Unterstützung für LGBTI+ dringend benötigt
Flagge zeigen: Protest anlässlich der verbotenen Pride in Budapest, 2025
© Krisztian Elek / SOPA Images / ZUMA Press Wire / pa
Amnesty International setzt sich für LGBTI+ ein, die inhaftiert oder angeklagt sind, zum Beispiel in Marokko und der Türkei. In Ungarn sogar mit Erfolg: Ein Verfahren wurde eingestellt.
Haft wegen Meinungsäußerung: Ibtissame Lachgar
Die feministische LGBTI-Aktivistin Ibtissame "Betty" Lachgar sitzt in Marokko im Gefängnis, weil sie ein Foto von sich in den sozialen Medien veröffentlichte. Es zeigte sie in einem T-Shirt mit der Aufschrift "Allah ist lesbisch". Sie kritisierte dabei auch den Islam und andere Religionen, indem sie diese als Systeme bezeichnete, die patriarchale und frauenfeindliche Strukturen stärken. Nach ihrer Festnahme im August 2025 wurde sie wegen "Beleidigung des Islams" angeklagt und im September zu zweieinhalb Jahren Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt.
Die feministische LGBTI-Aktivistin Ibtissame "Betty" Lachgar
© Romain Redler
Im Oktober bestätigte ein Berufungsgericht das Strafmaß. Ibtissame Lachgar setzt sich für grundlegende Freiheitsrechte ein, insbesondere für Meinungsfreiheit, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Ihre Haft basiert allein auf der friedlichen Ausübung ihrer Rechte und verstößt gegen internationale Menschenrechtsstandards.
Neben der ungerechtfertigten Verurteilung ist auch ihre Situation im Gefängnis alarmierend: Ibtissame Lachgar leidet an einer schweren Erkrankung und benötigt dringend medizinische Versorgung, die ihr bislang verwehrt wird. Sie wird isoliert festgehalten und ist körperlich wie psychisch stark belastet. Ihr Fall verdeutlicht, wie Gesetze verwendet werden, um kritische Stimmen und LGBTI-Aktivismus zu unterdrücken. Fordere die marokkanische Regierung auf, Ibtissame Lachgar sofort und bedingungslos freizulassen und bis zu ihrer Freilassung für eine angemessene medizinische Versorgung zu sorgen.
Kerem Dikmen
© privat
Strafverfahren gegen LGBTI-Vereine: Aktivist*innen unter Druck
In der Türkei stehen Emirhan Şaşmaz, Kerem Dikmen und neun weitere Mitglieder des Vereins Genç LGBTI+ in Izmir vor Gericht, weil sie sich friedlich für die Rechte von LGBTI+ einsetzen. Die Behörden werfen ihnen vor, gegen das Vereinsgesetz und Artikel 41 der Verfassung verstoßen zu haben. Im Dezember 2025 hatte ein Gericht die Auflösung des Vereins angeordnet und begründete dies mit "obszönen" Inhalten in den sozialen Medien.
Organisationen von und für LGBTI+ sind in der Türkei zunehmend diskriminierenden Verwaltungsprüfungen, gerichtlicher Schikane und Zensur ausgesetzt. Vage Moralvorwürfe dienen als Vorwand, um legitime Menschenrechtsarbeit zu kriminalisieren und grundlegende Rechte zu verletzen. Trotz dieser Repression leisten die Betroffenen wichtige Arbeit: Sie schaffen Räume für Austausch, stärken Gemeinschaft und setzen sich für Gleichberechtigung ein. Ihr Engagement ist Teil eines globalen Einsatzes für Freiheitsrechte – das Recht, sich zu organisieren, sichtbar zu sein und ohne Angst zu leben. Jetzt ist Solidarität entscheidend. Fordere die Einstellung aller Anklagen und den Schutz von Genç LGBTI+ und anderen Vereinen.
Géza Buzás Hábel
© Judit Ruprech / Amnesty Hungary
Verfahren eingestellt: Géza Buzás-Hábel
Der ungarische Menschenrechtsverteidiger Géza Buzás-Hábel wurde strafrechtlich verfolgt, weil er eine friedliche Pride-Parade organisiert hat. Im Oktober 2025 fand in der Stadt Pécs die Pride statt – trotz eines behördlichen Verbots auf Grundlage des ungarischen "Anti-Pride-Gesetzes". Am 9. Februar 2026 wurde Anklage gegen Géza Buzás-Hábel erhoben; im Falle einer Verurteilung drohte ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Das Verfassungsgericht sollte aber auf Antrag zweier Gerichte zwischenzeitlich prüfen, ob das "Anti-Pride-Gesetz" überhaupt rechtmäßig ist. Auch die Abwahl des autoritär regierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán im April 2026 könnte Auswirkungen auf den Umgang der Behörden mit LGBTI+ haben. Das Verfahren gegen Buzás-Hábel wurde jedenfalls Anfang Juni eingestellt.
Dennoch stellte die strafrechtliche Verfolgung von Géza Buzás-Hábel einen gravierenden Verstoß gegen die Rechte auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit dar. Das Verbot der Pécs Pride war willkürlich und diskriminierend. Es beruht auf einer Gesetzgebung, die die Sichtbarkeit von LGBTI+ pauschal als schädlich darstellt und friedliche Versammlungen einschränkt. Internationale Organisationen kritisieren dies als klaren Verstoß gegen Menschenrechtsstandards. Obwohl er ein strafrechtliches Verfahren befürchten musste, organisierte der Lehrer und Aktivist Géza Buzás-Hábel, der selbst schwul ist und Roma, eine friedliche Demonstration für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit.
Sein Engagement steht für Mut, Solidarität und die Verteidigung grundlegender Freiheitsrechte. Gemeinsam mit vielen anderen, darunter auch Amnesty International, setzt er sich in Ungarn dafür ein, frei und ohne Angst die eigene Identität auszudrücken und sich friedlich zu versammeln. Seine Anklage war Teil einer Entwicklung, die zivilgesellschaftliches Engagement erschwert und kriminalisiert. Unterstütze alle, die sich wie Géza Buzás-Hábel in Ungarn für Menschenrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit einsetzen.
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