Ghana: Protestrecht, Gewalt gegen Frauen und LGBTI+
Favour Nunoo ist Jugenddelegierte von Amnesty International in Ghana (2025)
© Jarek Godlewski
Amnesty Ghana setzt sich für das Recht auf friedlichen Protest und gegen Gewalt an Frauen und LGBTI+ ein, erklären die Jugenddelegierten Favour Nunoo und Edmund Adu.
Interview: Uta von Schrenk
Was sind die Hauptanliegen von Amnesty in Ghana?
Favour Nunoo: Ein Schwerpunkt ist das Recht auf friedlichen Protest, weil es viele Themen und Bereiche betrifft. Ein weiteres großes Problem ist geschlechtsspezifische Gewalt, vor allem die Zwangsverheiratung von Kindern. Kinderehen sind in manchen ethnischen Gruppen in Ghana aus traditionellen Gründen immer noch üblich. Im vergangenen Jahr wurde ein Fall bekannt, bei dem ein zwölfjähriges Mädchen an einen 63 Jahre alten Priester verheiratet wurde.
Wie hat die Öffentlichkeit auf den Fall reagiert?
Es gab eine große Empörung in den Online-Netzwerken, die dafür sorgte, dass die Polizei eingriff und das Mädchen in Obhut kam. Wir versuchen, mit unserer Arbeit ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass manche gelebten Traditionen nicht mit den Menschenrechten vereinbar sind.
Gibt es weitere Traditionen, die Amnesty für problematisch hält?
Ja. Der Gesetzentwurf zur Kriminalisierung von Hexerei wurde zwar vom Parlament verabschiedet, muss aber noch vom Präsidenten unterzeichnet werden. Wir fordern die Regierung weiterhin auf, Hexerei-Vorwürfe unter Strafe zu stellen und Praktiken zur Hexenjagd zu verbieten.
Edmund Adu ist Jugenddelegierter von Amnesty International in Ghana (2025)
© Jarek Godlewski
Wie steht es um die Rechte von Frauen insgesamt in Ghana?
Die Regierung und die Strafverfolgungsbehörden bemühen sich inzwischen, die Rechte von Frauen und Mädchen besser zu schützen. So gibt es ein Gesetz, das die Gleichberechtigung von Frauen im öffentlichen Leben stärken soll. Doch leiden viele Frauen in nahezu jedem Alter nach wie vor unter sexualisierter Gewalt. Einem Bericht zufolge ist mehr als die Hälfte der verheirateten Frauen von Übergriffen betroffen. Gewalt in der Ehe wird jedoch kaum geahndet. Ghana ist ein stark patriarchal geprägtes Land, unsere Gesellschaft hat noch eine Menge zu tun, um Frauen und Mädchen besser zu schützen.
Wie ist die Situation von queeren Menschen?
Edmund Adu: Die Lage für queere Menschen in Ghana ist nach wie vor äußerst prekär. LGBTI+ sind weiterhin schwerer Diskriminierung durch ihre eigenen Familien, in ihren Gemeinschaften, am Arbeitsplatz und innerhalb der staatlichen Systeme ausgesetzt, die eigentlich zu ihrem Schutz da sein sollten. Im Jahr 2024 verabschiedete das Parlament einen Gesetzentwurf, der darauf zielte, queere Identitäten unter Strafe zu stellen und jeden zu bestrafen, der sich für LGBTI-Rechte einsetzt. Obwohl der Präsident den Gesetzentwurf letztlich nicht gebilligt hat, verstärkte allein die Verabschiedung in der Öffentlichkeit Feindseligkeit einerseits und Angst andererseits. Für viele queere Ghanaer*innen sind die Gefahr von Gewalt, sozialer Ausgrenzung und möglicher Inhaftierung alltägliche Realität.
Ist kein gesellschaftlicher Wandel zu spüren?
Doch, vor allem jüngere Menschen wollen Geschlechterrollen offener leben. Angesichts der gesellschaftlichen Diskriminierung und staatlichen Verfolgung behalten die meisten ihre sexuelle Identität aber lieber für sich. Das Thema ist sehr sensibel.
Bringt Euch Euer Engagement persönlich in Gefahr?
Das nicht, aber wir sind auch nicht die Betroffenen, sondern nur ihre Fürsprecher*innen.
Uta von Schrenk ist Redakteurin des Amnesty Journals.
Hier findest Du mehr zur allgemeinen Menschenrechtssituation in Ghana, hier kannst Du über das Thema Goldabbau in Ghana lesen und hier zum Thema Frauenrechte und Abtreibung.