Amnesty Report Eritrea 29. März 2022

Eritrea 2021

Das Bild zeigt ein Schwarzes Kind, das eine Schüssel mit Tüchern trägt und an einer Wand mit einem Willkommens-Schriftzug entlang läuft.

Ein aus Eritrea geflüchtetes Kind im Flüchtlingscamp Mai-Aini in Äthiopien (Januar 2021)

Berichtszeitraum: 1. Januar 2021 bis 31. Dezember 2021  

Hunderte Menschen waren 2021 weiterhin in willkürlicher Haft oder Opfer des Verschwindenlassens. Tausende Menschen waren auf unbestimmte Zeit zum Militärdienst eingezogen. Es gab kein Impfprogramm gegen Covid-19.

Hintergrund

Seit November 2020 kämpften die Streitkräfte Eritreas (Eritrean Defence Forces – EDF) zusammen mit äthiopischen Regierungstruppen in der Region Tigray in Äthiopien gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (Tigray People’s Liberation Front). Im Zuge des Konflikts begingen Angehörige der EDF sowie Angehörige der äthiopischen Sicherheitskräfte und Milizionäre schwere Menschenrechtsverletzungen, einschließlich sexualisierter Gewalt gegen Frauen und außergerichtlicher Tötungen von Zivilpersonen, bei denen es sich möglicherweise um Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelte (siehe Länderkapitel Äthiopien).

 

Willkürliche Festnahmen und Verschwindenlassen

Die eritreischen Behörden hielten nach wie vor Hunderte Menschen an geheimen Orten willkürlich in Haft. Journalist_innen, ehemalige Politiker_innen und Angehörige verbotener Religionsgemeinschaften waren weiterhin ohne Anklage im Gefängnis, ohne dass ihre Familien oder ihre Rechtsbeistände sie besuchen durften. Der Aufenthaltsort von elf prominenten Politikern und 17 Journalisten, die vor 20 Jahren festgenommen worden waren, weil sie Kritik an der Regierungsführung von Präsident Afwerki geäußert hatten, blieb auch 2021 unbekannt.

Unter den Opfern des Verschwindenlassens waren der schwedische Journalist Dawit Isaak, der ehemalige Finanzminister Berhane Abrehe, der den Präsidenten in einem Buch kritisiert hatte, und Ciham Ali. Ciham Ali, die neben der eritreischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, war im Alter von 15 Jahren bei einem Fluchtversuch an der Grenze zum Sudan von den eritreischen Behörden festgenommen worden. Ciham Alis Vater Ali Abdu war damals Informationsminister in Eritrea und war kurz vor ihrer Festnahme ins Exil gegangen.

Zwangsarbeit

Die Regierung verpflichtete Schüler_innen im letzten Schuljahr weiterhin zum Militärdienst. Wehrdienstleistende wurden gezwungen, auf unbestimmte Zeit – über den gesetzlich vorgesehenen Zeitraum von 18 Monaten hinaus – im Militärdienst zu bleiben. Tausende Menschen waren auf unbestimmte Zeit zum Militärdienst eingezogen, viele von ihnen bereits seit mehr als zehn Jahren.

Recht auf Gesundheit

Die Reaktion der Regierung auf die Coronapandemie war unzureichend, und es gab bei Jahresende immer noch kein Impfprogramm.

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