Amnesty Journal Ghana 24. Februar 2026

Ghana: Goldabbau vergiftet Wasser und Wälder

Eine illegale Goldmine in einem zerstörten Waldstück, der Boden aufgerissen, lehmig, darin ein Bagger und Abbaugebiet.

Vom Wald bleibt nicht viel übrig: Informelle Goldmine in der Nähe von Kumasi im Süden Ghanas

In Ghana wird immer mehr Gold abgebaut. Die Folgen sind verheerend – für die Umwelt, die Wasserversorgung, die Kakaoproduktion und die Gesundheit der Menschen. Nach Protesten steht das Thema nun auch auf der politischen Agenda.

Aus Kumasi von Ronja Schneider (Text und Fotos)

Mit voller Wucht trifft der Wasserstrahl auf den roten Boden. Der Druck verwandelt dicke Brocken Erde innerhalb von Sekunden in eine zähe Flüssigkeit, die über eine selbstgebaute Holzrampe in eine große Kuhle schießt. Dort hat sich aus unzähligen Litern des braun-roten Gemischs bereits ein schlammiger See gebildet. Nur wenige Meter weiter bearbeiten Männer die Erdoberfläche mit Spitzhacken. Zwischen den aufgeschichteten Erdhaufen und tiefen Gruben finden sich vereinzelt noch Bäumchen und Büsche, halb entwurzelt und von Schlamm bedeckt. Hier, in der Nähe der Großstadt Kumasi im Süden Ghanas, wo einst dichter Wald und eine Kakaoplantage standen, wird jetzt nach Gold gegraben. 

In Ghana hat sich innerhalb von wenigen Jahren ein regelrechtes Goldfieber ausgebreitet. Überall im Land sind improvisierte Minen entstanden, in denen mit rudimentären Mitteln nach dem Edelmetall geschürft wird. In kleinen, informellen Abbaustätten arbeiten Einzelne oder Dorfgemeinschaften mit Hacke, Schaufel und einfachen Pumpen, oft ohne staatliche Lizenz und unter prekären Bedingungen. Gegraben wird überall. Entlang der Hauptstraße von Ghanas Hauptstadt Accra nach Kumasi reihen sich die von Hand ausgehobenen Gruben aneinander, doch auch vor Naturschutzgebieten machen die Goldgräber und Goldgräberinnen keinen Halt. 

Rekordpreise auf dem Weltmarkt

Nachdenklich schaut sich Obed Owusu-Addai das Treiben in der Goldmine an. Der 36-Jährige leitet die Umweltorganisation EcoCare Ghana, die sich unter anderem für den Schutz von Wäldern einsetzt. "Mittlerweile sieht es im ganzen Land so aus", sagt er. Owusu-Addai blickt über mehrere Kilometer Kraterlandschaft. Während in der Grube eine Gruppe junger Männer von Hand Gold auswäscht, ­erledigt ein Bagger wenige hundert Meter weiter die grobe Arbeit: Er reißt in kürzester Zeit Bäume aus und gräbt metertiefe Senken, um neue Schürfflächen freizu­legen. 

Aus einem kleinen Radio tönt Musik, die jungen Männer arbeiten konzentriert, die Szene wirkt geradezu harmonisch. Obwohl die Arbeit körperlich anstrengend ist, herrscht gute Stimmung. "Wenn ihr bis heute Abend bleibt, werdet ihr Gold sehen", ruft einer der Männer aus dem knöcheltiefen Schlamm hoch. Am Ende des Tages winken lukrative Gewinne für das Schuften. 

Weil auf dem Weltmarkt derzeit Rekordpreise von fast 3.500 Euro pro Feinunze erzielt werden, sind selbst kleinste Goldvorkommen lukrativ. Entsprechend ist der illegale Goldabbau, in Ghana "Galamsey" genannt, kaum zu stoppen. Der Begriff geht auf die englische Wendung "gather them and sell" zurück – "sammle sie und verkaufe". Vor allem seit das Land 2022 in eine schwere Wirtschaftskrise geriet, ist Galamsey äußerst attraktiv ­geworden. 

Wir sind dabei, unsere Lebensgrundlage zu zerstören.

Obed
Owusu-Addai
Ein junger Mann mit hoher Stirn, kurzgeschorenem Haar und Zahnlücke steht in einem T-Shirt draußen, im Hintergrund Häuser.

Warnt vor dem schnellen Geld: Umweltaktivist Obed Owusu-Addai (Ghana, 2025)

Inzwischen erholt sich die Wirtschaft zwar langsam wieder, doch die Lebenshaltungskosten sind nach wie vor hoch und gut bezahlte Arbeitsstellen selten. In der Hoffnung auf schnelles Geld geben deshalb immer mehr Menschen die traditionelle landwirtschaftliche Arbeit auf und wechseln zum Goldabbau. Galamsey ist zudem auch ohne Schulabschluss oder Kontakte möglich, erklärt Owusu-Addai die komplexe Dynamik des Goldfiebers. In den vergangenen 15 Jahren habe zudem eine deutliche Professionalisierung auch des illegalen Goldabbaus stattgefunden. Mit dem Zustrom chinesischer Goldschürfer nach Ghana, die unter der Hand im Auftrag ghanaischer Lizenzinhaber arbeiten, seien schwere Maschinen wie Bagger und Bulldozer in großem Stil eingeführt worden. "Dadurch können heute in immer höherem Tempo große Flächen gerodet werden", sagt Owusu-Addai. 

Schürfer aus China

Im Jahr 2024 produzierte Ghana nach Angaben der Bergbaukammer die Rekordmenge von 4,8 Millionen Unzen Gold, 2022 hatte die Goldproduktion noch bei 3,7 Millionen Unzen gelegen. Doch der Boom hat seinen Preis. Skeptisch blickt Owusu-Addai auf den schimmernden Film, der auf dem Wasser in der Goldgrube liegt. Insbesondere im illegalen Bergbau werden große Mengen giftiger Chemikalien wie Quecksilber eingesetzt, um Gold zu gewinnen. Was zurückbleibt, sind verseuchte Böden und Gewässer, die nicht mehr genutzt werden können und die Gesundheit belasten. "Wir sind dabei, unsere Lebensgrundlage zu zerstören", warnt er. 

Als im August 2024 der staatliche Trinkwasserkonzern Ghana Water Company Limited bekanntgab, er könne wegen der hohen Verschmutzung des Flusses Pra die Städte Cape Coast und Elmina nicht mehr mit ausreichend Trinkwasser versorgen, war ein Kipppunkt erreicht. "Etwa 60 Prozent des Einzugsgebiets sind aufgrund des illegalen Bergbaus ­verschlammt, was die Wasserqualität ­beeinträchtigt", hieß es in der Presse­mitteilung. Hunderte Protestierende marschierten daraufhin Ende September 2024 drei Tage lang durch die Straßen Accras und forderten ein Ende der Umweltzerstörung. 

"Wir haben die Regierung aufgefordert, endlich Maßnahmen gegen die ­Verschmutzung der Gewässer zu ergreifen und gegen die politischen Parteien und Beamten sowie gegen illegale und unverantwortliche Bergbauunternehmen vorzugehen, die an der Vergiftung der ghanaischen Gewässer Mitschuld tragen", sagt Oliver Barker-Vormawor vom zivil­gesellschaftlichen Netzwerk Democracy Hub, das zu den Protesten aufgerufen hatte. Dabei wurden 54 Personen festgenommen und inhaftiert, darunter auch Barker-Vormawor. Mit dem Amtsantritt von Präsident John Dramani Mahama im Januar 2025 wurden zwar alle Anklagen fallen gelassen. Doch die Festnahmen hätten eine große Signalwirkung gehabt, sagt Genevieve Partington, Leiterin von Amnesty International Ghana. Das Recht zu protestieren sei ein Grundrecht, betont sie. Daher setze sich Amnesty nun dafür ein, "langfristig eine Überarbeitung der Gesetze zur öffentlichen Ordnung zu ­erzielen".

Minenarbeiter einer Goldmine stehen nur in Shorts im Schlamm einer Mine, einer von ihnen hat einen Schlauch in der Hand.

Am Ende des Tages locken lukrative Gewinne: Gold auszuwaschen ist schwere Arbeit (Ghana, 2025)

Der Ärger über die Zerstörung von Gewässern und Wäldern dominiert auch im Herbst 2025 die Schlagzeilen der gha­naischen Medienlandschaft. Zwar hatte schon die Vorgängerregierung angekündigt, Galamsey zu stoppen, und Bagger ­öffentlichkeitswirksam verbrannt. Doch die Maßnahme zeigte kaum Wirkung. "Die Schürfer haben ihre Maschinen ­daraufhin versteckt, sogar in Kirchen", berichtet Owusu-Addai. Doch nicht die kreativen Verstecke sind das Problem beim Vorgehen gegen die Umweltzerstörung. Vielmehr seien hochrangige Politiker*innen in die lukrativen Goldgeschäfte involviert, was echte Reformen erschwert. Darin sind sich die Aktivisten Owusu-­Addai und Barker-Vormawor einig. 

Gegenmaßnahmen angekündigt

Nach seinem Amtsantritt kündigte Präsident John Dramani Mahama neue Maßnahmen an. Die Regierung setzt jetzt auf Wiederaufforstung und den Schutz sowie das Entgiften von Gewässern. Unter dem Motto "Tree for Life" ("Baum für ­Leben") sollen 30 Millionen Bäume gepflanzt werden. Außerdem will man rund 2.000 "Blue Water Guards" ausbilden. Von der ghanaischen Marine trainiert, sollen die Wasserwächter*innen die Gemeinden über Umweltschutz aufklären, die Gewässer beobachten und illegale ­Aktivitäten den Behörden melden. Die Behörden wollen zudem Bagger künftig mit einem digitalen Tracking-System überwachen. 

Mit Erfolgsmeldungen wie der Rückeroberung von neun Waldreservaten, die zuvor in der Hand bewaffneter illegaler Goldgräber waren, hebt die Regierung ihre Fortschritte im Kampf gegen den informellen Bergbau hervor. Nach Angaben des Ministers für Land und natürliche Ressourcen, Emmanuel Armah-Kofi Buah, sind seit Juli 2025 rund 5.500 Hektar Land wieder unter staatlicher Kontrolle. Diese Zahlen zeigen vor allem eines: das enorme Ausmaß der Zerstörung. 

Effekte auf den Kakaosektor

Der illegale Goldabbau wirkt sich längst auch auf den Kakaosektor aus. Jahrelang war Ghana nach der Elfenbeinküste der weltweit zweitgrößte Kakaoexporteur, doch seit einigen Jahren sinkt die Produktion der wertvollen Bohne. Gründe für den Rückgang sind unter anderem der Klimawandel, Baumkrankheiten und ein alternder Baumbestand. Immer mehr Landwirt*innen geben ihre Kakaoplantagen auf und fangen an, nach Gold zu graben. Dies führt jedoch zu einer unguten Entwicklung: Die geringere Kakaoproduktion in Ghana trägt dazu bei, dass die Preise auf dem Weltmarkt derzeit hoch sind. Das wiederum treibt den Anbau in anderen Teilen der Welt an. Laut dem Kakao-Barometer 2025 besteht die Gefahr einer Überproduktion, die ab 2027 zu einem Preisverfall in der Branche führen könnte. Womöglich wären dann weitere Bauern und Bäuerinnen in Ghana gezwungen, ihre Plantagen aufzugeben.

Aktivist*innen fordern daher, bestehende Gesetze konsequent durchzusetzen, um den illegalen Goldabbau nachhaltig einzudämmen. Sie fordern aber auch, den Kakaosektor wieder attraktiv und lohnenswert zu machen. Wichtig ­wären eine bessere Förderung lokaler ­Verarbeitung und somit Wertschöpfung, mehr Unterstützung für Kakaokooperativen und die Einführung ertragreicher und pflegeleichter Kakaosorten. Denn das eigentliche Problem hinter dem Goldrausch, sagt Umweltaktivist Owusu-Addai, sei die grassierende Armut im Land. "Am Ende des Tages geht es allen darum, Essen auf den Tisch stellen zu können."

Ronja Schneider ist freie Journalistin. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung von Amnesty International wieder.

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