Aktuell Tschechische Republik 15. Januar 2010

Tschechien: Behörden reagieren auf Amnesty-Bericht

Roma-Kinder in einer Schule für Kinder mit "leichten geistigen Behinderungen" in Ostrava, Tschechien, Februar 2009.

Roma-Kinder in einer Schule für Kinder mit "leichten geistigen Behinderungen" in Ostrava, Tschechien, Februar 2009.

15. Januar 2010 - Die tschechischen Behörden haben auf den am Mittwoch veröffentlichten Amnesty-Bericht über die Diskriminierung von Roma-Kindern im tschechischen Schulsystem reagiert und angekündigt, Maßnahmen zu ergreifen.

Amnesty kritisierte in dem Bericht, dass Roma-Kinder in vielen Orten Tschechiens in Sonderschulen für Kinder mit "leichter geistiger Behinderung" eingeschult werden und dadurch nur eine Schulbildung niederen Standards erhalten.

Das tschechische Bildungsministerium lobte den Bericht und verpflichtete sich dazu, die sogenannten „Praxisgrundschulen“ anzuweisen, nur noch Kinder mit "leichter geistiger Behinderung" aufzunehmen.

„Alle anderen Kinder gehören in gewöhnliche Grundschulen,“ sagte die Ministerin Miroslava Kopicova in einer offiziellen Stellungnahme auf der Internetseite des Ministeriums.

„Wir begrüßen die Reaktion der tschechischen Behörden auf unseren Bericht,“ sagte Imke Dierßen, Europareferentin von Amnesty International Deutschland. „Dennoch möchten wir unsere wichtigste Empfehlung noch einmal wiederholen: die Behörden sollten sicherstellen, dass im Schuljahr 2010/11 keine Kinder in eine Praxisgrundschule bzw. in Extra-Klassen für Kinder mit "leichten geistigen Behinderungen" eingeschult werden, bis eine umfassende Prüfung über die Notwendigkeit der entsprechenden Lehrpläne und Schulen vorliegt.“

In einigen Orten machen Roma bis zu 80 Prozent der Schüler an "Praxisgrundschulschulen" aus - so heißen die Sonderschulen seit 2005 offiziell. Oder sie werden auf vergleichsweise niedrigem Niveau unterrichtet, weil Schulen oder Klassen ausschließlich aus Roma-Kindern zusammengesetzt sind.

„Die tschechische Regierung bestätigte uns gegenüber die Ergebnisse des Berichtes und zeigte sich offen für unsere Empfehlungen. Wir hoffen, dass jetzt konkrete Schritte folgen,“ so Imke Dierßen.

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