Drohendes Todesurteil

Ahmadreza Jalali

Ahmadreza Jalali

Der in Schweden lebende iranische Akademiker für Katastrophenmedizin, Dr. Ahmadreza Djalali, ist seit dem 25. April 2016 im Iran in Haft und nun von den Behörden mit der Verurteilung zum Tode bedroht worden. Seit dem 26. Dezember befindet er sich aus Protest gegen seine Inhaftierung im Hungerstreik.

Appell an:

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
c/o Public Relations Office
Number 4, Deadend of 1 Azizi
Above Pasteur Intersection, Vali Asr Street
Tehran, IRAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei
Islamic Republic Street - End of Shahid Keshvar Doust Street
Tehran
IRAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Sende eine Kopie an:

PRÄSIDENT
Hassan Rouhani
The Presidency
Pasteur Street, Pasteur Square
Tehran
IRAN

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S. E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030–8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 21. März 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

LUFTPOSTBRIEFE, TWITTER-NACHRICHTEN, E-MAILS UND FAXE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Ahmadreza Djalali umgehend und bedingungslos frei, sofern er nicht einer international als Straftat anerkannten Handlung angeklagt wird, und stellen Sie sicher, dass er nicht allein wegen der friedlichen Ausübung seiner Rechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit zur Zielscheibe der Behörden wurde.

  • Garantieren Sie bitte den sofortigen Zugang zu qualifiziertem medizinischem Personal, das ihn in Übereinstimmung mit der medizinischen Ethik behandeln kann, dazu gehören Vertraulichkeit, Autonomie und informierte Zustimmung.

  • Ich bitte Sie, ihn bis zu seiner Freilassung vor jedweder Bestrafung für den Hungerstreik, wie z.B. lange Einzelhaft, die der Folter gleichkommen kann, zu schützen.

  • Bitte sorgen Sie für den regelmäßigen Zugang zu einem Rechtsbeistand seiner Wahl, zu seiner Familie sowie zu Einrichtungen, um mit Angehörigen im Ausland zu kommunizieren, und lassen Sie Angehörige des schwedischen Konsulats zu ihm.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to release Ahmadreza Djalali unless he is charged with a recognizable criminal offence, in line with international law and standards, ensuring that he is not targeted for peacefully exercising his rights to freedom of expression, association and assembly.

  • Urging them to ensure he has access to a qualified health professional who can provide health care in compliance with medical ethics, including the principles of confidentiality, autonomy and informed consent.

  • Calling on them to ensure that, pending his release, he is protected from any punishment for his hunger strike, including prolonged solitary confinement, which may amount to torture.

  • Urging them to ensure that he has regular access to a lawyer of his choice and to his family, including facilities to communicate with those living abroad, and requesting them to grant Swedish consular access to him.

Sachlage

Der in Schweden lebende iranische Staatsangehörige Dr. Ahmadreza Djalali ist seit dem 25. April 2016 im Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert und nun mit der Verurteilung zum Tode bedroht worden. Am 31. Januar wurde er ohne Beisein seines Rechtsbeistands der Abteilung 15 des Revolutionsgerichts in Teheran vorgeführt und der Vorsitzende Richter teilte ihm mit, dass er der „Spionage“ beschuldigt werde und ihm daher die Todesstrafe drohen könnte. Der Rechtsbeistand seiner Wahl teilte Amnesty International mit, dass die iranischen Behörden jedoch zuerst eine Klageschrift veröffentlichen und ein Gerichtsverfahren anberaumen müssen. Die Strafverfolgungsbehörden haben dem Rechtsbeistand mitgeteilt, er könne Ahmadreza Djalali nicht vertreten und haben sich geweigert, ihm Zugang zu den Gerichtsakten zu geben. Im Dezember 2016 übten die iranischen Behörden intensiven Druck auf Ahmadreza Djalali aus, damit er eine Aussage unterschriebe, in der er „gesteht“, der Spion einer „feindlichen Regierung“ zu sein. Als er sich weigerte, dies zu tun, sagten sie, sie könnten ihn auch wegen „Feindschaft zu Gott“ (moharebeh) anklagen, darauf steht die Todesstrafe. Am 26. Dezember 2016 begann er einen Hungerstreik. Sein Gesundheitszustand hat sich seither stark verschlechtert.

Ahmadreza Djalali ist Doktor der Medizin, Dozent und Forscher in Katastrophenmedizin. Er hat an Universitäten in Belgien, Italien und Schweden gelehrt. Er war auf Einladung der Universitäten in Teheran und Shiraz auf Dienstreise im Iran, um an Workshops zu Katastrophenmedizin teilzunehmen, als er von Angehörigen des Geheimdienstministeriums ohne Haftbefehl festgenommen wurde. In den ersten zehn Tagen nach seiner Festnahme hatte seine Familie keine Informationen über seinen Verbleib, dann durfte er sie kurz anrufen. Er wurde eine Woche lang an einem unbekannten Ort festgehalten und dann in die Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses gebracht, die unter der Kontrolle des Geheimdienstministeriums steht. Dort wurde er sieben Monate lange festgehalten, drei davon in Einzelhaft. Ahmadreza Djalali sagte, dass er in dieser Zeit intensiven Verhören unterzogen wurde und man ihn mit großem emotionalem und psychologischem Druck zwang, Aussagen zu unterschreiben, deren Einzelheiten Amnesty International nicht bekannt sind. Trotz wiederholter Verhöre durfte er in den sieben Monate bis zu seiner Verlegung in die Abteilung 7 des Evin-Gefängnisses keine Besuche seines Rechtsbeistands erhalten.