Flüchtlingskrise in Syrien: Deutschland muss Nachzug zu syrischen Verwandten erleichtern!
"Ein Mann steht in der Stadt Azaz vor den Überresten seines Hauses, das von der syrischen Luftwaffe zerstört wurde"
© Amnesty
28. Februar 2013 - Die Situation in Syrien verschlimmert sich täglich. Bis Anfang des Jahres hat der interne bewaffnete Konflikt nach Angaben der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte das Leben von über 60.000 Menschen gefordert. Allein zwei Millionen Syrerinnen und Syrer sind in der Folge innerhalb ihres Landes vertrieben worden.
In den Nachbarländern halten sich gegenwärtig mindestens eine Million syrische Flüchtlinge auf – dreiviertel davon sind Frauen und Kinder. Die meisten von ihnen haben Zuflucht in Jordanien und dem Libanon gesucht, sowie in der Türkei, dem Irak und in Ägypten.
Für die Betroffenen gibt es dort oft nur einen unzureichenden Zugang zu medizinischer Versorgung, zu Trinkwasser oder zu Bildung. Die Nahrungsmittelpreise in der Region sind in die Höhe geschnellt. Die aufnehmenden Länder sind längst an die Grenzen ihrer Kapazität gelangt.
Deutschland muss sich solidarisch zeigen und alles tun, um die Nachbarländer Syriens zu entlasten. Dazu zählt auch, weiterhin finanzielle Hilfe für die Versorgung syrischer Flüchtlinge in der Region zu leisten. Aber das reicht nicht aus.
Vor allem Innenpolitiker weisen oft darauf hin, dass die Bundesrepublik gemeinsam mit Schweden die meisten syrischen Flüchtlinge "aufgenommen habe". Richtig ist, dass die Schutzquote für syrische Flüchtlinge in Deutschland sehr hoch ist. Es darf aber nicht vergessen werden, dass die meisten Betroffenen auf gefährlichem und teilweise illegalem Wege fliehen mussten, um hier überhaupt einen Asylantrag zu stellen.
"Angesichts der dramatischen Lage muss die Bundesregierung zügig und unbürokratisch syrische Flüchtlinge aufnehmen, die bei ihren hier lebenden Verwandten unterkommen wollen," fordert Selmin Çalışkan, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Die meisten Flüchtlinge scheitern an den hohen gesetzlichen Vorgaben, wenn sie zu ihren Familienangehörigen nachreisen wollen. Und so erhalten Flüchtlinge, die bei ihren Verwandten in Deutschland unterkommen könnten, derzeit in der Regel kein Visum.
"Die Entscheidung für eine solche Aufnahme sollte die Bundesregierung jetzt treffen und in der Europäischen Union dafür werben, statt abzuwarten, bis sich alle EU-Mitgliedstaaten zur Aufnahme syrischer Flüchtlinge durchringen," sagte Çalışkan.