Venezuela: politisch motivierte Inhaftierungen beenden!

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Ein Mann sitzt auf einem Stuhl vor einem Schreibtisch

Der venezolanische Menschenrechtsverteidiger Eduardo Torres (Archivbild)

Die Menschenrechtsverteidiger*innen Rocío San Miguel und Carlos Julio Rojas kamen im Januar 2026 endlich frei, nachdem sie seit Februar bzw. April 2024 willkürlich inhaftiert waren. Nach vorliegenden Informationen wurden die Anklagen gegen sie jedoch nicht fallen gelassen. Die Menschenrechtler Javier Tarazona, Kennedy Tejeda und Eduardo Torres sind nach wie vor willkürlich in Haft. Darüber hinaus werden mehr als 700 weitere Personen aus politischen Gründen willkürlich festgehalten. Sie müssen umgehend und bedingungslos freigelassen werden.

Bitte setzt euch weiterhin für Javier Tarazona, Kennedy Tejeda und Eduardo Torres ein!

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Dein Appell

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Sehr geehrte Frau Rodríguez,

ich begrüße zwar die Freilassung von Rocío San Miguel und Carlos Julio Rojas, möchte Sie aber bitten, auch die Menschenrechtsverteidiger Eduardo Torres, Javier Tarazona und Kennedy Tejeda sowie alle anderen willkürlich inhaftierten Menschen freizulassen.

Mit Stand vom 19. Januar 2026 werden immer noch mehr als 700 Menschen aus politischen Gründen willkürlich in venezolanischen Gefängnissen festgehalten. Zu ihnen gehören Menschen aus Kolumbien, Spanien, Italien und anderen Ländern. Die Inhaftierten erhalten kein faires Verfahren und sind Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Auch völkerrechtliche Verbrechen wie Folter und Verschwindenlassen sind an der Tagesordnung.

Ich fordere die sofortige und bedingungslose Freilassung von Eduardo Torres, Javier Tarazona und Kennedy Tejeda sowie aller weiteren Menschen, die aus politischen Gründen willkürlich inhaftiert sind. 

Lassen Sie bitte alle Anklagen gegen Rocío San Miguel und Carlos Julio Rojas fallen und sorgen Sie dafür, dass sie keinen willkürlichen Beschränkungen unterliegen.

Bitte geben Sie umgehend Informationen über das Schicksal und den Verbleib aller Personen bekannt, die dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sind.

Sorgen Sie dringend dafür, dass Inhaftierte angemessen medizinisch versorgt werden, Familienbesuch empfangen dürfen und ein faires Verfahren erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Ms Delcy Rodríguez,

We took note of the long-awaited-for release of human rights defenders Rocío San Miguel and Carlos Julio Rojas. Since their respective arbitrary detentions in 2024, we have called on the Venezuelan government to unconditionally release them. We continue calling for all charges against them to be dropped, and any arbitrary restrictions on their liberty stopped.

We remain concerned over the safety and personal integrity of other human rights defenders who continue to be arbitrarily detained for their activism, including Javier Tarazona, detained since 2 July 2021, now held in commonly-called 'El Helicoide’; Kennedy Tejeda, detained on 2 August 2024, now held in Tocorón prison; and Eduardo Torres, detained on 9 May 2025, held in Yare II prison after being secretly transferred from 'El Helicoide’ in late 2025.

As of 19 January 2026, approximately 800 other politically motivated arbitrary detainees, including nationals from Colombia, Spain, and Italy, amongst other nationalities, are currently being unfairly held in Venezuelan detention centres and subjected to unfair trials, all the while suffering an endless list of other human rights violations and international crimes, such as enforced disappearances and torture.

Meanwhile, their relatives and loved ones, supported by civil society organisations, collectives, associations, and communities, bravely and relentlessly call for the immediate release of all those arbitrarily detained for political reasons in Venezuela. Their calls must be heard, and the suffering they have endured should be met with justice and accountability, offered by competent and independent courts outside of the country.

We call for the immediate and unconditional release of Eduardo Torres, Javier Tarazona, and Kennedy Tejeda, and that of all politically-motivated arbitrary detainees in Venezuela. We also demand that the fate and whereabouts of all forcibly disappeared persons are immediately disclosed and that, whilst in your custody, detainees receive adequate medical care, are allowed family visits, and see their fair trial guarantees protected.

Yours sincerely,

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Appell an

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Amtierende Präsidentin
Delcy Rodríguez
Palacio de Miraflores
Av. Nt. 10, Caracas 1012
Caracas
VENEZUELA

Sende eine Kopie an

Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela
S. E. Herrn Ramon Orlando Maniglia Ferreira
Schillstraße 10
10785 Berlin

Fax: 030– 83 22 40 20
E-Mail: embavenez.berlin@botschaft-venezuela.de

Amnesty fordert:

  • Ich fordere die sofortige und bedingungslose Freilassung von Eduardo Torres, Javier Tarazona und Kennedy Tejeda sowie aller weiteren Menschen, die aus politischen Gründen willkürlich inhaftiert sind.
  • Lassen Sie bitte alle Anklagen gegen Rocío San Miguel und Carlos Julio Rojas fallen und sorgen Sie dafür, dass sie keinen willkürlichen Beschränkungen unterliegen.
  • Bitte geben Sie umgehend Informationen über das Schicksal und den Verbleib aller Personen bekannt, die dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sind.
  • Sorgen Sie dringend dafür, dass Inhaftierte angemessen medizinisch versorgt werden, Familienbesuch empfangen dürfen und ein faires Verfahren erhalten.

Sachlage

Im Januar 2026 wurden Rocío San Miguel und Carlos Julio Rojas endlich aus der Haft entlassen. Die Anklagen wurden jedoch nicht fallen gelassen, und sie könnten nach wie vor willkürlichen Beschränkungen unterworfen werden. 

Es besteht nach wie vor Sorge um die Sicherheit und Unversehrtheit anderer Menschenrechtsverteidiger*innen, die wegen ihrer Aktivitäten willkürlich in Haft sind: Javier Tarazona ist seit dem 2. Juli 2021 in Haft und befindet sich nun in der als "El Helicoide" bekannten Hafteinrichtung in Caracas; Kennedy Tejeda wird seit dem 2. August 2024 festgehalten und befindet sich derzeit im Gefängnis von Tocorón; und Eduardo Torres ist seit dem 9. Mai 2025 inhaftiert und wird im Yare-II-Gefängnis außerhalb von Caracas festgehalten, nachdem er Ende 2025 im Geheimen aus "El Helicoide" verlegt wurde.

Mit Stand vom 19. Januar 2026 werden mehr als 700 Menschen aus politischen Gründen willkürlich in venezolanischen Gefängnissen festgehalten. Zu ihnen gehören Menschen aus Kolumbien, Spanien, Italien und anderen Ländern. Die Inhaftierten erhalten kein faires Verfahren und sind Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Auch völkerrechtliche Verbrechen wie Folter und Verschwindenlassen sind an der Tagesordnung.

Ihre Familienangehörigen und Freund*innen, unterstützt von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Verbänden und anderen Gruppen, fordern derweil unermüdlich die sofortige Freilassung aller Personen, die willkürlich und aus politischen Gründen inhaftiert sind. Ihren Forderungen nach Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht muss nachgekommen werden, zumal zuständige und unabhängige Gerichte außerhalb Venezuelas angeboten haben, sich dieser Fälle anzunehmen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die venezolanische Regierung, die jede Form von tatsächlichem oder vermeintlichem Dissens unterdrücken will, bedient sich seit langem politisch motivierter und willkürlicher Inhaftierungen, um Andersdenkende in Venezuela zum Schweigen zu bringen. Häufig werden Menschen zwar freigelassen, dann aber direkt wieder festgenommen und inhaftiert. Ähnlich werden freigelassene Personen weiterhin willkürlich strafrechtlich verfolgt und in ihrer Freiheit eingeschränkt, was ein Klima der Angst schafft und Menschenrechtsverletzungen Vorschub leistet. Dies erreichte nach den Wahlen vom 28. Juli 2024 einen historischen Höhepunkt. Mehr als 2.000 Personen wurden aus politischen Gründen willkürlich inhaftiert, viele von ihnen wegen offenbar unbegründeter Vorwürfe über Terrorismus und Anstiftung zum Hass, darunter auch gefährdete Gruppen wie Kinder und Menschen mit Behinderungen.

Im Dezember 2025 und Anfang Januar 2026 ließen die Behörden einige wenige der damals etwa 1.000 Menschen frei, die aus politischen Gründen willkürlich in Haft waren. Am 3. Januar wurden der venezolanische Präsident Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores von Streitkräften der USA entführt, woraufhin Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin ernannt wurde. Einige Tage später kündigte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, an, dass eine "beträchtliche Anzahl" der inhaftierten Personen freigelassen werde. Zivilgesellschaftliche Organisationen vor Ort konnten die Freilassung von lediglich rund 150 Personen seit dem 8. Januar bestätigen. Nach Angaben der venezolanischen NGO Foro Penal befanden sich mit Stand vom 19. Januar 2026 noch 777 Personen aus politischen Gründen willkürlich in Haft.

Amnesty International hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Menschenrechtsverteidiger*innen in Venezuela ständig der Gefahr von Schikanen, Angriffen und Inhaftierung ausgesetzt sind. Die Regierung von Nicolás Maduro, die nun von der ehemaligen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez als amtierende Präsidentin angeführt wird, wendet weiterhin Gesetze an, die Menschenrechtsorganisationen und Organisationen der Zivilgesellschaft kontrollieren und zum Schweigen bringen sollen – so z. B. das im August 2024 verabschiedete Gesetz mit dem Titel "Gesetz zur Prüfung, Regulierung, Tätigkeit und Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen und verwandten Organisationen", das sogenannte "Anti-NGO-Gesetz". 

In dem Bericht Detentions Without a Trace vom Juli 2025 stellt Amnesty International 15 Personen vor, deren Fälle belegen, wie breit in Venezuela die Praxis des Verschwindenlassens zum Einsatz kommt, insbesondere zwischen August 2024 und Juni 2025. Mit Stand vom 19. Januar 2026 ist das Schicksal und der Verbleib von Jorgen Guanares weiterhin unbekannt. Es ist nun bekannt, dass Alfredo Díaz im Dezember 2025 in staatlichem Gewahrsam starb. Die übrigen Personen sind mittlerweile ausfindig gemacht oder freigelassen worden.

Im Rahmen dieser Repressionspolitik fährt die Regierung seit langem eine auf Schikane, Strafverfolgung und Zensur beruhende Linie gegen Aktivist*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für den Schutz der Rechte von Venezolaner*innen einsetzen. In Venezuela herrscht derweil eine komplexe humanitäre und menschenrechtliche Krise, die dazu geführt hat, dass so viele Menschen wie nie zuvor das Land verlassen haben, um im Ausland Schutz zu suchen. Ihre Zahl belief sich im Mai 2025 bereits auf 7,9 Millionen.

Seit 2020 konnte die unabhängige internationale Ermittlungsmission für die Bolivarische Republik Venezuela in mehreren Berichten zahlreiche seit 2014 begangene Menschenrechtsverletzungen ausführlich dokumentieren, darunter außergerichtliche Hinrichtungen, Verschwindenlassen, willkürliche Inhaftierung sowie Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe. Die Berichte kommen außerdem zu dem Schluss, dass die Regierung das Justizsystem als Instrument der Unterdrückung missbraucht und dass manche der Menschenrechtsverletzungen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommen könnten. Insbesondere im Jahr 2024 kam die Ermittlungsmission zu dem Schluss, "hinreichende Gründe für die Annahme zu haben, dass während des von ihrem Mandat abgedeckten Zeitraums das Verbrechen der Verfolgung aus politischen Gründen begangen wurde". Die Ermittlungsmission wiederholte diese Folgerungen 2025 erneut.

Seit November 2021 führt die Anklagebehörde des Internationalen Strafgerichtshofs eine strafrechtliche Untersuchung der Situation in Venezuela durch, insbesondere im Hinblick auf "Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie Freiheitsberaubung oder andere schwere Formen des Entzugs der körperlichen Freiheit (...), Folter (...), Vergewaltigung und/oder andere Formen sexualisierter Gewalt von vergleichbarer Schwere (...) und der politisch motivierten Verfolgung von inhaftierten Personen (...), die mindestens seit April 2017 von Angehörigen der Sicherheitskräfte, zivilen Behörden und regierungsnahen Personen (bzw. als "colectivos" bekannte Gruppen) begangen wurden."