Aktuell Katar 23. März 2020

Coronavirus: Hohe Ansteckungsgefahr für Arbeitsmigrant_innen

Mann im Vordergrund mit Schutzmaske, dahinter die Skyline von Doha

Ein Mann in der katarischen Hauptstadt Doha trägt eine Maske, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen (16. März 2020)

In Katar sind ausländische Arbeitskräfte besonders schwer von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen: Sie sind dort in lagerartigen Massenunterkünften untergebracht und haben keinen Zugang zu einer angemessenen Wasser- und Sanitärversorgung.

Zu den Berichten, dass Teile des Industriegebiets von Doha – Standort einer großen Anzahl von Massenunterkünften für Arbeitsmigrant_innen – abgeriegelt wurden, nachdem Hunderte Bauarbeiter_innen dort mit Corona infiziert wurden, sagte Steve Cockburn, stellvertretender Leiter der Abteilung Globale Themen bei Amnesty International:

"Während weltweit versucht wird, die Corona-Pandemie einzugrenzen, sitzen Arbeitsmigrant_innen in Massenunterkünften, wie denen in Katar, fest und sind dort extrem gefährdet, sich mit dem Virus anzustecken."

"Die lagerartigen Massenunterkünfte zur Unterbringung von ausländischen Arbeitskräften sind ständig überfüllt und es mangelt dort an einer angemessenen Wasser- und Sanitärversorgung. Dadurch können sich diese Arbeitskräfte grundsätzlich schlechter vor dem Virus schützen. In den völlig überfüllten Unterkünften können sie keinerlei Abstand zueinander halten."

"Die Regierung von Katar muss sicherstellen, dass bei dem Versuch, die Ausbreitung des Coronavirus zu begrenzen, grundsätzlich die Menschenrechte im Mittelpunkt stehen und dass alle Menschen im selben Umfang Zugang zur Gesundheitsversorgung, also zu Präventivmaßnahmen und die Betroffenen zur Behandlung, erhalten." 

"Amnesty International ruft Katar und die anderen Golfstaaten dazu auf, sicherzustellen, dass ausländische Arbeitskräfte in der derzeitigen Krise nicht noch weiter an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden und dass sie Zugang zu Krankengeld und zur Gesundheitsversorgung erhalten, wenn sie aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten."
 

Hintergrund

Während der Recherchen in Katar hat Amnesty International Massenunterkünfte für ausländische Arbeiter_innen im Industriegebiet von Doha besucht. Dort sind große Gruppen ausländischer Arbeitskräfte in sehr schlechten Unterkünften untergebracht. Sie schlafen in Stockbetten in überfüllten Räumen, es gibt nur unzureichende Sanitäranlagen und zum Teil weder Strom noch fließendes Wasser.

Seit 2010, als Katar vom FIFA-Verband den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2022 erhielt, ist die Anzahl der ausländischen Arbeitskräfte sprunghaft angestiegen. Sie kommen aus einigen der ärmsten Länder dieser Welt und arbeiten im Baugewerbe, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie in Privathaushalten. Ausländische Arbeitskräfte stellen 95% der erwerbstätigen Bevölkerung Katars.

Amnesty International hat bereits mehrfach den Mangel an Rechten der ausländischen Arbeitskräfte im Industriegebiet in Doha und das ausbeuterische Arbeitssystem Katars dokumentiert.
 

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