Aktuell Erfolg El Salvador 19. August 2019

Evelyn Hernández nach Totgeburt vom Vorwurf des Mordes freigesprochen

Eine junge lächelnde Frau, die an einem Tisch sitzt, hält sich ihre rechte Hand vor den Mund

Evelyn Hernández kurz nach ihrem Freispruch im Gerichtssaal in Ciudad Delgado    

Vergewaltigung, Fehlgeburt, Verurteilung zu 30 Jahren Haft wegen Mordes: Evelyn Hernández musste in den vergangenen Jahren viel erleiden. Nachdem die junge Frau bereits drei Jahre im Gefängnis verbracht hatte, wurde sie am Montag freigesprochen. Amnesty International hatte sich für ihre Freilassung eingesetzt.

Nachdem Evelyn Hernández am 6. April 2016 zuhause ohnmächtig geworden war, kam sie ins Krankenhaus von Cojutepeque im Norden El Salvadors. Die Wehen hatten eingesetzt, ohne dass sie sich überhaupt bewusst gewesen wäre, dass sie schwanger war. Das Kind kam tot zur Welt. Evelyn Hernández gab später an, dass durch eine Vergewaltigung schwanger geworden sei. Berichten lokaler Organisationen zufolge hatte sie ihre Vergewaltigung aus Angst vor möglichen Konsequenzen nicht zur Anzeige gebracht.

Das Krankenhauspersonal meldete Evelyn Hernández bei der Polizei. Sie wurde festgenommen und später wegen Mordes zu 30 Jahren Haft verurteilt. 2018 hob ein höheres Gericht das Urteil auf und ordnete eine Neuverhandlung an. Am 19. August 2019 wurde die 21-Jährige von allen Anklagen wegen Mordes freigesprochen.

Erika Guevara-Rosas, Direktorin von Amnesty International in den Amerikas, erklärte: "Das Urteil ist ein großer Sieg für die Rechte von Frauen in El Salvador. Es bestätigt, dass keine Frau des Mordes beschuldigt werden darf, nur weil sie einen gynäkologischen Notfall hat. Nachdem Evelyn freigesprochen wurde, ruft Amnesty International El Salvador auf, die beschämende und diskriminierende Praxis der Kriminalisierung von Frauen ein für alle Mal zu beenden und die drakonischen Abtreibungsgesetze aufzuheben."

Hintergrund

Ein Schwangerschaftsabbruch ist in El Salvador unter allen Umständen strafbar. Frauen, die Probleme in der Schwangerschaft haben und eine Fehlgeburt erleiden, werden unter diesen Gesetzen häufig fälschlich strafrechtlich verfolgt und schuldig gesprochen. Nach Angaben von Partnerorganisationen von Amnesty International in El Salvador befinden sich mindestens 19 Frauen aus diesem Grund derzeit im Gefängnis oder werden strafrechtlich verfolgt.

2015 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, der die Auswirkung solcher willkürlicher Strafen auf die Frauen in El Salvador beleuchtet. Strafrechtlich verfolgt werden hauptsächlich Frauen aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen.

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