Aktuell Jemen 26. September 2011

Gewalt im Jemen nimmt zu

Am 13. Februar attackierten Sicherheitskräfte die etwa 2.000 friedlich Demonstrierenden in der Hauptstadt Sana'a

Am 13. Februar attackierten Sicherheitskräfte die etwa 2.000 friedlich Demonstrierenden in der Hauptstadt Sana'a

19. September 2011 – Amnesty International fordert die jemenitischen Behörden dazu auf, das Töten friedlicher Demonstranten durch die Sicherheitskräfte sofort zu unterbinden, nachdem Berichte darüber bekannt geworden waren, dass am 18. September 2011 circa 26 Menschen in der Hauptstadt Sana’a erschossen worden sind.

Mehrere hundert weitere Menschen wurden Berichten zufolge verletzt, als die Sicherheitskräfte Scharfschützen und Panzerfäuste gegen Demonstranten einsetzten, die den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Saleh forderten. Die fortgesetzte Gewaltanwendung hat am Tag darauf weitere Todesopfer gefordert.

Auch in der südjemenitischen Stadt Tai’zz hat sich die Situation verschlechtert, nachdem Sicherheitskräfte auf eine in Solidarität mit den Todesopfern in Sana’a abgehaltene Demonstration feuerten.

„Der Jemen steht auf des Messers Schneide. Diejenigen, die friedlich für einen Wandel demonstriert haben, sind immer mehr enttäuscht über die festgefahrene politische Situation“, sagte Philip Luther, stellvertretender Direktor der Abteilung Naher und Mittlerer Osten und Nordafrika bei Amnesty International.

„Die Gewaltausbrüche bergen ein immer größer werdendes Risiko eines Bürgerkriegs. Die jemenitischen Behörden müssen die Anwendung unverhältnismäßiger Gewalt stoppen, bevor die Spirale der Gewalt außer Kontrolle gerät.“

Seit Februar 2011 wurden circa 200 Menschen getötet und mehr als Tausend bei Demonstrationen in ganz Jemen verletzt. Die jemenitische Behörden haben zu manchen der Todesfälle Untersuchungen in Gang gesetzt. Den Opfern eines Angriffes auf ein Zeltlager von Demonstranten in Sana’a am 18. März 2011, bei dem Berichten zufolge allein mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen waren, wurde Entschädigung angeboten.

Immer mehr Bewohner werden außerdem Opfer der Zusammenstöße zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Oppositionellen, auch in Sana’a und Tai’zz.

In Zinjibar, einer Stadt im Süden von Jemen, haben Berichten zufolge Dutzende Familien ihre Häuser verlassen, nachdem im Juni Kämpfe zwischen der jemenitischen Armee und Oppositionellen, die der Zugehörigkeit zu Al-Qaida beschuldigt werden, ausgebrochenen waren.

Amnesty International hat auch den UN-Menschenrechtsrat, der am 19.September 2011 in Genf zur Situation in Jemen beriet, dazu aufgerufen, von den jemenitischen Behörden den sofortigen Stopp des Gebrauchs scharfer Munition gegen friedliche Demonstranten durch die Sicherheitskräfte zu fordern.

Amnesty International hat außerdem dazu aufgerufen, Lieferungen von Waffen und Munition sofort auszusetzen, die zur unverhältnismäßigen Anwendung von Gewalt gegen Protestierende eingesetzt werden könnten.

„Die internationale Gemeinschaft kann nicht weiter ihre Sicherheitsbedenken und Ängste bezüglich Al-Qaida über ihre Menschenrechtsüberlegungen im Jemen stellen,“ sagte Philip Luther.

„Den jemenitischen Behörden muss klargemacht werden, dass die Demonstranten wegen der friedlichen Ausübung ihrer Rechte nicht angegriffen werden dürfen. Die Übergriffe durch die jemenitischen Sicherheitskräfte sind völlig inakzeptabel und müssen aufhören. Und diejenigen, die für die Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“

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