Aktuell Jordanien 30. Oktober 2013

Jordanien: Syrische Flüchtlinge abgewiesen und zurückgeschickt

Syrische Flüchtlinge in Jordanien: Zahlreiche Menschen wurden gewaltsam nach Syrien abgeschoben

Syrische Flüchtlinge in Jordanien: Zahlreiche Menschen wurden gewaltsam nach Syrien abgeschoben

31. Oktober 2013 – Internationale Unterstützung ist notwendig, damit Jordanien die Einreisebeschränkungen für Flüchtlinge aus Syrien aufhebt. Das fordert Amnesty International in einem aktuellen Bericht, der dokumentiert, dass hunderte von Flüchtlingen an den Grenzen von Jordanien und anderen Nachbarländern abgewiesen werden. Der Bericht "Growing restrictions, tough conditions: The plight of those fleeing Syria to Jordan" zeigt auf, dass es für Menschen immer schwieriger und komplizierter wird, aus dem bewaffneten Konflikt in Syrien nach Jordanien oder in andere Nachbarländer zu fliehen. Zahlreiche Flüchtlinge wurden gewaltsam nach Syrien abgeschoben. Diejenigen, die bleiben dürfen, müssen sich unter schwierigsten Bedingungen um ihre Grundversorgung bemühen.

Über zwei Millionen Menschen sind inzwischen aus Syrien geflohen, was zur Ausdehnung der grössten humanitären Katastrophe dieses Jahrzehnts beigetragen hat. Die meisten haben im Libanon, in Jordanien, der Türkei, im Irak oder Ägypten Schutz gefunden. Mindestens 4,25 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens vertrieben worden.

Zurückweisungen an der Grenze

Obwohl die jordanischen Behörden versichern, dass die Grenzen für Flüchtlinge aus Syrien offen geblieben sind, belegen die Untersuchungen von Amnesty International vor Ort, dass verschiedenen Gruppen die Einreise nach Jordanien verweigert wurde. Dies gilt für mindestens vier verschiedene Gruppen von Flüchtlingen: palästinensische Flüchtlinge, Menschen ohne gültige Ausweispapiere, bis dahin in Syrien lebende irakische Flüchtlinge und alleinstehende Männer, die keine familiären Beziehungen in Jordanien nachweisen können.

Die Zurückweisungen an der jordanischen Grenze und die anhaltenden Kämpfe im Grenzgebiet auf syrischer Seite führen außerdem dazu, dass tausende Vertriebene dort in der Falle sitzen. Einige Familien haben Amnesty International berichtet, dass sie von jordanischen Grenzbeamten abgewiesen wurden. Eine Frau, Mutter von sechs Kindern, erzählte, dass sie in ihren Pass die Anweisung "in einem Monat zurückkommen" gestempelt worden sei. Sie habe zusammen mit ihren Kindern gezwungenermaßen auf der Straße nahe der Grenze geschlafen. Zusammen mit ungefähr 100 weiteren Familien kämpften sie täglich ums Überleben, indem sie alle Früchte aßen, die sie von umstehenden Bäumen pflücken konnten. Nach einem Monat Wartezeit durften sie immer noch nicht einreisen und waren gezwungen, in ei-ne nahegelegene syrische Stadt zurückzukehren.

"Der Zustrom von Flüchtlingen aus Syrien bedeutet enorme Belastungen für die Nachbarländer. Ihre Ressourcen stoßen verständlicherweise an ihre Grenzen. Trotzdem sollte dieses Argument nicht dazu dienen, Flüchtlinge abzuweisen oder sie nach Syrien abzuschieben, wo der bewaffnete Konflikt und die humanitäre Krise kein Ende nehmen. Die meisten Menschen, die aus Syrien nach Jordanien oder in andere Nachbarländer fliehen wollen, haben bereits alles verloren“, sagte Ruth Jüttner, Nahost-Expertin von Amnesty International.

Abschiebungen

Denen, die es nach Jordanien geschafft haben, droht das nächste Risiko: gewaltsame Abschiebung. Die jordanischen Behörden berichteten Amnesty international, dass niemand nach Syrien abgeschoben werde. Trotzdem wurden im August 2012 rund 200 Flüchtlinge zurück nach Syrien gebracht, nachdem es im Flüchtlingslager Za´atari zu Protesten gekommen war. Weitere Informationen von Amnesty deuten darauf hin, dass zahlreiche weitere Menschen seitdem abgeschoben wurden.

"Menschen, die vor dem bewaffneten Konflikt in Syrien geflohen sind, unterstehen internationalem Schutz. Die gewaltsame Rückführung solcher Flüchtlinge nach Syrien ist ein Verstoß gegen Menschenrechtsstandards," sagte Ruth Jüttner.

Lebensbedingungen in Za´atari

Flüchtlingslager Za'atari in Jordanien

Flüchtlingslager Za'atari in Jordanien

Das Flüchtlingslager Za´atari ist mit rund 120.000 syrischen Flüchtlingen inzwischen das größte Lager in Jordanien. Die Bewohner haben Amnesty International erzählt, dass sie nur unter großen Anstrengungen eine angemessene Grundversorgung erhalten. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser, die hohe Kriminalitätsrate und die mangelnde Sicherheit im Lager gehören zu den größten Problemen. Nur die Hälfte der für einen Schulbesuch in Frage kommenden Kinder ist für den Unterricht im Flüchtlingslager registriert. Amnesty International hat vor Ort zahlreiche Kinder getroffen, die nicht einmal 12 Jahre alt waren und für den Unterhalt ihrer Familie arbeiten mussten, statt zur Schule zu gehen.

Frauen und Mädchen in Za´atari berichteten außerdem, dass sie in ständiger Angst vor sexuellen Übergriffen lebten. Einige erzählten, sie könnten aus Angst vor Belästigung nachts nicht alleine die unbeleuchteten Gemeinschaftstoiletten aufzusuchen. Ärzte im Camp berichten von einer zunehmenden Zahl von Frauen, die Blaseninfektionen haben, weil sie über lange Zeit zu den Gemeinschaftstoiletten gehen.

Andere berichteten, dass jordanische Männer im Lager auf "Brautschau" gehen. Die potentiellen Bräute sind meist jung und werden aufgrund ihres Flüchtlingsstatus als minderwertig angesehen. Jungen Frauen und Mädchen droht unter diesen Bedingungen Ausbeutung in der Ehe, die manchmal auch nur vorübergehender Dauer ist.

Aufgrund dieser verheerenden Missstände ruft Amnesty International die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Nachbarstaaten deutlich mehr als bisher zu unterstützen. "Die internationale Gemeinschaft hat die wichtige Aufgabe, den Nachbarländern, die diese Last mit ihren beschränkten Ressourcen schultern, Unterstützung zu gewähren, um eine Zuspitzung der Krise zu verhindern. Die internationale Gemeinschaft und insbesondere die EU müssen die humanitären Hilfsmaßnahmen aufstocken und eine größere Zahl schutzbedürftiger syrischer Flüchtlinge aufnehmen, sei es durch Resettlement oder humanitäre Aufnahmeprogramme“, sagte die Nahost-Expertin Ruth Jüttner.

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Amnesty-Bericht "Growing restrictions, tough conditions: The plight of those fleeing Syria to Jordan"

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