hat Amnesty dem Unternehmen Vedanta dringend empfohlen, die bestehenden negativen Auswirkungen der Raffinerie auf die Umwelt, Gesundheit, Gesellschaft und Menschenrechte vollständig aufzugreifen und einen offenen Dialog mit der betroffenen Bevölkerung zu suchen.

Eilaktion: Mehr als 4.000 Familien sind durch den Bauxit-Abbau der Firma Vedanta in ihrer Sicherheit, ihrer Gesundheit und ihrem Lebensunterhalt bedroht. Fordern Sie ihren Schutz!

Lesen Sie den Amnesty-Bericht "Don't Mine Us out of Existence: Bauxite Mine an Refinery Devastate Lives in India" (PDF, Englisch, 104 Seiten)

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